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Fußball: Regionalliga West

Die drei Punkte bleiben definitiv bei den Preußen

Duisburg

Die Entscheidung ist gefallen: Das Urteil zum Böllerwurf von Essen bleibt bestehen und die Preußen bleiben Tabellenführer der Regionalliga West. Das Verbandsgericht des Westdeutschen Fußball-Verbandes lehnte die Revision von RW Essen am Donnerstagabend ab.

Von Alexander Heflik

Der Böllerwurf von Essen am 20. Februar: Marvin Thiel (knieend) und Jannik Borgmann (4. von rechts) halten sich den Kopf, beide erlitten ein Knalltrauma. Foto: Jürgen Peperhowe

Das Urteil ist gefallen. Schockstarre bei RW Essen, Gelassenheit beim SC Preußen Münster. Am Ende half auch kein Lippenleser. RW Essen hat die Punkte aus dem beim Stand von 1:1 abgebrochenen Topspiel der Fußball-Regionalliga West endgültig verloren. Preußen Münsters Sieg am grünen Tisch wurde bestätigt. Die Partie der Titelanwärter war am 20. Februar beim Stand von 1:1 abgebrochen worden, weil ein Böllerwurf die SCP-Akteure Marvin Thiel und Jannik Borgmann verletzte.

Das Sportgericht des Westdeutschen Fußball-Verbandes hatte am 4. März Münster den Sieg zugesprochen, das Verbandsgericht bestätigte das nun. Münster führt die Tabelle vier Spieltage vor dem Saisonende weiter mit zwei Punkten vor Essen an. Ein Blitzknallkörper der Marke Crazy Robots Triplex aus Tschechien, Verkauf in Europa verboten, Kostenpunkt zehn Euro, könnte damit Einfluss auf das Titelrennen haben. Keine Frage.

Auch ein Lippenleser half Essen nicht

„Wir legen Wert auf eine neue Beweisaufnahme“, erklärte RWE-Rechtsanwalt Dr. Thomas Hermes zu Beginn der Revisionsverhandlung. Und überraschte alle Beteiligten damit, dass ein Lippenleser ein Wortlautgespräch von Schiedsrichter Christian Scheper (Troisdorf) vor allem mit SCP-Trainer Sascha Hildmann und Assistent Louis Cordes aufgezeichnet hätte. Essens latenter Vorwurf lautet ungefähr so, dass Münster den Abbruch gefordert hätte, der Referee dem Ansinnen zu leichtfertig gefolgt sei. Scheper soll den Verantwortlichen des SCP gesagt haben, dass er sie nicht zum weiterspielen zwingen könne.

Der Lippenleser, der angeblich das Gespräch im Mittelkreis transkribiert hatte, las, das Hildmann das Kommando gegeben hätte: „Kommt, wir gehen rein.“ Und Cordes soll gesagt haben: „Das geht doch gar nicht weiter hier, wir haben nur noch zwei Ersatzspieler.“ Sportrichter Helmut Hinz war überrascht, warum die RWE-Seite nicht im Vorfeld der Verhandlung darüber alle Seiten informiert hätte. Anwalt Hermes erklärte nur, dass er seine „Arbeit machen würde.“

Der Ton wurde dieses Mal härter

Die Bandagen waren härter geschnürt dieses Mal. RWE griff den Referee frontal an. Das war die neue Strategie, nachdem die Sportgerichts-Verhandlung am 4. März noch ruhig und emotionslos abgelaufen war. Schiedsrichter Scheper, der damals an Corona erkrankt via Teams zugeschaltet war, wurde nun unter Druck gesetzt. Aber, auf Frage von SCP-Anwalt Simeon Scheuermann, sagte Scheper auch: „Nein, ein Einspruch von Essen gegen den Spielabbruch habe ich nicht wahrgenommen.“

„Uns ging es nur um die Gesundheit der Spieler. Wir hatten nur drei Möglichkeiten, das Spiel fortzusetzen, es zu unterbrechen und es abzubrechen.“ Das sagte Schepers Assistent Dominik Mynarek (Düren), der nicht in allen Aspekten deckungsgleich mit Schepers Aussagen war.

SCP-Anwalt Scheuermann konterte: „Wollen Sie jetzt die Verletzungen der Spieler infrage stellen?“ Wollte keiner, konnte auch keiner, schließlich war diese Beweislast in Bezug auf Jannik Borgmann und Marvin Thiel, die vom Sprengstoff verletzten Preußen-Akteure, erbracht. RWE-Chef Uhlig hatte schon bei der ersten Verhandlung für seinen Club eine Entschuldigung ausgesprochen.

Borgmann berichtete von den Böller-Folgen

Dann sprach Borgmann: „Das war in unfassbar lauter Knall, ich wusste nicht, was passiert ist. Der Böller ist direkt hinter mir explodiert, nicht zu vergleichen mit einem Silvesterböller.“ Der Böllerwurf von Essen war eher einer Detonation gleich, also deutlich lauter als bei einem Feuerwerk zum Jahreswechsel – in seiner Wahrnehmung. Er schätzte, drei Meter hinter ihm sei dieser explodiert. Und: „Ich hörte auf einem Ohr nichts mehr, hatte auf dem anderen ein Fiepen.“

Der Schock kam sofort, in der Kabine kam ein Flimmern vor Augen und Kopfschmerzen dazu. Mannschaftsarzt und Notfallarzt hätten ihm dann gesagt, dass er nicht mehr spielfähig sei. Borgmann: „Die nächsten Tage war mir schwindelig bei kleinsten Anstrengungen. Der Gleichgewichtssinn war gestört.“ Keine guten Voraussetzungen für eine Profisportler. Nach knapp einer Woche besserte sich der Gesundheitszustand. Es gab keinen Zweifel an seiner körperlichen Versehrtheit.

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