Rollstuhlbasketball: Paralympics

Für Lena Knippelmeyer erfüllt sich ein Traum

Warendorf

Nach schwerwiegenden Knieverletzungen musste Lena Knippelmeyer 2014 mit dem Handball aufhören. Seit sechs Jahren spielt sie Rollstuhlbasketball. Jetzt hat sich die 31-Jährige vom BBC Münsterland aus Warendorf einen Traum erfüllt: Sie gehört zur deutschen Nationalmannschaft für die Paralympics in Japan.

Von Christian Haveltund

Lena Knippelmeyer vom BBC Münsterland in Warendorf hat es in den deutschen Nationalkader für die Paralympics in Japan geschafft. Foto: René Penno

„Ich bin jetzt schon unglaublich aufgeregt und mache jeden Tag zwei Trainingseinheiten“, sagt Lena Knippelmeyer, wenn sie an die Paralympics in Tokio vom 25. August bis 5. September denkt. Die Rollstuhlbasketballerin des BBC Münsterland in Warendorf hat sich in den zwölfköpfigen Kader für Japan gespielt und fiebert dem sportlichen Großereignis entgegen.

Dabei betreibt die gebürtige Ostfriesin erst seit sechs Jahren diesen Sport. Bis dahin war sie Handballerin in der Landesliga. 2012 riss sie sich das Kreuzband. Nach Operation und Reha passierte ihr das ein Jahr später erneut. Es kam ein Knorpelschaden dazu und es entwickelte sich eine Arthrose im Knie. „Da habe ich 2014 begriffen, dass es vorbei ist mit Handball.“ Zu diesem Zeitpunkt studierte und lebte sie bereits in Osnabrück, wo ihr Freund Rollstuhlbasketball spielte.

Aus der Not wird Liebe

„Ich habe ihm gesagt, dass ich einfach mitkomme zum Training“, erinnert sich die mittlerweile 31-Jährige, die aktuell im Krankenhaus in Damme als Neuropsychologin arbeitet. Schnell entwickelte sich diese neue Leidenschaft. Aus der Not wurde eine Liebesbeziehung zwischen dem Rollstuhlbasketball und Lena Knippelmeyer. „Und ich bin recht schnell besser und besser geworden“, sagt Knippelmeyer, die 2017 erstmals zu einem nationalen Sichtungslehrgang eingeladen und dann Nationalspielerin wurde. Die Europameisterschaft 2019 war ihr bisheriger sportlicher Höhepunkt. Tokio soll das jetzt toppen.

„Wenn ich zwischen einem gesunden Knie und der Teilnahme bei den Paralympics wählen müsste, wüsste ich nicht, wofür ich mich entscheide“, sagt die ehrgeizige Sportlerin. „Das ist einfach ein Traum, der demnächst in Erfüllung geht.“ Im Vergleich zu vielen anderen Menschen mit Behinderungen hat Knippelmeyer recht geringe Einschränkungen. Aber Leistungssport, Wanderungen oder ähnliches sind nicht möglich. Der Rollstuhl ist somit das perfekte Sportgerät.

Anruf in Warendorf

Nachdem Osnabrück – dort spielte sie in der 2. Bundesliga – in die Regionalliga abgestiegen war, musste sich Knippelmeyer einen anderen Verein suchen. „So tief kannst du als Nationalspielerin natürlich nicht spielen. Das wusste ich sofort“, sagt sie. Es folgte ein Anruf beim Warendorfer Trainer Marcel Fedde, dessen Team zeitgleich in die 1. Bundesliga aufgestiegen war. „Man kennt sich in der Szene, wir waren uns gleich sympathisch und wir hatten ja schon gegeneinander gespielt.“ Fedde nahm die Nationalspielerin natürlich gerne in Warendorf auf. „Das macht uns auf dem Feld noch flexibler und besser“, sagte er seinerzeit. Und das sollte sich bewahrheiten.

Lena Knippelmeyer

Lena Knippelmeyer passte auch menschlich perfekt ins Warendorfer Team und sorgte mit dem BBC in der ersten Erstliga-Saison bereits für reichlich Furore. „Wir sind richtig zusammengewachsen“, hat Knippelmeyer ihren Wechsel in die Emsstadt nie bereut. Im Gegenteil: „Das war die beste Entscheidung überhaupt. Mit dieser Mannschaft nun in der 1. Bundesliga zu spielen, ist eine sehr reizvolle Aufgabe und einfach toll.“

Bevor aber im Oktober die neue Saison startet, stehen die Paralympics an. In Kürze steht ein Trainingslager mit der Nationalmannschaft auf Lanzarote an. Am 14. August fliegt das Paralympics-Team nach Japan. In Tokio geht es in der Gruppenphase gegen Kanada, Australien, Großbritannien und den Gastgeber.

„Wir wollen uns eine gute Ausgangsposition für das Viertelfinale verschaffen und möglichst ins Halbfinale kommen“, nennt Knippelmeyer das Ziel. Die 31-Jährige sagt: „Und wenn man bei den Paralympics ist, dann hofft man ja auch auf eine Medaille. Das wäre natürlich der Wahnsinn.“

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