Reiten: Berufsausbildung am Bundesstützpunkt

Laufen, um besser zu reiten: So wird man Pferdewirt beim DOKR

Kreis Warendorf

Sieben junge Frauen absolvieren aktuell die Ausbildung zum Pferdewirt am Bundesstützpunkt Reiten des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf. Das Pferd spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle. Noch viel wichtiger aber ist ein ganz anderer Aspekt.

Thomas Hartwig

Immer hinter dem Chef her: Der Leiter des Bundesstützpunkts Reiten, Markus Scharmann, bat seine beiden Auszubildenden Maria Elisabeth Schulte Spechte und Rebecca Wehrheid zum Lauftraining über teils morastige Waldwege, die sonst eher von den Pferden benutzt werden. Foto: Hartwig

Seit mehr als 5000 Jahren werden Pferde von Menschen als Zug- und Reittiere genutzt und haben dabei die Entwicklung der Zivilisation entscheidend geprägt. Die Pferde gaben den Menschen eine ungeahnte Mobilität. Weltreiche wurden im Sattel erobert, und bis dahin unüberbrückbare Distanzen wurden auf dem Rücken der Pferde zu erreichbaren Zielen. Nun laufen die Reiter, um besser zu reiten. So jedenfalls die Auszubildenden zum Pferdewirt am Bundesstützpunkt Reiten des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf.

Beruf hat es in sich

Es ist kurz nach 14 Uhr an einem unangenehm nasskalten Dezembertag, an dem man lieber in der warmen Stube sitzen würde, als sich unter freiem Himmel zu bewegen. Dennoch macht sich Markus Scharmann, Leiter des Bundesstützpunkts, mit zwei Auszubildenden auf den Weg, um in der nächsten halben Stunde rund 5500 Meter im Dauerlauf zurückzulegen. Der Grund: Das wöchentliche Lauftraining sowie gymnastische Übungen gehören jetzt zum Ausbildungsprogramm der sieben Lehrlinge.

Der Beruf hat es in sich. Ein oder zwei Pferde am Tag zu reiten, ist durchaus gesundheitsförderlich und hält fit. Doch jeden Tag eine Vielzahl von Pferden zu versorgen, bei Wind und Wetter stundenlang in der Reitbahn zu stehen und Unterricht zu erteilen, erfordert eine sehr gute körperliche wie mentale Fitness. Dies gilt vor allem dann, wenn der Beruf über Jahrzehnte ohne gesundheitliche Probleme ausgeübt werden soll. So mancher Berufsreiter kann in späteren Jahren seinen Job aufgrund körperlicher und gesundheitlicher Probleme nicht bis zum Erreichen der Rentenansprüche ausüben.

Körperkoordination ist entscheidend

Mit Unterstützung des Olympia-Stützpunktes in der Sportschule der Bundeswehr wurde jetzt ein Maßnahmenpaket entwickelt, das den jungen Lehrlingen zeigen soll, wie sie ihren Körper über Jahrzehnte fit und gesundhalten, wie sie den körperlichen Anstrengungen standhalten können.

Neben einer sportmedizinischen Untersuchung und dem Ausgleichssport unterziehen sich die Azubis alle drei Monate einer leistungs-physiologischen Untersuchung. Doch die Maßnahmen dienen nicht nur der Förderung der eigenen Fitness und Gesundheit. Denn die Kondition eines Reiters hat auch starken Einfluss auf die Qualität seines Reitens. Konditions- und Konzentrationsschwächen wirken sich negativ auf die Fähigkeit der Körperkoordination aus. Und genau das sind zwei ganz wichtige Eigenschaften um gut, tiergerecht und sicher zu reiten.

Wie sämtliche Bundesstützpunkte unterliegt auch der Bundesstützpunkt Reiten am DOKR in Warendorf Sonderregelungen in Sachen Corona-Schutzmaßnahmen. „Ein Spitzensporttraining, aber auch eine reguläre Berufsausbildung wären sonst für die insgesamt sieben Auszubildenden nicht möglich“, erklärt Scharmann.

Die Berufsausbildung zum Pferdewirt ist durchaus anspruchsvoll.

Der Wecker klingelt früh

Bereits um 6.30 Uhr geht es für die Lehrlinge los mit der Versorgung der Pferde. Ab 8.30 Uhr beginnt dann das Reiten unter Aufsicht des Ausbilders. Auch die Unterrichtserteilung selbst, die später im Beruf ein wesentlicher Bestandteil der Tätigkeit sein wird, will gelernt sein. Deshalb werden die Auszubildenden auch regelmäßig darin geschult.

Video-Analysen helfen den Lehrlingen, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Selbst Ernährungsberatung zur Erhaltung der körperlichen Fitness gehören heute zu einer umfassenden Berufsausbildung. Einmal in der Woche besuchen die Azubis die Berufsschule in Münster. Je nach Vorqualifikation geht es dann nach zwei bis drei Lehrjahren zur Prüfung zum Pferdewirt, der nach mehreren Jahren Berufserfahrung die Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister folgen kann. Die Azubis legen bis zur Vollendung ihrer Berufsausbildung also einen durchaus langen Weg hin, aber einen, der sich lohnt.

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