1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Junger Slowene Svit Suljic begeistert die Zuschauer beim THC Münster

  6. >

Tennis: Bärchen-Cup

Junger Slowene Svit Suljic begeistert die Zuschauer beim THC Münster

Münster

Die Sieger heißen Svit Suljic und Tamina Kochta. So viel zur Statistik. Der Bärchen-Cup beim THC Münster brachte wieder mal hervorragenden Sport internationaler Talente. Zu schauen, was hinter den aufstrebenden jungen Spielern steckt, ist gleichsam lohnenswert. Vor allem harte Arbeit und Zielstrebigkeit.

Von Ansgar Griebel

Krönender Abschluss einer eindrucksvollen Vorstellung beim Bärchen-Cup 2021: Das Siegerfoto mit Tamina Kochta und Svit Suljic, die eine große Tennis-Karriere vor sich haben. Foto: Sebastian el Saqqa

Am Ende standen für die jungen Talente natürlich die Ergebnisse und erste wichtige Punkte für die Rangliste im Fokus, doch für die lokalen Organisatoren geht es beim traditionellen Bärchen-Cup auch und vor allem darum, den Teilnehmern eine schöne, im besten Fall unvergessliche Woche zu bieten. Immerhin sind die jungen Tennisspieler und -spielerinnen gerade einmal zwölf Jahre alt – oder sind noch jünger. „Es ist unglaublich, wie konzentriert und fokussiert die auf dem Platz schon sind“, sagt Natalie Leppen von der mitveranstaltenden Tennisakademie Best-of-Five, „aber man sieht die Jungs und Mädels zwischen den Spielen auch mal ganz entspannt im Sandkasten sitzen.“

Irgendwo in diesem schmalen Grenzgebiet zwischen kindlicher Verspieltheit und sportlicher Ambition präsentieren sich in diesem Alter die Talente, allesamt die Besten ihres Jahrgangs aus den teilnehmenden Nationen. „Wer es bis hierhin geschafft hat, der bleibt auch dran. Aus denen werden richtig gute Spieler“, sagt Dirk Leppen, selbst einst mit Boris Becker und Michael Stich auf der Tour unterwegs. Der Weg vom Ausnahmetalent bis in die Top 100 der Welt ist noch lang und steinig, die ersten wichtigen Schritte haben die Kids jedoch schon hinter sich. „Da müssen sie schon dabei sein“, sagt Turnier-Direktor Ion Geanta, „Spätstarter sind im Tennis die Ausnahme, die meisten Spitzenspieler spielen seit ihrem vierten, fünften oder sechsten Lebensjahr.“

Ehrfürchtiges Staunen

Wie ­beispielsweise Svit Suljic aus Slowenien, ein offener, sehr sympathischer Junge, der in der vergangenen Woche für ehrfürchtiges Staunen auf der Anlage des THC Münster sorgte. „Den musst du dir angucken“, kam am Vorabend der Finals am Samstag die dringende Empfehlung von Dirk Leppen. „Den sehen wir in ein paar Jahren in der Top Ten wieder.“ Tatsächlich spielt er auch im Finale gegen die aktuelle deutsche Nummer fünf, Shiro Bui aus Taunusstein, nahezu fehlerfrei, technisch perfekt und strategisch „wie ein Spieler auf der Tour“, wie Leppen bescheinigt. Shiro Bui ist an diesem Tag chancenlos, muss sich nach großartigen Leistungen in der Woche, nach einem spektakulären Halbfinalsieg gegen die serbische Nummer eins im Finale mit 2:6, 1:6 geschlagen geben. Vater Kiet muss seinen traurigen Filius nach der Partie trösten. Shiro Bui ärgert sich vor allem, den Zuschauern zum Abschluss keine bessere Partie gezeigt zu haben. „Ich habe schlecht gespielt“, sagt er niedergeschlagen, erst bei der Siegerehrung mit Pokal und Stoffbärchen stiehlt sich ein Lächeln zurück aufs Gesicht. Suljic war eine Nummer zu groß für den jungen Deutschen, der sich mit Top-Noten in der Schule seine Freistellungen für die Turniere hart erarbeitet, der am Nachmittag lieber trainiert als zu Geburtstagsfeiern zu gehen. „Seine Freunde trifft er auf Turnieren“, sagt Kiet Bui, der als Selbstständiger jede freie Minute opfert, um seinen Sohn zu den Turnieren zu begleiten. „Das wird immer mehr und für uns immer schwieriger“, sagt der 41-Jährige. Viel Zeit und Geld sind nötig, von einer Investition will Kiet Bui aber nicht sprechen, „das klingt dann so, als erwarten wir ein Re-Invest. Darum geht es gar nicht. Ich mache das, weil unser Sohn das liebt und weil wir unseren Sohn lieben.“ Von einer Profikarriere darf Shiro Bui gerne träumen, geplant ist sie jedoch – vorerst – nicht.

Fan von Federer

Suljic ist da einen Schritt weiter. Das Ausnahmetalent, Fan von Roger Federer, hat schon mit Novak Djokovic trainiert und wird in den nächsten Monaten wohl auch mit dem Weltranglistenvierten Stefanos Tsitsipas (Griechenland) und US-Teenager Coco Gauff die Schläger kreuzen. Deren Trainer ­Patrick Mouratoglu hat ihn bei einem Nachwuchsturnier in Kroatien entdeckt und ihm ein einjähriges Stipendium in seinem Camp in Biot zugesagt. Vater Admir begleitet den Filius an die französische Riviera. Wenn alles passt, kommen in zwei Monaten die Mama und der achtjährige Ian, im übrigen vielversprechender Linkshänder, aus Ljubljana nach.

Besser als einst die Mama

Die Schule findet ab sofort mit Sondergenehmigung online statt, der Fokus liegt komplett auf Tennis. In den kommenden zwei Wochen macht die Familie Urlaub – dann geht es mit frischen Kräften weiter. Seine letzte Schlappe kassierte Svit vor einigen Wochen in einem Halbfinale – bei einem U-14-Turnier. „Niederlagen gehören dazu“, sagt der Zwölfjährige abgeklärt, auch wenn er es mit dieser Erfahrung nicht gerade übertreibt. Siege hat er reichlich gesammelt, der in Münster ist einer von vielen und wird in Vergessenheit geraten. Vielleicht wird er sich irgendwann aber an den Sandkasten und die Bärchen erinnern.

Startseite
ANZEIGE