1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Statt Urlaub: Brillux-Athlet Zahlten fährt zur WM nach Kolumbien

  6. >

Leichtathletik: Junioren-Gala in Mannheim

Statt Urlaub: Brillux-Athlet Zahlten fährt zur WM nach Kolumbien

Münster

Wenn jemand weiß, wie Hindernisse zu nehmen sind, dann Silas Zahlten. Der 17-Jährige ist Spezialist im Überqueren von Hürden aller Art – und hat seit Samstag freie Bahn Richtung Kolumbien. Der Leichtathlet der LG Brillux Münster hat das Ticket zur U-20-WM in Cali sicher.

Von Ansgar Griebel

Alle Hürden genommen: Silas Zahlten meisterte bei der Junioren-Gala die letzten Hindernisse auf dem Weg zur U-20-Weltneisterschaft in Kolumbien. Foto: Imago

Silas Zahlten hatte für den Samstagabend einen Plan B bereitgehalten. „Ja, wenn es nicht geklappt hätten, dann hätte ich eine Woche Urlaub gebucht – irgendwohin.“ Aber weil zuvor Plan A reibungslos über die Bühne gegangen war, kann der 17-Jährige von der LG Brillux Münster die Reiseplanung jetzt getrost dem Deutschen Leichtathletik-Verband überlassen, der für seine besten Sportler ein ziemlich reizvolles Paket geschnürt hat: Anfang August startet der deutsche U-20-Kader bei den Weltmeisterschaften in Cali/Kolumbien, vorher geht es zehn Tage lang ins Vorbereitungstraining in den Sunshine-State nach Florida.

Das klingt super, aber möglicherweise auch besser, als es ist – zumindest aus touristischer Sicht. „Da sollten wir nicht zu viel erwarten“, lacht der junge Mann aus Dülmen. In den USA vor allem das Trainingsgelände – und das bei bis zu 40 Grad im Schatten wohl „auch in der Halle“, und in Cali neben einer Menge von lästigen Mücken und Reisewarnungen für diverse Stadtviertel vor allem die Welttitelkämpfe. Nein, so viel steht fest: Urlaub ist das für Silas Zahlten nicht. Immerhin begleiten ihn seine Eltern nach Südamerika – aber bestens erholt wird er Mitte August nicht in sein letztes Schuljahr auf dem Pascal-Gymnasium starten. Das macht aber nichts“, sagt der Brillux-Athlet, immerhin habe auch das jüngste Zeugnis nicht wirklich unter der Doppelbelastung gelitten.

In der Ruhe liegt die Kraft

Bei der Junioren-Gala in Mannheim musste Zahlten nach der Pflicht durch die zuvor abgelieferte WM-Norm über 3000 Meter Hindernis nun auch noch die Kür absolvieren und einen der beiden anderen deutschen WM-Anwärter auf der Strecke lassen. „Da war ich im Vorfeld schon sehr nervös und habe wenig geschlafen“, sagt er. „Ja, da ist er schon sehr angespannt“, bestätigt Trainer Jörg Riethues, „da ist er sehr introvertiert, und man sollte ihn besser in Ruhe lassen.“ Und in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft. „Ich glaube, ich brauche diese Anspannung, damit ich im Rennen auch 100-prozentig konzentriert bin.“

Und weil sein Schützling so angespannt war, konnte der Coach während des entscheidenden Laufs umso entspannter sein. Runde für Runde setzte sich Zahlten von seinem internen Konkurrenten Robin Müller ab und lief am Ende als Dritter hinter Kurt Lauer und dem Israeli Tomer Mualem ins Ziel und gleichzeitig die ersten wichtigen Meter Richtung Kolumbien.

Bis dahin hat Silas Zahlten noch einiges vor – Urlaub ist nicht dabei. Am Mittwoch fährt er mit Trainer Riethues nach Pfungstadt, um noch einmal die WM-Norm über 1500 Meter anzugreifen, dann geht es in die unmittelbare Vorbereitung auf die Deutschen U-20-Meisterschaften in Ulm zehn Tage später, ehe mit einem kleinen Impfmarathon ein letzter Härtetest ansteht. Gelbfieber, Hepatitis – was man so braucht für eine ordentliche Fernreise, und natürlich so wenig Sozialkontakte wie möglich, um den Saisonhöhepunkt nicht mehr in Gefahr zu bringen.

Auch Sundermann darf noch hoffen

Seine Urlaubsplanungen hat auch Vereinskamerad Bastian Sundermann aus guten Gründen noch nicht abgeschlossen, der 400-Meter-Spezialist kann in Ulm ebenfalls noch auf den WM-Zug aufspringen. In Mannheim überzeugte er auf der Stadionrunde mit glänzenden 48,22 Sekunden – immerhin schon zwei Sekunden unter der Bestzeit, mit der der 17-Jährige ins Jahr gestartet war. Aktuell Platz sieben in Deutschland, in Reichweite der zu vergebenden Staffelplätze für die WM. In Mannheim fielen zwei Läufer kurzfristig aus, und Sundermann feierte sein Debüt in Deutschlands Top-Quartett, mit dem er prompt in 3:10,90 Minuten die Norm für Cali unterbot.

Bastian Sundermann darf ebenfalls noch auf ein Ticket zur WM hoffen. Foto: Imago

Bei den nationalen Titelkämpfen in Ulm werden die Bundestrainer die Flugtickets nach Übersee verteilen. Ginge es nach Heimtrainer Jan Vogt, wäre sein Schützling dabei: „Bastian ist bärenstark gelaufen und hatte einen großen Anteil an der WM-Norm. Wir beide waren nach dem Rennen unfassbar begeistert.“ In Sachen Urlaubsplanung muss sich Bastian Sundermann wohl noch gedulden und im Zweifel auf Last-Minute-Angebote zurückgreifen.

Startseite
ANZEIGE