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Fußball: WM

Heimische Trainer sind heute auf Ballhöhe

Ahlen

Heute ist es soweit. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft greift in die WM ein. Umstrittene Titelkämpfe. Auch bei den heimischen Trainern. Die teilen zwar die Kritik an der Weltmeisterschaft, werden aber um 14 Uhr vor den TV-Geräten sitzen. Dabei können einige von ihnen keine schlüssige Begründung liefern, warum sie vom Boykott Abstand nehmen.

Von Henning Hoheisel

Im Zwiespalt: Markus Bollmann, Trainer von RW Vellern. Foto: Wegener

Heute ist es soweit, die deutsche Nationalmannschaft steigt in die Fußball-WM ein. Doch angesichts von Boykott-Aufrufen und der heftigen Kritik an der Fifa sowie dem Gastgeberland Katar stellt sich die Frage: Schaut überhaupt jemand hin, wenn das Team von Hansi Flick gegen Japan um die ersten Punkte kämpft?

Markus Bollmann, Ex-Profi und mittlerweile Trainer von A-Ligist RW Vellern, bringt das ganze Dilemma auf den Punkt: „Eine logische Begründung, weshalb ich mir die Spiele trotzdem anschaue, kann ich gar nicht geben.“ So wie ihm geht es allen Trainern, mit denen die Redaktion über die umstrittene WM in Katar gesprochen hat. Alle können die Kritik nachvollziehen, alle verurteilen die Austragung des Turniers im Wüstenstaat, aber dennoch werden spätestens heute alle gebannt vor dem Fernseher sitzen.

Markus Bollmann (RW Vellern)

„Ich werde mir nicht jedes Spiel ansehen, aber die von Deutschland auf jeden Fall“, betont Vellerns Trainer. Er kommt auch gar nicht drumherum, Sohnemann Tom ist ebenfalls fußballverrückt – ein Boykott ist im Hause Bollmann auch deshalb keine Option. „Aber natürlich ist es falsch, dass die WM in solchen Ländern stattfindet“, sagt der Ex-Profi. Dann fügt Bollmann noch nachdenklich hinzu: „Aber dann dürfte man im Grunde auch keine Spiele von Bayern mehr gucken, die werden ja auch von Katar gesponsert.“

Eddy Chart denkt pragmatisch

Eddy Chart, Trainer-Haudegen von Vorwärts Ahlen, betrachtet das Ganze pragmatisch: „Wenn ich es nicht gucken würde, würde sich doch auch nichts ändern. Andere hätten lange vorher etwas verändern können und müssen.“ Nun, so Chart, sei es zu spät, die Spiele haben längst begonnnen. „Jetzt geht es um den Sport“, sagt Chart. Und wer so fußballvernarrt ist wie er, für den ist Wegsehen nahezu unmöglich. „Mein Tipp: 3:1 für Deutschland!“

Martin Hanskötter (SuS Ennigerloh)

„Ich liebe den Fußball“, seufzt Martin Hanskötter, Trainer des Kreisligisten SuS Ennigerloh, „aber die ganzen Diskussionen, so berechtigt sie auch sind, nehmen einem die Freude an dieser WM.“ Bislang hat er noch nicht viele Spiele verfolgen können, doch für das Duell des DFB-Teams gegen Japan am Mittwoch hat er sich Zeit freigeschaufelt. „Ganz abschalten kann ich nicht, aber ich werde das Turnier auf jeden Fall mit kritischem Blick verfolgen“, betont Hanskötter noch.

Den deutschen Auftakt gegen Japan wird Elmar Kirsch berufsbedingt nicht verfolgen können. Im weiteren Turnierverlauf wollte sich der Trainer von Westfalen Liesborn aber schon die eine oder andere Partie der WM ansehen – so lautete jedenfalls sein Plan, bevor zu Beginn der Woche der Streit zwischen Fifa und mehreren Verbänden um die „One Love“-Binde aufflammte.

Gero Stroemer, bei Regionalligist RW Ahlen Geschäftsführer, ist grundsätzlich ein Mann klarer Worte. „Natürlich ist das Ganze ein Trauerspiel“, sagt er. „So wie die Fifa es durchzieht, ist es überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Da werden ja die eigenen Richtlinien und Werte verletzt, das hat schon einen üblen Beigeschmack“, so Stroemer weiter.

Und trotzdem wird auch er heute vor dem Fernseher oder Livestream sitzen und gespannt verfolgen, wie sich die DFB-Elf gegen Japan schlägt: „Ich boykottiere die WM nicht!“ Einen Wunsch hat Gero Stroemer jedoch für die Zukunft: „Man sollte schon schauen, dass sich bei der Fifa etwas verändert.“

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