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Reiten: Noch kein akuter Herpes-Fall im Kreis Warendorf

„Kein Veranstalter könnte derzeit die Verantwortung übernehmen“

Kreis Warendorf

Der Ausbruch einer Herpes-Seuche bei Pferden in Spanien hat auch hierzulande vorsorglich zur Absage aller Turniere geführt. Im Kreis Warendorf ist zum Glück derzeit kein akuter Fall bekannt. Dennoch zeigen die Vereine Verständnis für die neuerlichen Einschränkungen.

Thomas Hartwig

Auch im Amateur- und Freizeitturniersport sind die Pferde heute hoch mobil, was einen Risikofaktor im Hinblick auf die Verbreitung der Seuche darstellen kann. Foto: Thomas Hartwig

Die Nachrichten aus dem spanischen Valencia jagten in den vergangenen Tagen Pferdefreunden im Kreis Warendorf Angst ein. An dem Austragungsort einer mehrwöchigen Turnierserie war eine Herpes-Infektion bei zahlreichen der 750 teilnehmenden Pferde ausgebrochen und hatte dazu geführt, dass etliche Tiere, auch deutscher Teilnehmer, verstarben.

Veterinäramtsleiter: „Hoffe, dass die Situation in den Griff zu bekommen ist“

Der Tierarzt Dr. Andreas Witte, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes des Kreises Warendorf und selbst langjähriger Reiter, kennt sich mit der Thematik bestens aus. Für den Kreis Warendorf sieht er die Situation derzeit unter Kontrolle. „Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass wir Fälle von akuter Herpes haben. In der Vergangenheit hatten wir immer vereinzelte, die vorwiegend zum Ende des Winters und Anfang des Frühjahrs auftraten. Insgesamt hoffe ich, dass durch die Entscheidung der FN die Situation in den Griff zu bekommen ist“, sagt Witte.

Herpes-Seuche ist weder anzeige- noch meldepflichtig

Die Seuche sei weder anzeige- noch meldepflichtig. Dafür fordere der Gesetzgeber das Vorliegen von drei Voraussetzungen. „Die Infektionskrankheit muss hohen volkswirtschaftlichen Schaden hervorrufen, wie das etwa bei Maul- und Klauenseuche oder Schweine- und Geflügelpest der Fall ist, weil hier schon ein einzelner Fall einen Millionenschaden verursachen kann“, so Witte. „Zweitens muss es so sein, dass sich der Einzelne gegen die Seuche nicht schützen kann. Im diesem Fall kann sich der Pferdebesitzer sowohl durch Impfen als auch durch das Fernbleiben von Turnieren schützen. Drittens muss eine Seuche vorliegen, die vom Tier auf den Menschen übertragbar ist, was hier nicht gegeben ist.“

Hohe Mobilität durch Amateur- und Turniersport ist Risikofaktor

Der Reit- und Fahrsport im Kreis musste jedoch mit der Absage aller Turniere einen erneuten Dämpfer hinnehmen. Insgesamt zeigen die Pferdefreunde im Kreis aber viel Verständnis für die Maßnahme der FN. Clemens Brüggemann zum Beispiel, langjähriger Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Milte-Sassenberg, sieht die Situation ganz pragmatisch: „Kein Veranstalter könnte zum augenblicklichen Zeitpunkt die Verantwortung für ein Turnier übernehmen. Gerade die hohe Mobilität der Pferde, die heute schon im Freizeit- und Amateursport gegeben ist, ist ein Risikofaktor bei der Verbreitung der Seuche.“

Reitanlage in Oelde schließt die Pforten

Herbert Figgener, auf dessen Reitanlage in Oelde der Reitverein Geisterholz beheimatet ist, sieht es ganz ähnlich: „Das ist jetzt hart für alle, die gedacht haben, es könnte wieder losgehen mit dem Turniersport. Aber die Sicherheit der Pferde hat Vorrang. Wir haben bei uns auf der Anlage zunächst einmal die Regelung getroffen, dass keine Pferde den Betrieb verlassen und keine neu reinkommen.“

Haddenhorst: „Entscheidung der FN war alternativlos“

Thomas Haddenhorst, 1. Vorsitzender des Kreisreiterverbandes Warendorf, erfuhr von den bundesweiten Turnierabsagen bis Ende März am Dienstagabend. Nicht nur als Apotheker kann er die strikten Maßnahmen der FN nachvollziehen: „Ich fühle mit allen Veranstaltern und Vereinen mit, denen nach der langen, coronabedingten Zwangspause jetzt schon wieder der Boden unter den Füßen weggetreten wird. Aber in Anbetracht der Situation war die Entscheidung der FN wohl alternativlos.“

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