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Reiten: Dressur-EM

Der dritte Streich in Serie für die deutsche Equipe

Hagen

Isabell Werth war zwar sauer wegen einer Jury-Note, doch an der Goldmedaille für die deutsche Equipe gab es bei der Dressur-EM nichts zu rütteln. Vor allem Jessica von Bredow-Werndl bewegte sich beim Team-Wettbewerb wie aus einem Guss mit Dalera.

Von Henner Henning

Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl führte mit Dalera das deutsche Team mit Helen Langehanenberg (l.), Dorothee Schneider (r.), Isabell Werth (2.v.r.) und Equipe-Chef Klaus Roeser zum EM-Titel. Foto: dpa

Mit der Selbstverständlichkeit einer Doppel-Olympiasiegerin hat Jessica von Bredow-Werndl der deutschen Equipe den EM-Titel nach Hause geholt. Bei den Heim-Titelkämpfen in Hagen am Teutoburger Wald verteidigte sie im Sattel von Dalera die Führung vor der britischen Schlussreiterin Charlotte Dujardin mit Gio und feierte so mit der Münsteranerin Helen Langehanenberg mit Annabelle, Dorothee Schneider mit Faustus und Isabell Werth mit Weihegold den dritten EM-Sieg in Serie – ein goldener Hattrick. „Ende gut, alles gut. Wir sind sehr glücklich, dass wir unser Ziel erreicht haben“, sagte Bundestrainerin Monica Theodorescu nach dem 25. deutschen Team-Erfolg bei einer EM.

Jessica von Bredow-Werndl

Eine Woche Urlaub hatte sich von Bredow-Werndl zwischen Tokio und der EM gegönnt. „Und in der war ich auch noch krank“, berichtete die 35-Jährige, die mit ihrem Olympia-Pferd nahtlos an ihre große Show in der japanischen Hauptstadt anknüpfte. Leicht, elegant, ja fast wie aus dem Lehrbuch sah ihr Vortrag aus – alles wirkte spielerisch einfach. „Ich habe das Gefühl, dass Dalera noch selbstsicherer geworden ist. Sie war von der ersten bis zur letzten Sekunde bei mir, es hat sehr viel Spaß gemacht“, sagte die Bayerin, die nur einen „Schreckmoment“ zu überstehen hatte. „Anfangs der Zweierwechsel wollte ich etwas Gas geben, aber war dann schnell wieder bei mir.“ Das Resultat waren 84,099 Prozent – eine unerreichbare Marke am Mittwoch und eine zu hohe Hürde für Dujardin, die für einen britischen Sieg über 86 Prozent gebraucht hätte. Unmöglich, letztlich sahen die Richterin sie und Gio bei 79,829 Prozent. Silber für Großbritannien, Bronze für Dänemark.

Werth liefert die Vorlage

Werth hatte von Bredow-Werndl die Vorlage gegeben und mit ihrem nicht ganz fehlerfreien Auftritt die deutsche Equipe in Führung gebracht. Doch mit den 79,860 Prozent – dies war im Grand Prix lange der Bestwert und am Ende das zweitbeste Ergebnis hinter ihrer Teamkollegin – war sie nicht einverstanden. „Ich bin mit Weihe sehr zufrieden, bis auf den kleineren Wackler ausgangs der Zweier-Wechsel. Aber 77 Prozent sind für mich, das sage ich jetzt mal ganz deutlich, nicht nachvollziehbar“, meinte Werth mit Blick auf die von der Französin Isabelle Judet vergebene Benotung, die Equipe-Chef Klaus Roeser als „frech“ bezeichnete. „Das waren sicher auch keine 83 oder 85 Prozent, aber nach 30 Jahren hat man ja doch ein Gefühl dafür, wie es war. Und das waren sicher 80, 81 Prozent. Ich finde nicht, dass wir überbewertet wurden. Ich glaube, ich bin so lange dabei, dass ich meine Meinung sagen kann, ohne dass es mir als unsportlich ausgelegt wird“, schob Werth einmal „in Wallung“ hinterher.

Von Bredow-Werndl in einem Flow

Ihr Ärger war dann am frühen Nachmittag („Es musste einmal raus. Aber ich bin jetzt wieder relaxed und glücklich“) aber verraucht, als von Bredow-Werndl Triumph perfekt gemacht und damit Werth die 21. goldene EM-Medaille beschert hatte. Dass am Donnerstag im Special, der ersten Einzelentscheidung vor der Kür am Samstag, eine weitere dazukommt, scheint fraglich. Denn dafür müsste sie an von Bredow-Werndl vorbei – und die ist derzeit in einem Flow.

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