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Fußball: Bundesliga

Gigantischer BVB-Kater nach Heimschlappe gegen Leipzig

Dortmund

Die Freude über die erstmalige Vollauslastung des Signal Iduna Parks verblasste am Samstag aus Sicht von Borussia Dortmund schnell. Nach dem 1:4 gegen RB Leipzig war der Katzenjammer groß. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Der Kaderumbau im Sommer scheint unausweichlich.

Von Wilfried Sprenger

Jude Bellingham und seine BVB-Kollegen waren einigermaßen fassungslos nach der abermaligen Enttäuschung. Da war die Freude über ein volles Stadion schnell überlagert. Foto: Imago/Kirchner, Ewert

Wenn man den Verantwortlichen, den Protagonisten und den Fans von Borussia Dortmund Glauben schenken wollte, dann stieg die Vorfreude auf dieses eine Spiel in der vergangenen Woche stündlich und irgendwann bis ins beinahe Unermessliche. Am Ende des Wartens, also nach der letzten Nacht vor dem Anpfiff, stieß die Gefühlswelt tatsächlich direkt an den Fußball-Himmel.

Es war ein Moment, der die Menschen sicht- und spürbar beseelte und alles fliegen ließ. Wie sehr hatten alle diesen Spieltag herbeigesehnt, den ersten, an dem die Masken fielen und die Normalität zurückkam. 81 365 Zuschauer, ausverkauft! Und dann wachten alle am Sonntag mit einem gigantischen Kater auf. Der BVB verlor das Heimspiel gegen RB Leipzig mit 1:4 (0:2). Die so schmerzhafte Niederlage war verdient und fiel kein Tor zu hoch aus. „Wir waren immer im Spiel“, sagte Trainer Marco Rose nach der Klatsche. Mag sein, dass er sich da auf die Ballbesitz-Verhältnisse bezog. In Summe aller wirklich entscheidenden Faktoren hatte Dortmund nichts zu bestellen.

Ultras mit Fanmarsch

Mit einem Fanmarsch durch die Stadt waren die Ultras ins Stadion und auf ihre lange verwaisten Stammplätze auf der Südtribüne zurückgekehrt. Als die Mannschaften aufliefen, kochte die „Hütte“. Gejohle, Gesänge und reichlich Schwefeldampf. Es war wie früher im westfälischen Fußball-Tempel, den die „Times“ einst als bestes Fußball-Stadion der Welt geadelt hatte. Und wenn Marco Reus in der siebten Minute in bester Abschlusssituation nicht unnütz quergelegt, sondern konsequent vollstreckt hätte, wäre wohl der Deckel von der riesigen Schüssel geflogen. Doch der BVB-Kapitän spielte den Ball ins Nichts, kurz darauf zielte Erling Haaland am Tor vorbei. Was niemand im Leisesten ahnte: Es blieben die einzigen Chancen des Gastgebers bis zum Ehrentreffer von Donyell Malen in der 86. Minute.

Leipzig kombinationssicher

Mit dem 0:1 durch Konrad Laimer (21.) zog Emporkömmling RB dem Ballspielverein den Stecker. Der zweite Treffer des Österreichers (30.) und das 0:3 durch Christopher Nkunku (58.) entschieden die Begegnung früh: Leipzig spielte cleverer, war kombinationssicherer, handlungsschneller und besonders nach Ballgewinnen exzellent unterwegs. Dortmund bekam im Mittelfeld keinen Zugriff und pendelte mit zunehmender Spielzeit zwischen Plan- und Hilflosigkeit. Angesichts der Unterlegenheit wirkte es fast bockig, als Abwehrchef Mats Hummels später auf die Eingangsszene von Reus verwies und bemerkte, dass dieser Abend auch einen komplett anderen Verlauf hätte nehmen können.

Sebastian Kehl

Viel Konjunktiv gepaart mit unangebrachter Selbstüberschätzung. Der BVB war in 2022 nur selten dort, wo er sich sieht. Ein paar glückliche Fügungen halten die Bilanz in der Bundesliga noch im Lot, aber die Waage nach den schweren Niederschlägen in der Europa League und im DFB-Pokal schon lange nicht mehr in der Balance. Es ist an der Zeit, dass Dortmund nicht beiläufig, sondern regelmäßig in den Spiegel schaut. Um erfolgreicher zu sein, braucht das Spiel des BVB mehr Struktur, mehr Disziplin und bessere Antworten auf Rückstände. Und der Kader dringend Auffrischung. Gegen Leipzig war die zweite Halbzeit wild, fehlerbehaftet und ohne wirkliche Ordnung. Rose konstatierte mangelnde Kompromisslosigkeit vorn wie hinten. Mit Blick auf die nächste Saison kündigte er an, „die Gruppe ein Stück weit zu verändern“.

Zuvor hatte bereits Sebastian Kehl über den Tellerrand geschaut. Der künftige Sportdirektor will „verkrustete Strukturen im Kader aufbrechen“. Was immer das heißen mag: Dortmund ist sich offenbar bewusst, dass ein „Weiter so“ nicht weiterführt. Leipzig war an diesem zunächst besonders erfüllenden und später so deprimierenden Tag wahrlich nicht der erste Konkurrent, der sich die vielen Defizite des BVB zunutze machte.

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