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Handball: Frauen-Verbandsliga

Klassenerhalt und dann Feierabend für Uwe Landau?

Ahlen/Sendenhorst

Über das Aufhören hat er schon öfter nachgedacht. Uwe Landau hat es auch schon versucht. Umgesetzt hat er es nicht wirklich. Der Handball-Szene würde auch ein Trainer aus Leidenschaft fehlen. Aktuell plagen den 62-jährigen Sendenhorster ohnehin andere Sorgen.

Von Uwe Gehrmann

Im Kreise seiner Lieben: Uwe Landau, Trainer aus Passion, will seine Ahlenerinnen noch zum Klassenerhalt führen und dann mit 62 in Sport-Rente gehen. Sagt er. Foto: Toppmöller

Will man das? Will man im letzten Jahr vor dem Ruhestand noch einmal so richtig ranklotzen? Manchmal wird man aber gar nicht erst gefragt. Uwe Landau jedenfalls muss sich seine baldige Handball-Pension noch schwer verdienen.

„Es macht Spaß mit den Mädels. Aber sportlich bin ich sehr unzufrieden“, brummelt der Handball-Tausendsassa, der mit seiner Ahlener SG in der Verbandsliga noch knallharten Abstiegskampf absolvieren muss, ehe er die Beine hochlegen darf.

Klassenerhalt ist für den Coach Pflicht

„Klassenerhalt muss noch sein, Verbandsliga ist das Minimum für so einen Verein wie die ASG“, hat er sich selbst und seinem Team als Vermächtnis ausgegeben. Aber das ist eben noch ein langer, schwerer Weg. Mit nur einem Zähler Vorsprung schweben seine HLZ-Frauen als Elfte über dem Vierer-Abstiegskeller, und die Saison könnte – Corona hin oder her – noch sehr lang werden.

In der Offensive hapert es

Nun weiß Landau auch, wo es hapert, nämlich im Angriff. Aber daran zu arbeiten, ist unter den momentanen Bedingungen kein schönes Entree in die Sport-Rente. „Wir haben die zweitschlechteste Offensive, uns fehlt die Durchschlagskraft“, seufzt der 62-Jährige, der kopfschüttelnd notiert, dass seine Frauen gerade mal eine Treffer-Erfolgsquote von 30 Prozent haben. Unterirdisch im Handball.

Uwe Landau, Trainer der HLZ-Frauen

Und schwer zu korrigieren. „Corona hat uns völlig aus dem Tritt gebracht“, zieht Landau Bilanz nach der letzten, abgebrochenen Aufstiegssaison mit nur zwei Spielen. In der Virus-Pause sind mit Alara Mekic Vici Kensbrock gleich zwei Jugendspielerinnen ausgestiegen, Marei Enger, auch noch A-Jugendliche, kann nur sporadisch helfen, und nur Sina Kendermann ist übrig geblieben, die zwar stark und ambitioniert ist, aber noch ein, zwei Jahre für eine so anspruchsvolle Liga reifen darf.

„Eine begnadete Rückraumspielerin wie Jessica Bruland, die uns sonst auch mal den Weg freigebombt hat, fehlt jetzt eben“, sagt Landau, der nun mit seiner Truppe während der Meisterschaft auf die harte Tour das Handballspielen auf so hohem Niveau lernen muss. Der Klassenerhalt – ein genialer Anreiz, aber auch knüppelharte Arbeit, ehe Schluss sein soll mit Handball.

Uwe Landau bringt Franziska Heinz und Manja Goerl ins Spiel

Ein Lump, wer Böses dabei denkt. „Die Franziska Heinz und Manja Görl, die wären fantastisch für die Ahlener SG“, hat sich Uwe Landau schon umgehört und das hochkarätige Gespann gefunden, dass der Oberligist SC DJK Everswinkel nach sechs Jahren aus dem Vertrag entlässt. Macht der Sendenhorster etwa schon Werbung für seine Nachfolge? Da lacht Landau. „Da wüsst ich meine Damen in besten Händen. Wenn die beiden kämen, könnt ich auch sofort in Frieden gehen.“ Er zögert und winkt dann ab: „Aber die kann der Verein sicher nicht bezahlen.“

Muss er es wohl zu Ende bringen. Und irgendwas muss ja auch richtig Spaß machen. Schon als Nachfolger von Dogan Aydogdu wollte Landau vielleicht vier Wochen als Interim einspringen. „Und jetzt bin ich immer noch da“, grinst er nach Landesliga und Aufstieg mit einer Truppe, die er vorrangig mitgeformt hatte. Sogar verlängert hat Landau noch in Februar, und mit ihm das Topteam mit Co-Trainer Christian Hauser, Athletiktrainer Werner Salewsky und Torwarttrainer André Deppe.

Uwe Landau denkt noch nicht wirklich an die Trainer-Rente

Dass es trotz der hervorragenden Rundum-Betreuung noch so eng wird, damit hatte Landau nicht gerechnet. „Jetzt müssen wir vom hohen Euphorie-Level runterkommen“, erwartet Landau nochmal Kampf, Kratzen, Beißen und Spucken bis zum Ende. „Aber wir werden das zu 100 Prozent durchziehen, wenn Corona uns lässt. Ich mach das auch wegen der Mädchen, die wirklich eine tolle Truppe sind“, lässt der Vollbluttrainer niemanden in Stich. Landau, seit über 30 Jahren bei so vielen Vereinen im Kreis im Geschäft, macht erst Schluss, wenn die Arbeit getan ist. Dann, ja dann aber wirklich, nicht wahr! „Na ja“, sagt er. „Ich bin ja noch fit. Sag niemals nie.“ Der alte Fuchs.

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