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Fußball: Interview

FCG-Sportchef Becker: „65 bis 70 Prozent sollen immer Gievenbecker sein“

Münster

Am Sonntag sollte es wieder losgehen für den 1. FC Gievenbeck. Dcoh das Westfalenliga-Nachholspiel gegen den Lüner SV wurde wegen des unbespielbaren Platzes abgesagt. Im Interview hat sich Gievenbecks Sportlicher Leiter Carsten Becker zuvor zu Perspektive und Umbruch beim FCG geäußert.

Von Thomas Rellmann

Carsten Becker moderiert als Sportlicher Leiter einen kleinen Umbruch beim FCG. Dazu gehört auch die Verabschiedung altgedienter Akteure wie Tristan Niemann (l.) und Julian Canisius. Foto: FCG

Als erste Amateurmannschaft aus Münster wollte der 1. FC Gievenbeck am Sonntag mit dem Nachholspiel beim Lüner SV den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Doch weil die Stadt den Rasen für unbespielbar erklärte und die Staffelleitung den Kunstrasen als nicht geeignet für die Westfalenliga einstuft, kam am Freitag die Absage. Zuvor stellte sich der Sportliche Leiter Carsten Becker den Fragen von Thomas Rellmann zur sportlichen Perspektive, dem langsamen Umbruch und seinem persönlichen Antrieb.

Passt Ihnen der Ausfall der Partie in den Kram?

Becker: Nein, weil wir uns mit den zur Verfügung stehenden Spielern und deren Fitness gute bis sehr gute Chancen ausgerechnet haben, dort zu gewinnen.

Wären Sie mit der aktuellen Position im Sommer einverstanden gewesen?

Becker: Ich denke schon. Alle dachten, dass Espelkamp zehn Punkte vorne wegmarschiert. Das ist aus welchen Gründen auch immer nicht der Fall. Dass Rödinghausen stark ist, Delbrück vorn dabei ist, Erkenschwick und Lünen auch, das haben wir erwartet. Auch uns habe ich unter den ersten fünf gesehen. Nottuln ist sicher eine Überraschung. Dass wir fast zehn Wochen Erster waren, lag auch am Spielplan, da hatten wir einen Lauf. Christian Keil hat alles getroffen ...

Es folgten aber auch fünf sieglose Partien direkt vor der Winterpause.

Becker: Da könnte ich die gleichen Argumente anführen, nur andersrum. Wir hatten ein paar Verletzungen wie bei Nils Heubrock, ein bisschen Corona, haben auch nicht mehr so geknipst. Das Spielglück war weg. Aber wir haben unser Ding durchgezogen, sind nicht verunsichert und stehen zu Recht da, wo wir sind. Dass wir die Liga nicht von oben dominieren, war allen klar. Das hat unser Trainer Florian Reckels ja auch gesagt.

Hat die schwache Phase keine Spuren hinterlassen?

Becker: Wenn überhaupt machen die Jungs sich Vorwürfe oder ärgern sich. Aber Leute wie Keil, Heubrock, Nico Eschhaus oder Daniel Geisler sind so lange dabei, die können das einordnen und packen jetzt neu an.

Lief die Vorbereitung bis Freitag nach Plan?

Becker: Sie war kurz und knackig und wird jetzt eben verlängert. Weil es im November auf der Anlage gebrannt hat, konnten wir eine Weile die Plätze nicht wie sonst nutzen. Oft war nur eine Hälfte verfügbar. Es gab ­Corona-Fälle, aber die hatten andere auch. Im Rahmen der Möglichkeiten war es okay.

Früher hatte Gievenbeck selten Abgänge und noch seltener externe Neue. Täuscht der Eindruck oder kamen zuletzt vermehrt Verstärkungen von außen, während einige Etablierte kürzertraten? Ist da also ein langsamer Umbruch im Anmarsch?

Becker: Sowohl als auch. Jungs aus der Riege um Tristan Niemann, Julian Canisius oder Luca Wulfert sind vor allem aus beruflichen Gründen gegangen. Jetzt hat uns auch André Strothmann verlassen. Da geht es oft um die persönliche Planung. Als Sportlicher Leiter kann ich mittlerweile nur noch im Halbjahrestakt gestalten. Es kommt viel dazwischen. Auslandssemester, Arbeitsstellenwechsel, Homeoffice oder nicht ...

Es sind aber trotzdem auch gut klingende Namen in den Sportpark gekommen.

Becker: Da hat unser Trainer natürlich auch seine Hände im Spiel. Aber der eigene Nachwuchs erhält immer seine Chance. Niklas Beil, Felix Ballmann, Anton Mand, Miclas Mende, Louis Martin, auch Jannik Balz sind Belege dafür. Die kamen alle aus unserer Jugend. 65 bis 70 Prozent sollen immer Gievenbecker sein. Wenn dann Lyon Meyering, Jan-David Volmering, Guglielmo Maddente oder Philip Röhe zu uns wechseln, ist das ein Plus – aber ich habe klare Vorgaben für den Etat. Gerade, wo zwei Jahre keine Einnahmen über die Stadtmeisterschaften erfolgten.

Sie waren Trainer beim TuS Altenberge und beim VfL Wolbeck, sind jetzt aber seit rund drei Jahren Sportlicher Leiter beim FCG. Haben Sie Ihre Mission gefunden?

Becker: Das hat auch mit meinem Alter zu tun. Bei dem Wetter wie gerade drei-, viermal die Woche auf dem Platz stehen – muss nicht mehr sein. Ich bin Ü 50, es macht Spaß, ich komme mit dem Rad zum Platz. Meine Söhne haben hier gespielt, alles bestens. Ich kann mit zu den Auswärtsspielen fahren, muss es aber nicht, weil ich den Job ja für lau mache.

Und jetzt sind Sie auch noch Präventionsbeauftragter beim FCG, gemeinsam mit Alexandra Kramer. Wie kam es dazu?

Becker: Da ich selber Vater bin, ist es mir wichtig, dass es auch ein starken männlichen Vertreter gibt, der Alexandra hilft, dieses sensible Thema zu repräsentieren. Die Kampagne läuft. Ich denke, ab April ist es auch über die Homepage sichtbar, dann geht’s in die einzelnen Mannschaften um Aufklärung und Unterstützung.

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