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Die schwierige Saison des Timo Werner

„Bin nicht als Einwechselspieler hier“

Münster

Vieles deutet daraufhin, dass Timo Werner als Joker zum Zug kommt, wenn Deutschland in die EM startet. Der 25-Jährige hat eine Saison mit Höhen und Tiefen hinter sich, sein Standing in der Nationalmannschaft ist wie beim FC Chelsea nicht ganz einfach. Doch er hat Großes vor.

Von Alexander Heflik

Hat sich mit seinem Status als Einwechselspieler noch lange nicht abgefunden: Timo Werner. Foto: Imago/Teams 2

Timo Werner spürt Gegenwind. Diese Rolle kannte er in den letzten Jahren in der Nationalelf nicht. Der Stammspieler in der Offensive ist aktuell nur noch Reservist. „Ja, vielleicht ist das der Moment, wo ich hinten dran bin“, erklärte der Stürmer vom FC Chelsea am Samstag. Glücklich ist er darüber nicht, er wirkt aber auch nicht so, als ob er hoffnungslos sei: „Wir sind nach zweieinhalbwöchiger Vorbereitung bereit.“

Das gelte natürlich auch für ihn selbst, er rechnet fest mit seiner Chance im Turnierverlauf. Und hatte er nicht noch vor der Generalprobe gegen Lettland gesagt: „Ich komme nicht zur EM, um Einwechselspieler zu sein.“ Im Idealfall hat er sieben Partien Zeit, seinen Status zu ändern.

Kein Platz für alle

Aber Werner weiß, so kurz vor dem deutschen Auftaktspiel am Dienstag in München gegen Weltmeister Frankreich, dass aktuell in der ersten Formation kein Platz für ihn ist. Was sich in den Länderspielen des Jahres bereits angedeutet hat, dass Serge Gnabry und Kai Havertz die besseren Karten besitzen und Werner nur zu kurzen Einsätzen kam, ist jetzt zur Gewissheit geworden. Zumal auch noch Thomas Müller als Rückkehrer und Weltmeister von 2014 einen weiteren Platz in der Offensive geblockt hat. Mit seinen 25 Jahren hat Timo Werner schon die eine oder andere Krise hinter sich, war als 21-Jähriger in der Bundesliga nach einer Partie gegen den FC Schalke 04 als „Schwalbenkönig“ gebrandmarkt. Das war gestern. Wie auch die WM in Russland, bei der er dreimal in der Startelf stand – Deutschland schied in der Vorrunde aus. „Damals haben wir auch alle gebrannt. Genauso ist es jetzt, wir arbeiten daran, unsere Qualität auf den Platz zu bringen.“ Es sei aus seiner Sicht halt nicht so, dass in Russland im Vorfeld alles schiefgelaufen sei.

Zuletzt blieb er bei Chelsea im Spätherbst nach dem Abgang bei RB Leipzig drei Monate ohne Pflichttor.

50 Millionen Ablöse

Den „Blues“ aus London war er mindestens 50 Millionen Euro wert, sein „Leipxit“ verlief aber nicht gerade einfach. „Das war ein Jahr mit Höhen und Tiefen, ich habe viel gelernt“, sagt Werner heute, die britischen Medien zählten ihn an, weil er Probleme mit der Umstellung auf den körperlich härteren Premier-League-Fußball hatte. Aber, so Werner: „Nicht alles war schlecht. Das eine oder andere Tor mehr hätte es sein müssen.“

Sein Erklärungsansatz ist verwegen, er habe vielleicht zu viel nachgedacht in dieser Saison, darunter habe sein Instinkt gelitten. Aber er habe sich aus diesem Tief wieder herausgearbeitet. Und nun? „Ich bin bereit.“ Es klingt glaubwürdig.

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