1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Goretzka lässt die Muskeln spielen

  6. >

Deutsche Mannschaft bangt um Müller im Ungarn-Spiel

Goretzka lässt die Muskeln spielen

Herzogenaurach

Es drohen Ausfälle. Im Gruppenfinale der DFB-Auswahl gegen Ungarn am Mittwoch scheint vor allem Thomas Müller ein Wackelkandidat zu sein. Bereit steht stattdessen Leon Goretzka. Der Bayern-Profi gibt sich durchaus selbstbewusst.

Von Alexander Heflik

Wie fit und einsatzbereit: Leon Goretzka von Bayern München könnte den angeschlagenen Thomas Müller am Mittwoch gegen Ungarn ersetzen. Foto: Imago/Laci Perenyi

Als Leon Goretzka noch gar nicht das Wort hatte, wurde ihm wohl gewahr, dass seine Einsatzchancen in der deutschen Mannschaft schlagartig gestiegen sind. Das Bulletin der Nationalmannschaft nach dem zweiten Gruppenspiel war vielleicht nicht besorgniserregend, aber vor allem die bisherigen Reservisten rückten so in den Vordergrund, ihr Moment könnte bald kommen. Abseits des Teamtrainings laborierten am Montag Toni Kroos (Belastungspause), Mats Hummels (Patellabsehne), Thomas Müller (Oberschenkel), Ilkay Gündogan (Wade) sowie Lukas Klostermann (Muskelverletzung) an mehr oder weniger schweren Blessuren.

Da fiel nicht weiter ins Kontor, dass sich Jonas Hofmann zurückgemeldet hatte. Goretzka hörte genau hin, als die Namen der Lädierten und Geschlauchten genannt wurden. Als er Müller hörte, wusste er, dass seine Stunde am Mittwoch im dritten Vorrundenspiel gegen Ungarn durchaus mit Spielbeginn schlagen könnte. Einer seiner ersten Sätze lautete deshalb auch: „Für mich beginnt das Turnier jetzt erst, ich fühle mich gut und bin bereit.“

Bisher nur Trumpf in der Hinterhand

Goretzka, der gemeinsam mit Joshua Kimmich beim Triumph von Bayern München in der Champions League 2020 federführend unterwegs war, ist wieder gefragt. Bislang war er nur ein Trumpf in der Hinterhand, eine wacklige Unbekannte. Bundestrainer Joachim Löw hat nun vor der entscheidenden Partie zum Weiterkommen diverse ungeklärte Personalien. Während ein, zwei Medien Müller bereits als sicheren Ausfall vermeldeten, blieb der DFB optimistisch reserviert. Der Einsatz von Routinier Müller sei durchaus noch möglich. Goretzka stellte aber mal für alle grinsend klar: „Wie Thomas sich am Montag im Pool bewegt hat, ist es nicht ausgeschlossen, dass er spielt. Grundsätzlich traue ich mir die Rolle aber auch zu.“

Mitte Mai hatte sich der Ex-Bochumer einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. Die EM-Teilnahme stand zur Disposition. Als Goretzka gegen Portugal in der 73. Minute für Kai Havertz eingewechselt wurde, waren auch die allerletzten Zweifel an seiner Tauglichkeit ausgeräumt. Das „Powerhouse“ im Mittelfeld ist zurück. Er sagt, gerade in München wieder spielen zu dürfen, wäre toll gewesen. „Gefühlt hat jeder Zuschauer dreimal so laut geschrien. Es war einfach schön wieder vor 82 Millionen Bundestrainern zu spielen statt vor 82 Millionen Virologen.“

Alles andere als larifari

So gesehen hat Goretzka die Pandemie fußballerisch für beendet erklärt. Obwohl der 26-Jährige bei gesellschaftskritischen Fragen alles andere als larifari und gleichgültig unterwegs ist. Beispiele gefällig? #wekickcorona ist ein Projekt, das Goretzka mit Kimmich aus der Taufe gehoben hat. 4300 Spender, 3600 Anträge, über 600 unterstützte Projekt, fünf Millionen Euro gesammelt – das Bayern-Duo hat außerhalb des Platzes Meilensteine gesetzt.

Und auch in der Debatte um die regenbogenfarbene Kapitänsbinde von Torwart Manuel Neuer und die mögliche vielfarbige Lichtinstallation in München am Mittwoch ausgerechnet gegen Ungarn hat er eine Meinung: „Das wäre doch absurd, wenn wir uns dafür entschuldigen müssten.“ Er freue sich über jedes Signal im Kampf gegen Rassismus und Homophobie: „Wir haben unsere Zeichen gesetzt.“ Sportliche will er nun weitere folgen lassen.

Startseite