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Schwimmen: Jugend-Europameisterschaft

Letzte Ausfahrt Berlin: SGS-Talent Lömke hat noch eine EM-Chance

Münster

Seit Beginn der Saison hat SGS-Talent Falk Lömke dieses große Ziel: Die Jugend-Europameisterschaft in Rumänien. Coronabedingt verpasste der 16-Jährige das zweite Quali-Event in Berlin, der Traum scheint in weite Ferne zu rücken. Doch Lömke hat Glück im Unglück – und bekommt nun eine letzte Chance.

Von Camillo von Ketteler

Verpasste die EM-Qualifikation coronabedingt, will mit dem Erreichen der Norm über 100 Meter Rücken aber doch noch zu den Jugend-Europameisterschaften nach Rumänien fahren: SGS-Talent Falk Lömke Foto: Mario Kock

Bereits im letzten Sommer, als die Schwimmsaison noch in den Startlöchern stand, steckte sich SGS-Talent Falk Lömke ein ganz besonderes Ziel: die Jugend-Europameisterschaft in Rumänien im Sommer 2022. „Ich gucke immer von Jahr zu Jahr und nehme mir vor, bestimmte Dinge zu erreichen. Dieses Mal war das die EM“, sagte der Nachwuchsschwimmer im November des vergangenen Jahres. Da war er gerade von den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) aus Berlin zurückgekehrt, mit ganzen sechs Medaillen im Gepäck, eine davon gar in goldener Farbe.

Intensive Monate standen bevor, es folgten ein NRW-Landesrekord über 100 Meter Rücken, die Wahl zu Münsters Juniorsportler des Jahres und der Umzug ins hiesige Sportinternat. Anfang März reiste Lömke mit dem DJM-Perspektivkader aus Berlin zum Trainingslager in die Türkei. Alles schien perfekt zu laufen – wäre da nicht diese Corona-Infektion zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt gewesen.

Corona: "Das war wie im Knast"

Aber der Reihe nach: Ende März geht Lömke bei Teil eins der EM-Quali in Magdeburg an den Start, ist noch ein bisschen müde vom Türkei-Trip und verpasst die Normen knapp. „Er war aber eigentlich voll im Soll und happy“, erinnert sich sein Coach Markus Erth. Warum auch nicht? Schließlich blieb noch Gelegenheit, um die entsprechenden Zeiten zu schwimmen. Zurück in Münster dann der Schock: „Zwei Tage nach Magdeburg war er plötzlich coronapositiv“, sagt Erth.

Lömke zeigt deutliche Symptome, ist zwei Wochen nicht im Wasser und verpasst am 8. April in Berlin seine zweite Chance auf die EM-Qualifikation – eingesperrt in der Quarantäne, zu Hause in Albersloh. „Das war wie im Knast“, sagt der junge Athlet, der sich das Event in Berlin im Livestream aus der Ferne angucken musste. „Als ich gesehen habe, wie die anderen schwimmen – das war mit der schlimmste Moment. Echt sehr bitter und frustrierend“, erinnert sich Lömke.

„An sich hat Falk es aber ganz gut verkraftet“, sagt Erth, auf den als Trainer in so einem Moment natürlich auch psychologische Arbeit zukam. „Wir haben viel gesprochen und telefoniert. Du fliegst extra ins Trainingslager, verpasst ja auch die Schule, und fällst dann positiv aus. Das ist einfach bitter“, weiß er. Der EM-Traum, so klar vor den Augen des 16-Jährigen, er schien langsam zu verschwimmen.

Lömke bekommt eine letzte Chance

Doch Glück im Unglück – eine letzte Chance auf ein Ticket für Rumänien bleibt. Während der Quali-Events schwächelte Lömkes Konkurrenz, keiner seiner Mitstreiter schwamm die Norm für die 100 Meter Rücken. Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften, die vom 24. bis 28. Mai in Berlin stattfinden, wird Lömke die Chance bekommen, seine offene Rechnung mit der Hauptstadt zu begleichen. 56,4 Sekunden muss er schwimmen – eine letzte Möglichkeit, die der Rücken-Experte nicht verstreichen lassen möchte: „Die Motivation ist auf jeden Fall nach wie vor da. Ich probiere alles und denke, dass das auch möglich ist“, sagt er.

„Das wird ein Spektakel in Berlin, denn es geht ja auch noch um den Staffelplatz über die 100 Meter Rücken. Einer muss mitgenommen werden“, erklärt Trainer Erth. Das DJM-Finale in Lömkes Jahrgang 2005 mutiert also zu einem Endspiel um einen Platz in der Nationalmannschaft für Rumänien.

Gelungenes Trainslager in Málaga

„Wir fahren jetzt noch mal ein richtig intensives Programm und machen jeden möglichen Wettbewerb mit. Falk arbeitet wirklich hart und macht alles mit, um fit für Berlin zu werden“, sagt Erth – und das nicht nur in Münster. Nachdem der Coronatest wieder negativ war und der Arzt ihm seine Sportfähigkeit bescheinigt hatte, flog Lömke direkt ins SGS-Trainingslager nach Málaga hinterher. Perfekte Bedingungen, bis zu 30 Grad – „das war schon 1A“, sagt Erth. „Ich habe in der ersten Woche ruhig gemacht und bin dann wieder voll eingestiegen. Es war schon schön da“, sagt Lömke.

An der Costa del Sol arbeitete nicht nur Lömke wieder richtig gut, sondern alle 21 SGS-Aktive. „Ich bin mir sicher, dass wir ein starkes Team bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften haben werden“, sagt Erth. „Das war schon sehr verheißungsvoll.“

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