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Fußball: EM

Der Weg zur finalen Galaxie – so sind die Chancen auf den Titel

Amsterdam

Vier Siege noch, dann ist eins von 16 noch verbliebenen Ländern Europameister. Aber wer macht das Rennen? Zwei Top-Favoriten haben sich im Laufe der Vorrunde ergeben, dahinter lauern aber noch weitere Titelkandidaten. Ein Ranking zeigt, wer wie hoch eingestuft ist aktuell.

Von Alexander Heflikund

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Glaubt man den Buchmachern, dann hat sich wenig verändert. Weiterhin ist Frankreich erster Anwärter auf den EM-Titel. Bei einem Euro Einsatz gibt es fünf zu gewinnen. Dass Wales oder Dänemark, die den Reigen der acht Partien in der Runde der letzten 16 am Samstag um 18 Uhr in Amsterdam eröffnen, den Pokal holen können, glaubt keiner so wirklich. Aber nun, da alles bei null beginnt, ist auch fast alles möglich. Man denke an 2004, als Außenseiter Griechenland unter der Fuchtel von Trainer-Legende Otto Rehhagel sensationell den Titel in Portugal holte. Apropos Portugal: Vor fünf Jahren gewannen die Südeuropäer nach einer Vorrunde ohne Sieg am Ende den Titel in Frankreich. Was wiederum zu der Frage führt: Wie oft gewann ein Ausrichter die EM im eigenen Land?

Läppische dreimal, wobei das Endrundenturnier 1964 (Sieg für Spanien) und 1968 (Sieg für Italien) nur mit vier Teams ausgetragen wurden. Als die EM-Endrunden sukzessive größer wurden, gelang es 1984 Frankreich (acht Teams), den Heimvorteil zu nutzen, damals trafen Michel Platini und Bruno Bellone zum 2:0-Erfolg über Spanien. Doch seit 37 Jahren durfte der Ausrichter nicht mehr jubeln am Ende. Was einerseits nahelegt, dass Deutschland am Dienstag die Engländer als Endspiel-Ausrichter aus dem Turnier werfen kann – und andererseits bei der EM Deutschland auf jeden Fall nicht gewinnen wird.

Tektonische Verschiebungen

Nur tatsächlich liegt die Wahrheit auf dem Platz. Und nach der Gruppenphase gibt es schon die eine oder andere tektonische Verschiebung in der kontinentalen Fußballwelt. Im „Sterne-Ranking“ (siehe Grafik) der Favoriten hat Frankreich seinen Spitzenstatus verloren. Warum? Das Team von Trainer Didier Deschamps gewann nur eines von drei Spielen, wurde zwar Gruppensieger, aber Zweifel sind dennoch erlaubt.

Fünf Sterne:

Nach der Vorrunde schoben sich zwei Teams rein sportlich betrachtet ganz weit nach oben, „Fünf Sterne deluxe“ gibt es für Belgien, nicht unerwartet, und Italien, überraschend.

Belgiens so genannte „goldene Generation“ um Kevin de Bruyne (Manchester City) ist in die Jahre gekommen, aus den „Golden Boyz“ wurden „titellose Herren“. Mit 29,2 Jahren ist das Team das älteste der EM, dieses Turnier, vielleicht noch die WM im Winter 2022 in Katar – dann ist das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Die Zeit rennt den Belgiern davon, tick, tack, tick, tack.

Italien ist nun eine von zwei Sensationen dieser EM. Seit 30 Partien ist das Team von Roberto Mancini ungeschlagen. Liest man allein die Namen der Spieler, denkt man an Jovanottis „Serenata Rap“ und verliebt sich direkt: „Il mio grande amore Italia“.

Dabei heißt es eher „Alter siegt“ statt „Jugend forscht“. Die Innenverteidigung mit Kapitän Giorgio Chiellini (36) und Geonardo Bonucci (34) kommt von Juventus Turin. Doch unter Mancini vereinigt die „Squadra Azzurra“ den Catenaccio mit null Gegentoren mit wildem Offensiv-Spektakel und sieben Treffern. Zudem hat die Mannschaft den 22-jährigen Gianluigi Donnarumma, was phonetisch betrachtet einen Mittelstürmer hergibt, aber in Wirklichkeit ein erstklassiger Torwart ist.

Vier Sterne:

Na klar, immer noch ist Weltmeister Frankreich ein heißer Tipp. In der anspruchvollsten Vorrunde mit Portugal, Deutschland und Ungarn setzten sich „Les Bleus“ durch, noch fehlt der Glanz und der feine Geruch von „Chanel No. 5“ im Spiel.

Den versprühte eher das niederländische Ensemble, dem vor den Titelkämpfen in der Heimat wenig Liebe entgegenschlug. Aber nicht nur die Stars wie Memphis Depay (bald FC Barcelona) oder Georginio Wijnaldum (bald Paris St. Germain) glänzten, auch Denzel Dumfries als modernste Ausprägung eines rechten Verteidiger überzeugte. Holland ist eine weitere Sensation. Einziges Manko, die große Unbekannte, ist Torwart Maarten Stekelenburg (Ajax Amsterdam), der mit fast 39 wieder erste Wahl ist. Ein echter Klasse-Keeper fehlt den Niederlande – und jetzt kommen erst die Härtetests.

Drei Sterne:

Klar, da sind die ungeschlagenen Minimalisten aus England, die erst im dritten Gruppenspiel in ihren Ballbesitz verliebten Spanier und Schweden. „Tre Kronor“ ist das, was die Gegnerschaft „eklig zu bespielen“ nennt. Trainer Janne Andersson bringt sein Team auf den Punkt, ohne Mätzchen und mit ungeheurer Disziplin. Auch ohne Zlatan Ibrahimiovic ist das Zwischenzeugnis bemerkenswert.

Sterne/Sternschnuppen

Da gehört Deutschland dazu wie auch acht weitere Teams. Sie sollen wie Meteoritenhagel über die Gegner kommen, die Chance ist da, das Ziel ist die ferne Galaxie Wembley am 11. Juli.

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