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Leichtathletik: Deutsche Meisterschaft in Braunschweig

Drei Hundertstel bedeuten Frust: Bronze stellt Dennis Biederbick nicht zufrieden

Ahlen/Braunschweig

Dennis Biederbick war trotz Medaille mächtig gefrustet. Bronze war nicht das, was er sich bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig erhofft hatte. Kurz vor dem Ziel verdrängte ihn Christoph Kessler von Platz zwei. An einem anderen Ziel aber hält der 23-Jährige eisern fest.

Von Cedric Gebhardt

Während sein Teamkollege Marvin Heinrich den Sieg bejubelte, musste sich Dennis Biederbick bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig nur mit Bronze begnügen. Aus dem erhofften Doppelsieg wurde nichts. Foto: Ralf Görlitz

Die sportliche Anstrengung des Vortages hatte Dennis Biederbick am Montagvormittag schon weitgehend auskuriert. Seine Achillessehne beschwerte sich jedenfalls nicht trotz der intensiven Belastung. „Es ist eher die Niederlage, die mir in den Knochen steckt“, sagte er.

Wobei der 23-Jährige angesichts des dritten Platzes bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig zu einer recht weiten Auslegung des Begriffs „Niederlage“ neigte. Und doch war es für ihn persönlich ein Misserfolg.

Medaille schlummert im Rucksack

Hätte die Medaille doch bloß eine andere Legierung gehabt, ihr wäre womöglich ein besseres Schicksal widerfahren. Doch die Bronze-Medaille fristete tags drauf genau wie ihr Träger ein ziemlich tristes Dasein. „Sie liegt in den Untiefen meines Rucksacks vergraben“, bekannte Biederbick.

Einen Ehrenplatz wird sie wohl auch künftig nicht erhalten – zu groß war der Frust des Ahleners darüber, dass es einmal mehr nur Bronze geworden ist – wie schon im Vorjahr bei der Hallen-DM in Leipzig im Februar und ganz besonders bei der DM in Braunschweig im August. Dabei schien Silber zum Greifen nah.

Am Sonntag in Braunschweig gaben Dennis Biederbick und Marvin Heinrich den Ton an. Zunächst stürmte zwar Maximilian Klink in geradezu selbstvernichtendem Tempo in Front, brach aber in der zweiten Runde ebenso erwartbar wie massiv ein. Und auch der danach in Führung liegende Marc Reuther konnte auf den letzten 200 Metern nicht mehr mithalten.

Doppelsieg in greifbarer Nähe

Alles schien wie gemacht für dessen Teamkollegen der LG Eintracht Frankfurt, Biederbick und Heinrich, die zuletzt bei der Kurpfalz-Gala in Weinheim und der Pfungstädter Laufgala die ersten beiden Plätze belegt hatten.

Marvin Heinrich ließ sich den Sieg auch nicht nehmen, gewann in 1:47,62 Minute. „Dass Marvin schwer zu schlagen sein würde, wusste ich auch schon vorher. Er ist momentan in einer Top-Verfassung. Während des Rennens habe ich gedacht: Okay, Gold kannst du nicht knacken, aber dann wird es ein Doppelsieg“, so Biederbick.

Doch er hatte die Rechnung ohne seinen Rivalen Christoph Kessler (1:47,81) gemacht. Wie schon vor einem Jahr zog der Karlsruher auf den letzten Zentimetern hauchdünn an ihm vorbei. Drei Hundertstel trennten ihn im Ziel von Biederbick (1:47,84).

Zu früh zum Endspurt angesetzt

Der haderte danach mit sich. „Ich hatte nicht die Geduld, meinen Endspurt später anzusetzen. Ich hatte die Sorge, dass dann das Rennen an mir vorbeiläuft. Deshalb habe ich die Initiative ergriffen. Auf den letzten zehn Metern ist mir dann der Saft ausgegangen. Das hat mich selbst überrascht“, gestand Biederbick.

Drei Hundertstel machten den Unterschied zwischen Silber und Bronze – und kosteten wertvolle Punkte für das DLV-Ranking, nach dem die drei Tickets für das deutsche Olympia-Team vergeben werden. Sich über das Ranking für Tokio zu qualifizieren, dürfte für den Ahlener schwierig werden, da noch fünf Konkurrenten vor ihm liegen. Deshalb setzt Dennis Biederbick nun vor allem darauf, in den drei Wochen bis zur Bekanntgabe des Olympia-Kaders die notwendige Norm (1:45,20) zu knacken. „Eine 1:45 kann ich auf jeden Fall – es ist nur die Frage, was hinter dem Komma steht“, sagt Biederbick. Am Sonntag startet er beim Poznań Athletics Grand Prix in Polen in einem sehr guten Feld, das auf ein hohes Tempo hoffen lässt. „Wenn ich noch bei drei, vier guten Rennen starten kann, ist Olympia weiterhin machbar. Ich glaube noch daran“, unterstreicht Biederbick.

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