1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Alles, was Recht(s) ist: Fußballer Sebastian Mai paukt als Jura-Student

  8. >

Fußball: Regionalliga West

Alles, was Recht(s) ist: Fußballer Sebastian Mai paukt als Jura-Student

Ahlen

Sebastian Mai ist in dieser Saison bei RW Ahlen einer der absoluten Leistungsträger. Zu den Stärken des Mittelfeldspielers zählen Disziplin und Ehrgeiz. Eigenschaften, die dem 20-Jährigen auch in beruflicher Hinsicht helfen.

Simone Zettier

Sebastian Mai studiert im dritten Semester Jura an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und spielt Fußball bei Rot-Weiß Ahlen. Zwei Mal musste dort sein Vater Dr. Rüdiger Mai (rechts auf dem linken kleinen Bild; zusammen mit Physiotherapeut Matthias Kunde) schon in seiner Funktion als Mannschaftsarzt zu seinem Sohn auf den Platz, beide Male waren es aber zum Glück keine schwerwiegenden Verletzungen. Im Garten der Familie Mai (mittleres Bild) laden noch heute zwei Tore zum Bolzen ein. Foto: Henning Wegener

Rechtsaußen, Rechtsfuß und seit gut einem Jahr auch noch Student der Rechtswissenschaften. Was andere mit links machen, macht der 20-Jährige Sebastian Mai mit rechts. „Zu seinen Stärken gehören Disziplin und Ehrgeiz. Damit hat er sich vieles erarbeitet“, sagt sein Vater Rüdiger Mai über den Regionalliga-Fußballer von Rot-Weiß Ahlen.

Nur Fußball zu langweilig

Da passt es ins Bild, dass sich der junge Versmolder derzeit nicht ausschließlich auf den Fußball konzentrieren will. „Ich glaube, das wäre mir zu langweilig“, sagt er. Jura-Studium und die Fußball-Karriere besitzen für Sebastian Mai derzeit die gleiche Priorität. Dabei kommt ihm die Corona-Pandemie sogar entgegen. Das macht es etwas leichter, beides unter einen Hut zu bringen. Denn seit dem Beginn des Studiums im April 2020 finden die Vorlesungen ausschließlich online statt, die Fahrten nach Münster entfallen. „Ich war bisher nur einmal für eine Klausur in der Uni und ein paar Mal in der Bibliothek, wenn ich eine Hausarbeit schreiben musste. Ich kenne es nur so“, erklärt Sebastian Mai.

Sebastian Mai führt die Torjägerliste bei RW Ahlen an. Foto: Henning Wegener

Weite Wege hat er ja ohnehin schon genug. Nach Ahlen sind es hin und zurück 90 Kilometer, die der Mittelfeldspieler aber gerne in Kauf nimmt. Auch das kennt er seit vielen Jahren nicht anders. Angefangen ist er im Alter von vier Jahren bei der SG Oesterweg in einem Stadtteil von Versmold. Mit zwölf wechselte er zum SC Wiedenbrück, bevor ihn Ahlens ehemaliger A-Jugend-Trainer Marcel Stöppel im Dezember 2018 nach Ahlen lotste.

Britscho schenkt das Vertrauen

Seinen ersten Einsatz bei den Senioren hatte er vor gut zwei Jahren am 22. April 2019, als er in der Oberliga-Partie gegen Westfalia Herne sein Debüt feierte. Ahlens damaliger Trainer Christian Britscho schenkte ihm das Vertrauen. Britscho war es auch, der Sebastians Vater, Rüdiger Mai, ein paar Monate später als Mannschaftsarzt verpflichtete. Kein ganz neuer Job für den Orthopäden mit eigener Praxis in Versmold.

Vater und Sohn: Rüdiger und Sebastian Mai sind ein tolles Team. Foto: Henning Wegener

Denn in den 90er-Jahren betreute er schon die Handballer der Spielvereinigung Versmold. Derzeit ist er auch noch für die Sportfreunde Loxten als Mannschaftsarzt tätig. Zudem kommen viele Sportler in seine Praxis. „Das ist der Bereich meiner Arbeit, der mir am meisten Spaß macht“, sagt der Orthopäde.

Leidenschaft an den Sohn weitergegeben

Voraussetzung für den Einsatz in Ahlen war das Okay seines Sohnes, der sich erst an die neue Funktion seines Vaters gewöhnen musste. Inzwischen ist die Situation für beide Normalität, dennoch bleibt es für Papa Mai etwas Besonderes, wenn er seinen Filius auf dem Spielfeld behandeln muss: „Zum Glück war das bisher nur zwei Mal der Fall und beide Male war es nichts Schlimmes“, sagt Rüdiger Mai.

Zwei Mal musste Rüdiger Mai (r.) - hier mit und Physiotherapeut Matthias Kunde (l.) - schon in seiner Funktion als Mannschaftsarzt zu seinem Sohn auf den Platz. Beide Male waren es aber zum Glück keine schwerwiegenden Verletzungen. Foto: Henning Wegener

Er selbst hat Fußball, Tennis und Golf gespielt. Die Leidenschaft für den Sport hat er an den Sohnemann weitergegeben. Die für die Medizin dagegen offenbar nicht. „Über Medizin habe ich keine Sekunde nachgedacht“, sagt Sebastian Mai. Auch sein Bruder Maximilian studierte lieber Garten- und Landschaftsbau. Für Vater Rüdiger kein Problem: „Für meinen Beruf braucht man schon viel Herzblut. Mir ist wichtig, dass die beiden etwas machen, wo sie voll hinterstehen.“ Bei Sebastian sind das zurzeit der Fußball und die Rechtswissenschaft. Recht so.

Startseite