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Fußball: Wo läuft was?

Kosten und Sendeplätze - Champions League und Bundesliga im TV-Dschungel

Münster

Inzwischen ist es richtig schwierig geworden, beim Fußball-Programm den Durchblick zu behalten. Die Entwicklung erreicht in dieser Saison ihren Höhepunkt, es gibt so viele TV-Sendeplätze wie noch nie. Wo läuft denn jetzt was? Wie teuer ist der Spaß?

Von Camillo von Ketteler

Die Champions League läuft seit dieser Saison nur noch bei DAZN und bei Amazon Prime. Wer auch alle anderen Wettbewerbe sehen Foto: Imago/Passion2Press

Es ist in dieser Saison wohl schon vielen Fußballfans so gegangen. Auf der Suche nach dem Übertragungsplatz der Champions League schalten sie von Sender zu Sender: Wo läuft denn jetzt die allseits beliebte Konferenz? Wo sind die Einzelspiele? Erst nach Minuten des Zappens fällt auf – die Königsklasse findet inzwischen gar nicht mehr bei Sky statt.

Überblick zu behalten, fällt immer schwerer

Nun könnte man sich fragen, wieso Fußballfans keine Ahnung haben, wer die Champions League zeigt. Schließlich zählt der Wettbewerb nach wie vor zu den Highlights einer jeden Saison. Man könnte aber auch nachdenklich werden. Ist es nicht verwunderlich, gar alarmierend, dass es selbst sport- und fußballaffinen Menschen immer schwerer fällt, den Überblick zu behalten? Dass auch Wochen nach Saisonstart jeden Tag großes Rätselraten herrscht, wo, wann und mit welchem Abo die Begegnungen verfolgt werden können?

Der Grund für diese Zerstreuung ist eine Entwicklung, die seit Jahren mit jeder neuen Vergabe der TV-Rechte noch extremer wird. Die Bundesliga, früher ausschließlich bei Sky zu sehen, läuft schon seit einiger Zeit auch noch beim Streaming-Anbieter DAZN. Auch noch meint in diesem Falle nicht parallel, sondern entweder oder – heißt, für alle Spiele der braucht man schon mal zwei Abos. In diesem Jahr überträgt DAZN so viele Partien wie noch nie, hat sich die Rechte für die Freitags- und Sonntagsauftritte gesichert. Insgesamt 106 Spiele, der Rest kommt bei Sky.

Vier Anbieter für drei deutsche Profiligen

Ein bisschen einfacher ist es eine Liga weiter unten, hier überträgt Sky alles in voller Länge. Mit Sport1 zeigt ein Free-TV-Sender (parallel zu Sky) sogar 33 Partien samstags um 20.30 Uhr. Die 3. Liga läuft wie gewohnt weiter komplett bei Telekoms MagentaTV – zu sehen allerdings nur mit einem Abo. Vier Anbieter für die drei deutschen Profi-Ligen. Drei davon kosten.

Wir rechnen zusammen: das die Bundesliga bei Sky kostet im ersten Jahr 25 Euro pro Monat, DAZN kommt auf 14,99 Euro (oder 149,99 Euro pro Jahr), MagentaTV kostet für Nicht-Telekom-Kunden noch mal 16,95 Euro im Monat. Macht nur für den deutschen Profi-Fußball schonmal 56,94 Euro monatlich. Nicht schlecht. Wenn man Fan eines Regionalligisten ist, wird es noch kostspieliger. Die Spiele gibt es auf kleineren Streaming-Anbietern wie Sporttotal oder staigeTV. Der Konsument zahlt meistens zwischen 4,99 und 9,99 Euro – pro Partie.

Schwierig, den Durchblick zu behalten: Fußball gucken kann inzwischen richtig teuer werden - und man muss den richtigen Sendeplatz finden. Foto: Imago/Noah Wedel

Champions League läuft gar nicht mehr bei Sky

So weit, so gut. An der Rechteverteilung im nationalen Fußball hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert. Auch der DFB-Pokal läuft weiter bei Sky, einzelne Spiele bei ARD oder Sport1. Richtig kompliziert und noch teurer wird es aber, wenn man sich unter der Woche auch gerne noch den europäischen Fußball anguckt. Die Champions League, das Premium-Produkt der Uefa, ist nicht mehr bei Sky zu sehen. Also wirklich gar nicht mehr. Wer sich auf die Suche nach der Konferenz macht, wird hier nicht fündig. Neuer Sendeplatz der Königsklasse ist DAZN, sowohl für die Konferenz als auch für die Einzelspiele. Aber, anders wäre es ja auch zu einfach, nicht nur dort. Nein, auch Amazon mischt mit, im großen Verschiebebahnhof der Fußballrechte. Das jeweilige Top-Spiel am Dienstagabend läuft nur beim Streaminganbieter Prime, für den man, richtig geraten, ein Abo braucht.

Kompliziert und teuer

Immer noch nicht kompliziert genug? Zum Glück gibt es ja noch die Europa League und den von der Uefa zu Beginn dieser Saison frisch aus der Taufe gehobenen Wettbewerb namens Europa Conference League. Die Senderechte für die Wettbewerbe, für die sich Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen sowie Union Berlin qualifiziert haben, ergatterte RTL. Ausgewählte Spitzenspiele laufen live im Free-TV. Wer aber alles sehen will, der muss den Streaming-Dienst RTL+ nutzen – kostenpflichtig. Der Dienst ist für 4,99 Euro pro Monat zu haben, Amazon Prime kostet aktuell 7,99 Euro. Zusammen mit DAZN, Sky und MagentaTV sind im Monat also stolze 69,92 Euro hinzublättern, um alle Spiele der deutschen Profi-Teams gucken zu können. Wer noch die Regionalliga verfolgen will, der landet schnell bei über 100 Euro in einem Monat.

Fußball gucken im Jahr 2021 kann also schnell richtig teuer werden. Und dann muss man auch noch den richtigen Sendeplatz finden.

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