Wassersport: Warendorfer SU verzeichnet Mitgliederschwund wegen Corona

Niemand lernt mehr schwimmen

Warendorf

Das Vereinsleben liegt brach. Da bilden die Schwimmer der Warendorfer Sportunion keine Ausnahme. Der gesellschaftlich wohl wichtigsten Aufgabe der Abteilung kann diese pandemiebedingt nicht nachgehen: jungen Kindern den Umgang mit dem kühlen Nass beizubringen. Das hat auch auch Folgen bei der Mitgliederzahl.

Christian Havelt

Schwimmunterricht findet während der Corona-Pandemie so gut wie gar nicht statt. Das ist der Hauptgrund für den Mitgliederrückgang bei den NRW-Vereinen, der auch bei der Warendorfer SU verzeichnet wird. Foto: dpa/Georg Wendt

Das Vereinsleben liegt brach. Da bilden die Schwimmer der Warendorfer Sportunion keine Ausnahme. Der gesellschaftlich wohl wichtigsten Aufgabe der Abteilung kann diese pandemiebedingt nicht nachgehen: jungen Kindern den Umgang mit dem kühlen Nass beizubringen.

„Die Schwimmschüler sind oft zu uns gekommen und es gab lange Wartelisten“, sagt Peter Strüwing, 1. Vorsitzender der WSU-Schwimmer, über die Zeit vor Corona. „Diese Listen sind jetzt logischerweise völlig leer.“

Weniger Schwimmschüler bedeuten weniger Nachwuchs für die Abteilung

Das hat Auswirkungen: Die WSU verlor vom Beginn der Corona-Pandemie bis zum 1. April dieses Jahres 70 Mitglieder: Das entspricht 8,4 Prozent. Denn vorher waren es 831, aktuell sind es 761 Personen. Damit liegen die Emsstädter exakt im Landesdurchschnitt, auch wenn sich die Gründe zum Teil unterscheiden.

Wie überall fehlen auch der WSU vor allem die Schwimmschüler, die immer für Nachwuchs in der Abteilung gesorgt haben. Von ihnen haben auch die erfolgreichen Wettkampfmannschaften profitiert. Vor der Pandemie konnte das Interesse nur mit Wartelisten abgearbeitet werden, „da wir nicht genügend Wasserzeiten in den Bädern hatten“, sagt der Vorsitzende. „Seit eineinhalb Jahren lernt aber keiner mehr Schwimmen.“ Die WSU hat damit ein Nachwuchsproblem.

Sportschule geschlossen: Ausfall des Haupt-Trainingsorts

„Aber auch unsere Mitglieder sind arg gebeutelt, da ja die Sportschule komplett ihr Bad geschlossen hat“, so Strüwing weiter. Damit falle die Haupt-Trainingseinrichtung weg, was auch nicht durch das Freibad oder das Hallenbad aufzufangen gewesen wäre. Was eigentlich ein Glücksfall für die WSU ist – nämlich die Nutzung der Sportschule der Bundeswehr – ist so zumindest zu einem kleinen Nachteil geworden.

Senioren melden sich kurzfristig an und ab

Die fehlenden Schwimmschüler sind zudem nicht der einzige Grund für den Mitgliederrückgang. „Mitte des Jahres verlieren wir immer einen Teil, da die Sportschule dann geschlossen hat“, sagt Strüwing. Die Kurse für ältere Menschen fallen dann weg und die Senioren treten kurzfristig aus dem Verein aus. „Aber die kommen dann, wenn es im Herbst weitergeht, alle wieder“, hat sich Strüwing an das Auf und Ab schon gewöhnt. „Jetzt haben wir das Corona-Problem und es ist natürlich niemand wiedergekommen, da es ja kein Angebot gibt.“

Immerhin: Für die Zeit nach der Pandemie ist Strüwing hoffnungsfroh. „Ich denke, wir können die Mitglieder zurückgewinnen. Und von den Wettkampfschwimmern ist ohnehin niemand ausgetreten. Die sind alle sehr vereinstreu.“

NRW-weit fehlen vor allem die Kinder bis zehn Jahre

Der Schwimmverband NRW verzeichnet 18 502 Mitglieder weniger. Das bedeutet einen Rückgang von 8,36 Prozent. „Zwar liegen wir damit unter den befürchteten zehn Prozent. Die Zahlen nun schwarz auf weiß zu sehen, ist aber dann doch ernüchternd,“ sagt Verbandspräsidentin Claudia Heckmann. Der Großteil sei auf Kinder bis zehn Jahre zurückzuführen. 12 918 weniger schwammen 2020 beziehungsweise schwammen eben nicht. „Viele dieser Kinder haben diese Grundfertigkeit nicht mal erlernen können“, sagt Heckmann.

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