Fußball: Bundestrainer Löw bleibt nach dem 7:1-Sieg reserviert

Die „Causa Kroos“ bereitet Sorgen

Düsseldorf

Das 7:1 gegen Lettland war ein schöner Vorgeschmack für die deutsche Mannschaft, aber mit Blick auf die WM ein Muster ohne Wert. Vor allem stellte sich im Anschluss die Frage, ob Toni Kroos in dieser Mannschaft noch einen Stammplatz besitzt.

Von Alexander Heflik

Natürlich wurden gleich Stimmen laut, wie sich die deutsche Fußball-Nationalelf einen solch drittklassigen Gegner zur EM-Generalprobe hatte aussuchen können. Dieser 7:1-Erfolg über Lettland von Düsseldorf sei doch kein Gradmesser für den Start in die Euro 2021 gewesen, wenn denn am 15. Juni in München Weltmeister Frankreich vorstellig wird. Auch Bundestrainer Joachim Löw kippte frühzeitig etwas Wasser in den Wein, als er das Gegentor monierte: „Das ärgert mich, wenn aus einem Einwurf, aus einem ruhenden Ball ein Tor entsteht. Das darf nicht passieren.“ Nur in drei der letzten 13 Länderspiele kassierte die DFB-Auswahl keinen Treffer. Aber immerhin trafen die Herren Gosens, Gündogan, Müller, Havertz (mit massiver lettischer Unterstützung), Gnabry, Werner und Sané.

Als der Gast, in der Weltrangliste auf Rang 138 geführt, zum 1:6 nur leicht kosmetisch das Ergebnis korrigierte, hatte Deutschland bereits fünf Wechsel vorgenommen. Löws Schelte fiel dementsprechend nur kurz und knackig aus. Der Bundestrainer umschiffte die wirklich entscheidende Frage, inwieweit er im zentralen Mittelfeld mit Toni Kroos zufrieden war und diesem in Kooperation mit Ilkay Gündogan vertrauen kann. Der Weltmeister von 2014, gerade erst genesen von einer Corona-Erkrankung und seit drei, vier Tagen im Training, entpuppte sich als Bremsklotz im Strategieverbund. Kroos, Mittelfeldstar von Real Madrid, gehörte zu den wenigen Enttäuschungen in der Mannschaft. Das 102. Länderspiel war so lala.

„Eigentlich ist er im Vollbesitz seiner Kräfte“, befand Löw. Und: „Es müssen Widerstände überwunden werden während eines Turniers.“ Eher verklausuliert kritisierte der 61-Jährige seinen Musterschüler. „Es geht darum, Räume zu verteidigen, Räume freizumachen, flexibel zu sein.“

Kroos fällt als einziger ab

All das traf bislang meist auf Kroos zu. Gegen Lettland nur bedingt. Doch mit Blick auf das Kräftemessen mit dem Weltmeister dürfte die „Causa Kroos“ die entscheidende sein. Am Montag fiel der 31-Jährige als einziger ab. Joshua Kimmich, der von Löw zuletzt für diese Rolle favorisiert worden war, fristete derweil eine Art Mauerblümchendasein im rechten Mittelfeld. Das war eher unter seinem Niveau.

Und auch das war, gerade in Anbetracht des leicht herausgespielten Sieges, augenscheinlich: Gegen ein französisches Mittelfeld mit Paul Pogba (Manchester United), N’Golo Kante (Chelsea London) sowie Adrien Rabiot (Juventus Turin) taugt der fahrige Kroos in der aktuellen Verfassung vor allem als Angriffspunkt.

Kroos selbst gibt sich gelassen, die Frage nach seinem Stammplatz stellt sich nicht für ihn: „Mir reicht das letzte Jahr allein, ich komme aus einer guten Saison.“ Titelhamster Real wurde Vizemeister und schied in der Copa del Rey, im Pokal, in der dritten Runde gegen einen Drittligisten aus. Hört sich bei den „Galaktischen“ eher nach fehlendem Antrieb an. Kroos sagte zuletzt Sätze wie: „Lasst uns kein Problem daraus machen, dass wir viele gute Mittelfeldspieler haben. Sorgen machen ich mir keine.“ Der Konkurrenzkampf ist groß, Bundestrainer Löw will keine Kompromisse eingehen bei seinem letzten Turnier, nicht alle Plätze seien verteilt. Toni Kroos sollte sich Sorgen machen.

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