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Fußball-Müdigkeit

Deutlicher Einbruch der TV-Quoten bei der EM

Berlin (dpa)

Fußball-Übertragungen locken Millionen Menschen vor den Fernseher. Doch die Zahlen der laufenden EM sind deutlich geringer als beim vorherigen Turnier. Der Einbruch liegt teilweise bei mehr als 30 Prozent.

Von Michael Rossmann, dpa

Hat die Anwesenheit von Bastian Schweinsteiger als Experte positive Auswirkungen auf die Einschaltquoten bei der EM? Foto: Matthias Balk/dpa

Nach den ersten Spielen ist der Trend eindeutig: Die Begeisterung der TV-Zuschauer für die Fußball-Europameisterschaft hält sich (noch) in Grenzen.

Keine der bisherigen Übertragungen im Fernsehen kam über die Zehn-Millionen-Marke. Von den überragenden Zahlen bei der EM vor fünf Jahren in Frankreich sind ARD und ZDF beim Turnier in elf Ländern weit entfernt.

Das meistgesehene Spiel am Sonntag war Niederlande gegen die Ukraine mit durchschnittlich 8,82 Millionen Zuschauern bei der ARD. Das entspricht nach Sender-Angaben einem Marktanteil von 32,3 Prozent und war auch die meistgesehene Sendung des Tages. Nur: Im Vergleich zum bisher letzten Turnier ist das ein eher bescheidener Wert.

«Meine Erwartungen waren fast noch geringer», kommentierte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. «Man darf nicht vergessen, dass nach dem WM-Sieg 2014 vor der EM in Frankreich hierzulande eine Riesen-Euphorie herrschte. Das ist jetzt ganz anders, wir kommen aus einer Pandemie-Stimmung heraus. Es gab zuletzt andere Themen als Fußball.»

Die Spiele der Euro 2016 in Frankreich waren das, was früher Gassenfeger genannt wurde. Sie hatten nach Angaben der AGF Videoforschung eine durchschnittliche Sehbeteiligung von 11,741 Millionen Zuschauern und einen Marktanteil von 44,3 Prozent. Bisher kam noch keines der Spiele der derzeitigen EM auch nur ansatzweise an diesen Wert heran. Beim Vergleich der Einschaltquoten der drei Sonntagsspiele zum Mittelwert der Übertragungen von 2016 ergibt sich sogar ein Minus von mehr als 40 Prozent.

Balkausky verwies wie ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann auf gute Werte bei jungen Zuschauern. Fuhrmann sagte zudem: «Man sollte das erste Deutschland-Spiel abwarten, um eine Zwischenbilanz zu ziehen.» Auch Balkausky bezeichnete die Zahlen der Partie am Dienstag gegen Frankreich als «Gradmesser».

Den bisherigen EM-Höchstwert erreichte das Eröffnungsspiel mit 9,83 Millionen am Freitagabend in der ARD, und das war auch die bisher erfolgreichste Sportsendung 2021. Aber auch hier ist der Vergleich deutlich: Das Auftaktspiel 2016 zwischen Gastgeber Frankreich und Rumänien hatten 15,473 Millionen Menschen im ZDF gesehen.

Die Fußballmüdigkeit ist nicht zu verkennen, dennoch liegen die Zahlen immer noch deutlich über denen anderer Sportarten, die allerdings auch nur in Spartensendern zu sehen waren. Das Tennis-Finale der Männer der French Open schauten bei Eurosport am Sonntag 430.000 Menschen (Marktanteil 2,8 Prozent). Das Endspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft verfolgten bei Sport1 sogar nur 110.000 TV-Zuschauer (0,8 Prozent).

Alle Spiele der Fußball-EM werden auch von der Telekom bei MagentaTV übertragen. Zuschauerzahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht, kämpfte aber mit Startproblemen. Beim ersten von zehn Exklusivpartien gab es am Samstag technische Probleme, Nutzer beschwerten sich im Netz unter anderem, dass die Seite nicht geöffnet werden konnte. Ein Telekom-Sprecher bestätigte die Schwierigkeiten und entschuldigte sich. Es gab nach seinen Angaben vor allem Probleme beim Buchen des Angebotes für Neukunden.

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