1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Eigentlich immer reif für die Insel

  8. >

Fußball: Terence Groothusen verstärkt seit August Rot Weiß Ahlen

Eigentlich immer reif für die Insel

Ahlen

Die Vorbereitung bei Rot-Weiß Ahlen hat Terence Groothusen angesichts seiner späten Verpflichtung verpasst. Doch trotzdem hat sich der Nationalspieler von Aruba gut ins Team eingefügt. Beim 1:0-Erfolg gegen Uerdingen stand er erstmalig in der Startelf.

Von Simone Zettier

Chillen gehört zu Terence Groothusens Lieblingsbeschäftigungen. Wenn schon nicht auf der Insel, so doch hier in seinem Appartement im Ahlener City-Hotel, wo ein Ballon noch von seinem 25. Geburtstag übrig geblieben ist. Foto: Wegener

Jeder Mensch sei eine Insel, die sich nach der Vereinigung mit dem Festland sehne, sagt der Schriftsteller Arthur Koestler. Könnte auch zum Fußball passen. Denn jeder Trainer arbeitet daran, seine Inseln, also seine Spieler, mit dem Festland, dem Team, zu vereinen.

Terence Clyde Leon Groothusen ist einer der letzten Inseln, die Ahlens Trainer Andreas Zimmermann neu mit seinem Ahlener Festland vereinen muss. Weit weg liegt die Groothusen-Insel aber nicht: Die Regionalliga ist nämlich für den gebürtigen Amsterdamer, der neben der niederländische Nationalität die des karibischen Inselstaates Aruba hat, gewohntes Terrain.

„Jeder ist nett zu mir“

Vor Ahlen spielte er bei Alemannia Aachen, davor war er beim SV Straelen an der niederländischen Grenze beschäftigt. Beide Engagements währten allerdings nur gut sieben Monate.

Menschlich hat sich der 25-jährige Hüne, der Ende August verpflichtet wurde, gut ins Team eingefügt. „Jeder ist nett zu mir, das hat mir den Anfang leicht gemacht. Ich hatte viele Gespräche mit dem Trainerteam, war bei ein paar Events dabei und ich denke, wir haben eine gute und harmonische Mannschaft“, sagt der 1,92 Meter-Hüne, der indes noch auf sein erstes Tor in der Regionalliga wartet – weder für Straelen noch für Aachen erzielte Ahlens Nummer 30 einen Treffer. Immerhin: Für die Rotweißen lieferte der Mittelstürmer im Pokal die Vorlage für Marzullos Tor zum zwischenzeitlichen 1:0 und stand beim zweiten Saisonsieg gegen den KFC Uerdingen am Samstag erstmals in der Startelf.

Vorbereitung verpasst

Die Vorbereitung in Ahlen hat er durch die späte Verpflichtung verpasst. „Dadurch hänge ich körperlich etwas hinterher. Das versuche ich aber durch ein paar Extra-Einheiten im Gym und Läufen auszugleichen.“

Mit Ahlen will Groothusen, der mit drei Jahren mit dem Fußball begann, nun ein neues Kapitel aufschlagen. „Zu Straelen kann ich nicht viel sagen, und in Aachen wurden der Trainer und Manager gefeuert, kurz nachdem ich gekommen war“, erzählt Groothusen. „Das ist Fußball“, kennt der 25-Jährige das Geschäft. „In Ahlen will ich mein Bestes geben, zeigen, was ich kann und bester Torjäger meines Teams werden“, fasst der Profi sein Saisonziel zusammen.

Für die Nationalmannschaft Arubas, in der er 2019 debütierte, traf er in acht Einsätzen zwei Mal, zuletzt im Juni dieses Jahres. Mit Terence Groothusen hat RW Ahlen nun nach Daniel Francis (Sierra Leone) den zweiten Nationalspieler unter Vertrag.

Traum ging in Erfüllung

„Als ich das erste Mal für die Nationalmannschaft auflaufen durfte, erfüllte sich ein Traum. Als Kind wollte ich für die Niederlande spielen, war dafür aber nicht gut genug. Jetzt spiele ich für Aruba und bin glücklich damit. Die Länder, gegen die wir antreten, sind schöner als die, gegen die die Niederlande antreten muss“, zählt er Sint Maarten, Jamaika oder Bermuda auf. „Normalerweise muss man viel Geld bezahlen, um solche Länder zu bereisen. Für mich ist es umsonst“, flachst Groothusen.

Groothusens zweite Heimat Aruba ist Postkarten-Idylle pur. Schneeweiße Strände, Palmen, kristallklares Wasser und rosa Flamingos, die den Touristen aus der Hand fressen. „Für mich ist es die schönste Insel der Welt“, bekräftigt der Amsterdamer, der dort noch Onkel, Tanten, Neffen und Nichten wohnen hat. Ihm gefällt es dort, weil alles so „gechillt und relaxed“ ist.

Rückkehr auf die Insel nicht ausgeschlossen

Seine Zeit beim Erstligisten Hibernians FC 2019/2020 auf Malta hat er daher auch sehr genossen, Inselleben gefällt ihm: „Ich habe mich gefühlt wie auf Aruba.“

Sein Herzenswunsch ist so verständlich: Falls er irgendwann ausgesorgt hat, träumt er davon, auf seine Insel zurückzugehen, sich unter eine Palme zu legen und dem Meeresrauschen zuzuhören. „Mehr brauche ich nicht zum Glücklichsein.“ Ob jeder Mensch eine Insel ist oder nicht, völlig egal, manchmal ist man nur einfach reif dafür.

Startseite