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Rad: Sparkassen-Münsterland-Giro

Jedermänner und Jederfrauen sind froh, wieder im Sattel zu sitzen

Münster

Hobbysportler, Feierabend-Profis, Amateure und Berufsfahrer: Eins haben sie alle gemein, und eins bringt sie alle zusammen. Die Lust aufs Radrennen. Endlich kann sie wieder ausgelebt werden – und entsprechend hoch geht es her beim 15. Sparkassen-Münsterland-Giro, der allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Rückkehr zur lang vermissten Leidenschaft ermöglicht.

Von André Fischer

Bürgermeister Klaus Rosenau dufte gleich mehrmals zur Tat schreiten am frühen Morgen in der Mendelstraße. Foto: Jürgen Peperhowe

Blutdruck, Puls und Körpertemperatur kommen generell ab 6 Uhr in der Frühe auf Touren. Heißt es. Bis der Körper die volle Leistungsfähigkeit erreicht, vergehen nach dem Aufstehen aber nicht weniger als 60 bis 90 Minuten. Da trifft es sich doch gut, dass um kurz vor 8 Uhr an diesem Sonntagmorgen in der Mendelstraße die ersten „Jedermänner“ und „Jederfrauen“ in die Klickpedalen ihrer Rennmaschinen schlüpfen.

15 Grad, leichter Regen, Wind – die Bedingungen waren schon mal freundlicher beim Sparkassen-Münsterland-Giro. „Seid vorsichtig, kommt sicher und sturzfrei ins Ziel“, appelliert Münsters Bürgermeister Klaus Rosenau mit der Startschusspistole in der Hand an alle Aktiven. Und drückt ab.

Internationaler denn je

In Blöcken rollt eine Karawane nach der anderen am Tag der Deutschen Einheit in Richtung Gievenbeck. 65, 95 und 135 Kilometer – gut 3800 Aktive haben für die drei traditionellen Strecken gemeldet. Hobbysportlerinnen und -sportler mischen sich unter Fahrerinnen und Fahrer, die in der Bundesliga starten, teils unter professionellen Voraussetzungen arbeiten. Und das Feld ist international wie selten.

Die Landesflaggen von Mexiko, Honduras, Indonesien, Frankreich, Luxemburg und den USA zieren die Teilnehmerlisten. „Eine Riesengeschichte“ für Chef-Organisator Rainer Bergmann. Der Hunger, sich in der Coronazeit mit Gleichgesinnten zu messen, ist groß. Dafür werden nicht nur bundesweit viele Kilometer Anreise in Kauf genommen. Kommt ja selten genug vor.

Vorjahreszweite Vanessa Wulf muss passen

Früh aufgestanden ist an diesem Morgen auch Vanessa Wulf vom Rose-Team Münsterland. 2019 war sie Zweite bei den Frauen über die kurze Distanz. Jetzt mimt sie die Zeugwartin, die Jungs werfen ihr Jacken und andere Utensilien, die im Rennen nur ein unnötiger Ballast wären, entgegen.

Brav verstaut sie alles in einem überdimensionalen Rucksack. „Ich bin verletzt. Leider. Zumindest kann ich so etwas von der Atmosphäre aufsaugen“, sagt sie. Der Blick in ihre Augen verrät, dass sie liebend gerne auf ihre Rennmaschine geklettert wäre.

Heftige Positionskämpfe schon nach dem Start

Dass der Giro jedes Jahr aufs Neue die Bühne ist für ein paar Heißkisten, zeigt sich schon früh am ersten Kreisverkehr, nur 500 Meter nach der Startlinie. Da werden die Ellenbogen ausgefahren, ein jeder will die bestmögliche Position für sich herausholen. Die verzweifelten Mahnrufe eines Ordners mit dem Megafon, doch bitte besonnen zu sein, weil ja noch reichlich Meter zu fahren seien, verhallen im Fahrtwind.

Viel los in Nienberge

Derweil versammeln sich die ersten Zuschauerinnen und Zuschauer im Zielbereich in Nienberge. Mit Regenschirmen bewaffnet. Zwischen Startschuss und Zieleinlauf des ersten Jedermann-Rennens vergehen gerade mal 1:29,08 Stunden. Felix Pembaur vom Campana Racing Team ist der Schnellste über die 65 Kilometer, gewinnt den Sprint gegen Tom Schöler, der eine läppische Sekunde langsamer ist. Der Giro ist nach einem Jahr Pause zurück. Gut so. Blutdruck, Puls und Körpertemperatur fahren langsam wieder runter.

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