Fußball: Europameisterschaft

Junger Mann zum Mitreisen gefunden: Jamal Musiala

Herzogenaurach

Praktikant oder Bundesfreiwilligendienst? Beides falsch: der junge Mann, der auf dem ersten Blick ein wenig fehl am Platze wirkt, ist auf dem Platz bestens aufgehoben im Kreis der Nationalmannschaft: Bayern-Juwel Jamal Musiala

Von Alexander Heflik

Aufmerksam, fast schon ein Streber: Ja,mal Musiala (2.v.r-) lauscht Bundestrainer Joachim Löw (rechts) Foto: Imago/Eibner

Ein bisschen kommt Jamal Musiala daher, als ob er gerade in den deutsch-britischen Schüleraustausch für den Abiturjahrgang 2024 gerutscht sei. Glücklich, freundlich, auch ein wenig schüchtern. Der Jüngste und gleichzeitig in seiner Altersklasse schon der Beste. Er spricht dann, Deutsch mit einem unüberhörbaren britischem Akzent, und sagt Sätze wie: „Ich kann hier viel lernen.“ Oder auch: „Für mich ist der Doppel-Check wichtig, deshalb frage ich vielleicht mehr als alle anderen.“ Und was er machen musste, als er als Jüngster und wie ein Ball-Debütant zu dieser Gruppe stieß: „Ich musste eine Rede halten.“

Immer seiner Zeit voraus

Jamal Musiala ist gerade 18 Jahre alt, er geht nicht in Salem aufs Internat oder hat schon einen Platz im Eton College sicher. Nein, Musiala ist Teil des deutschen EM-Aufgebots. In allen Belangen ist er schon ein besonderer Spieler, immer seiner Zeit voraus. Allein schon bei seinem jetzigen Club Bayern München: Jüngster Bundesliga-Debütant, jüngster Bundesliga-Torschütze, jüngster Champions-League-Torschütze, bereits sechs Titel hat er gewonnen. Er ist wirklich erst 18 Jahre alt.

Versprechen für die Zukunft

Sein Clubtrainer, der dann auch sein Bundestrainer sein wird, also Hansi Flick, sagt: „Jamal setzt sich unter Druck auf engstem Raum durch.“ Was soviel wie der frühe sportliche Ritterschlag ist, Musiala kann alles, bringt alles mit, ist zu ganz großen Dingen im Fußball berufen. Er ist ein Versprechen für die Zukunft.

Vielleicht wird sich der englische Fußball-Verband FA noch darüber ärgern, dass sich der Jungspund von der Isar für den DFB entschieden hat. Der britische Fußball ist reichlich gesegnet mit Supertalenten, nur Musiala, dieser offensive X-Faktor-Spieler fehlt ihnen vielleicht noch.

Einmal England und zurück

Als „Bambini“ spielte er noch für die heutige SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Mit sieben Jahren erfolgte der Umzug auf die Insel, als seine Mutter einen Lehrauftrag in Southampton annahm. Beim FC, später dann beim FC Chelsea, durchlief er fast alle Juniorenjahre, auch hier immer der Zeit voraus. Mit 13 debütierte er in der U-15-Nationalelf Englands, mit 15 spielte er zwei Partien für die deutsche U-16-Nationalelf, mit 17 gewann er die Drittliga-Meisterschaft mit Bayern München II und war schneller im Erstliga-Kader, als es jeder erwartet hatte. Der Weg zurück nach Deutschland hing auch mit dem Brexit 2019 zusammen, die Entscheidung für die DFB-Auswahl wohl auch, seine Mutter ist Deutsche, der Vater Nigerianer, er ist jetzt schon eine Art Fußball-Weltbürger.

Holzhütten-WG

Nun lebt er für den Moment in Herzogenaurach, der deutsche Tross hat hier Quartier bezogen. Musiala lebt in einem Holzhaus zusammen mit Manuel Neuer, Lukas Klostermann und Jonas Hofmann. Alt und jung, Holzhütte, hört sich nach Abenteuer an. Wobei die Wohneinheiten für die Nationalspieler alles andere als Tiny Houses sind. Aller denkbarer Luxus ist vorhanden. Lebenswert.

Alles geht so schnell, wie auch seine Marktwert-Entwicklung, die schnellste in diesem Jahr bei transfermarkt.de von zehn Millionen Euro zunächst auf 24, kurz vor dem EM-Start sogar auf 38. Nur der 18 Jahre alte Linksverteidiger Nuno Mendes von Sporting Lissabon ist mit einem Schätzwert von 40 Millionen Euro aktuell noch wertvoller.

Kommender Top-Star

Mendes, Musiala und auch der 19 Jahre alte Niederländer Ryan Gravenberch, ein offensiver Mittelfeldspieler von Ajax Amsterdam, konkurrieren. Schafft es einer von den kickenden Teenies überhaupt zu einem Einsatz? Vielleicht mal in die Startelf? Oder gar zum entscheidenden Akteur auf dem Feld? Ausgeschlossen ist bei Jamal Musiala praktisch gar nichts.

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