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Reiten: Dressur-WM

Deutschland und Klimke ausnahmsweise mal nicht der Favorit

Münster

Deutschland war in der Vergangenheit im Grunde immer Top-Favorit, wenn es um internationale Dressur-Wettbewerbe ging. Das ist diesmal anders. Bei der WM in Herning ist Gastgeber Dänemark erster Titelanwärter. Doch ohne Ambitionen fährt Schwarz-Rot-Gold mit der Münsteranerin Ingrid Klimke nicht ins Nachbarland.

Von Henner Henning

Ingrid Klimke gibt ihr Debüt bei einer Dressur-WM, bei der die deutsche Equipe nicht unbedingt Favorit ist. Foto: imago/Stefan Lafrentz

Wenn es in den vergangenen Jahrzehnten bei Olympischen Spielen oder Welt- und Europameisterschaften im Viereck um Medaillen ging, war auf die deutsche Dressur-Equipe meist Verlass. Mit Ausnahme von 1970 und 2010 gewann sie immer und damit zwölfmal den WM-Titel, gar 13 Olympiasiege sind für Schwarz-Rot-Gold verbucht – wahre Goldschürfer sind sie, die deutschen Dressurreiter. Nur logisch, dass sie vor den Championaten immer der Favorit sind. Immer? Nein, Ausnahmen bestätigen die Regel. Und eine solche gibt es vor der am Samstag beginnenden WM im dänischen Herning. Denn diesmal wird der Gastgeber als Anwärter auf den Spitzenrang gehandelt, im deutschen Lager dagegen stapelt man zunächst einmal tief.

Video in Kooperation mit dem WDR

Theodorescu spricht von Umbruch

„Wir sind im Umbruch“, hatte Bundestrainerin Monica Theodorescu vor den ­Titelkämpfen mit Blick auf ihr neuformiertes Team gesagt – und damit sowohl Reiter als auch Pferde gemeint. Okay, Isabell Werth als erfolgreichste Dressurreiterin kann man auf Championaten nicht mehr viel vor­machen. Für ihren Hengst Quantaz aber ist es wie auch für die drei weiteren deutschen WM-Pferde eine Premiere auf der ganz großen Bühne. Wie sich Werth und Quantaz, Frederic Wandres (35) und Duke of Britain, Benjamin Werndl (38) mit Famoso sowie die Münste­ranerin Ingrid Klimke und Franziskus schlagen, wird sehr spannend.

Zumindest ist die Equipe, die auf die schwangere Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl verzichten muss, bestens vor­bereitet. Vor der Ankunft am Dienstagmittag hatte sie auf dem Helenhof der Familie Schwiebert im schleswig-holsteinischen Kattendorf eine dreitägige Vorbereitung eingelegt. „Das war ein Top-Training bei besten Bedingungen“, sagte Klimke, die als Team-Olympiasiegerin und Europameisterin der Vielseitigkeit erstmals eine Dressur-WM angeht – und zu gerne eine Medaille gewinnen will. Dass dies bei der Konkurrenz aus Dänemark, Großbritannien oder den USA und den Nieder­landen schwierig wird, weiß sie. „Wir müssen alle persönliche Bestleistung zeigen und benötigen sicher ein Quäntchen Glück. Aber das gilt ja auch für die anderen. Wir wissen, dass alles pas­sieren kann“, sagt Klimke.

Ingrid Klimke

Ohne von Bredow-Werndl und Dorothee Schneider, deren Top-Pferd Showtime in der Saison nicht durch­gehend fit war, setzen die Experten fast durchgehend auf Dänemark, das Team um Catherine Laudrup-Duffour und Carina Cassoe Krüth gewann beim CHIO vor Deutschland. Ein Fingerzeig, dass die Mannschaftsmedaillen (Grand Prix am Samstag und Sonntag), aber auch im Einzel im Special (Montag) und in der Kür (Mittwoch) nicht wie in der Vergangenheit so häufig automatisch an die deutsche Equipe ­gehen. Doch abschreiben sollte man Theodorescus Auswahl sicher nicht. „Wir werden es so handhaben, wie wir es immer gemacht haben, und uns nur auf uns konzentrieren“, erklärte die Bundestrainerin. Und damit ist Deutschland ja oft genug bestens gefahren.

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