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Handball: 3. Liga Nord-West

Raumplaner sucht neues Betätigungsfeld: Philipp Lemke verlässt die Ahlener SG

Ahlen

Seit 2013 war Philipp Lemke eine feste Größe im Rückraum der Ahlener SG. Im Sommer verlässt der 30-Jährige den Verein. Im Rückblick verrät er, was das Team in all den Jahren so stark gemacht hat – und weshalb man auch als Kühlschrankwart große Verantwortung hat.

Cedric Gebhardt

Die ausgestreckte Zunge ist sein Markenzeichen: Künftig wird sie Philipp Lemke den Fans in der Friedrich-Ebert-Halle nicht mehr präsentieren. Der 30-Jährige möchte nur noch in der Ober- oder Verbandsliga spielen, weniger Aufwand betreiben. Foto: René Penno

Im Fall von Philipp Lemke geht Privates und Berufliches eine erstaunliche Symbiose ein. Lemke ist von Beruf studierter Raumplaner und bei NRW.URBAN angestellt. Das Unternehmen, das eng mit dem Land verquickt ist, hilft Kommunen bei der Stadtentwicklung.

So hat sich NRW.URBAN unter anderem auch um die Brachflächenentwicklung auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Westfalen in Ahlen gekümmert. Privat und damit in erster Linie sportlich hat sich Philipp Lemke acht Jahre lang bei der Ahlener SG ebenfalls um Entwicklung und Erschließung gekümmert – insbesondere der des Rückraums.

Hochzeit im Sommer

Damit aber ist ab Sommer Schluss. Der 30-Jährige möchte künftig kürzertreten, verschiebt den Fokus. Mitte Juni werden er und seine Freundin Ludmila heiraten. „Mein Plan war ohnehin noch bis maximal zum Sommer 2022 mit dem Aufwand in der 3. Liga zu spielen. Durch die momentane Corona-Situation und den Umbruch bei der Ahlener SG ist nun aber für mich der richtige Zeitpunkt gekommen“, sagt Lemke.

Künftig möchte er „nur“ noch in der Ober- oder Verbandsliga im Ruhrgebiet spielen. „Natürlich wäre es schöner, mich mit einem vernünftigen Handball-Jahr aus Ahlen zu verabschieden. Dass es jetzt so kommt, ist natürlich schade und wird dem Ganzen auch nicht gerecht“, bedauert Lemke.

Zumal das bei der ASG für ihn etwas Einmaliges war. „Die Jahre in Ahlen waren etwas ganz Besonderes. Wir als Mannschaft haben uns immer super verstanden. Das war es, was die ASG ausgemacht hat“, betont Lemke. Es sei ein Glück gewesen, dass die einzelnen Charaktere so gut zusammengepasst hätten.

Ein eingeschworener Kern sei zudem immer zusammen aus Dortmund angereist. Gemeinsam mit Kai Bekston, Mattes Rogowski, Ferdi Hümmecke und dem in Witten aufgelesenen Andreas Tesch machte sich die Fahrgemeinschaft bis 2019 jahrelang drei- bis viermal wöchentlich auf den Weg zur Friedrich-Ebert-Halle. „Dadurch haben wir viel Zeit miteinander verbracht und wir hatten eine starke Verbundenheit“, sagt Lemke. Einen großen Anteil an der Wohlfühlatmosphäre habe auch Trainer Sascha Bertow gehabt. „Er hat den Haufen zusammengehalten. Er hat uns viele Freiheiten gelassen und verbunden mit dem sportlichen Erfolg auch immer für gute Laune im Team gesorgt“, so Lemke.

Aufstieg 2016 das Highlight

Als Höhepunkte nennt er das Herzschlag-Finale im April 2016 beim VfL Gladbeck, als sich die Ahlener SG dank eines 32:27-Siegs für eine beeindruckende Saison mit dem Aufstieg in die 3. Liga belohnte. Und den Klassenerhalt ein Jahr später im Mai 2017 dank eines 28:21-Kantersiegs beim Topfavoriten HSG Krefeld am letzten Spieltag. Dass seine Laufbahn in Ahlen nun so endet, wurmt den gebürtigen Dortmunder.

„In der vergangenen Saison ist viel zusammengekommen. Wir waren wirklich schlecht. Umso mehr hatten wir uns versprochen, dass wir in dieser Saison vor allem eines haben werden: Spaß. Und mit dem Spaß sollte der Erfolg zurückkehren.“ Doch daraus wird nichts mehr. Die Saison ist bekanntlich abgebrochen worden. An einer Qualirunde für den DHB-Pokal nimmt die ASG nicht teil. Somit wird sich Philipp Lemke wohl oder übel leise durch die Hintertür verabschieden müssen.

Kühlschrankwart aus Eigeninteresse

Neben einer Lücke im Rückraum hinterlässt er auch ein Amt, das neu besetzt werden muss. Denn Lemke war sieben Jahre lang Kühlschrankwart des Teams. Einen Posten, den er nach einem Jahr von Michael Herrmann übernahm und mit höchster Gewissenhaftigkeit ausübte. „Das habe ich schon aus Eigeninteresse getan, denn ich trinke selbst gerne mal ein Bier nach dem Training“, bekennt Lemke. So nahm er auf vielfachen Wunsch aus dem Kollegenkreis rasch auch alkoholfreies Weizen mit in die Bestandsplanung auf. Cola hingegen stand nie sonderlich hoch im Kurs.

„Ich glaube, Sascha Bertow war seit zwei Jahren der Einzige, der sie getrunken hat. Ich muss mal nachsehen, ob die mittlerweile abgelaufen ist“, flachst Lemke.

Mittlerweile hat Philipp Lemke ein letztes Mal bei der Ahlener SG trainiert. Danach hat er das Leergut zusammengeräumt. Ein bisschen dürfte ihn dabei ein Gefühl beschlichen haben wie „Flasche leer“. Das Glas aber war – um im Bild zu bleiben – rückblickend wohl doch eher randvoll mit manch spektakulärem Handballspiel, tollen Erlebnissen, vielen guten Freunden und erschlossenen (T)Räumen.

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