Fußball: Regionalliga West

RW Ahlen bleibt mit Sieg gegen Rödinghausen im Rennen

Ahlen

Der Bann ist gebrochen. Rot-Weiß Ahlen hat nach sechs Spielen wieder einen Sieg eingefahren. Das 2:1 gegen Rödinghausen war so eine Art Lebensversicherung. Sonst wäre der Abstieg wohl nicht mehr zu verhindern gewesen, wie ein Blick auf die Nachbarplätze verriet. Denn der förderte durchaus Überraschendes zutage.

Henning Tillmann

Jubelte am Anfang und auch am Ende: Sebastian Mai besorgte gegen Rödinghausen das frühe 1:0 und war zudem am Siegtor zum 2:1 maßgeblich beteiligt. Die drei Punkte waren für die abstiegsbedrohten Ahlener immens wichtig, denn auch die Konkurrenz punktete. Foto: Marc Kreisel

Zuallererst den 2:0-Heimerfolg des SV Lippstadt gegen die Schalker U23. Gegen die Mannschaft also, die Rot-Weiß Ahlen vor Wochenfrist mit 6:1 ein mittelschweres Erdbeben bescherte. Und auch aus Bonn kamen keine gute Nachrichten. Nach 0:1-Rückstand drehte der SC die Partie noch zu einem 2:1-Erfolg. Nichts war es also mit einer Aufholjagd der Mannschaft von Andreas Zimmermann.

SV Bergisch Gladbach nun der Hauptkonkurrent

Der Freude über den eigenen 2:1 (1:0)-Erfolg über den SV Rödinghausen tat das aber erstmal keinen Abbruch. Wen wundert‘s? Bei einer neuerlichen Niederlage wären die Rot-Weißen wohl so gut wie weg vom Fenster gewesen. Stattdessen wartet schon kommende Woche beim neuen Tabellenvorletzten SV Bergisch Gladbach die nächste Chance, den Sprung vom Abstiegsplatz zu schaffen.

Mai an beiden Ahlener Treffern entscheidend beteiligt

„Es liegt an uns. Ohne die Punkte sähe es jetzt schlechter aus“, durfte der anderthalbfache Torschütze Sebastian Mai deshalb nach Schlusspfiff im Brustton der Überzeugung verkünden. Mai war an beiden Ahlener Treffern entscheidend beteiligt gewesen: Erst hatte er bereits in der 4. Minute erfolgreich einen Pfostenabpraller von Jan Holldack zum 1:0 abgestaubt. Später dann stand er wieder goldrichtig, als Timon Schmitz eine etwas verunglückte Bogenlampe in seine Richtung schlug.

Mai nahm den Ball noch an, konnte aber nicht mehr verwerten. Das übernahm Rödinghausen Angelo Langer, dessen Abwehrversuch im eigenen Tor landete (67.). Es war das 2:1 und gleichzeitig der Endstand. Dazwischen hatte eben dieser Langer auch schon den Ausgleich zum 1:1 besorgt. In der 57. Minute hatte ihn eine Flanke von Ba-Muaka Simakala quer über den Ahlener Strafraum erreicht, die er locker verwertete.

Rafael Hester hält RWA mit zwei Glanztaten in Führung

Das war zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient, weil die Gäste nach und nach immer besser ins Spiel gekommen waren. Schon in Hälfte eins hatte der als Ersatzmann für Bernd Schipmann nach Monaten erstmals wieder ins Tor gerückte Rafael Hester die knappe Ahlener Führung mit zwei Großtaten verteidigt. Erst fischte er einen Kopfball aus fünf Metern von Enzo Wirtz noch raus (22.), dann machte er sich bei einem Fernschuss von Yassin Ibrahim (38.) ganz lang und blieb erneut Sieger.

„Wenn man solche Aktionen hat, gibt einem das natürlich Sicherheit. Das hat mich gepusht“, gab Hester zu, der in der gesamten Partie nicht einmal zu wackeln schien und sich hernach ein Sonderlob von Trainer Andreas Zimmermann verdiente.

Zimmermann lobt Charakter der Mannschaft

„Er war ein großer Rückhalt“, lobte Zimmermann, vergaß aber nicht, das komplette Team für seinen Auftritt nur eine Woche nach dem 1:6 auf Schalke zu loben. „Die Mannschaft hat eine klasse Reaktion gezeigt, genau richtig. Das zeigt doch ihren Charakter. Auch wenn sie mal sch... spielt, ist sie am nächsten Wochenende wieder dran“, so Zimmermann. „Wir sind heute belohnt worden für viel Arbeit.“

Beide Teams verwerten zu wenige ihrer Chancen

Viel harte Arbeit war es tatsächlich. Die Ahlener hatten unter anderem durch Gianluca Marzullo (43.) und Timon Schmitz (45.+4) sehr gute Möglichkeiten auf den frühen zweiten Treffer gehabt, die Chancen aber mal wieder ausgelassen. Zum Glück für die Ahlener galt das auch für Rödinghausen. Der SVR hätte mit mehr Kaltschnäuzigkeit die Partie durchaus sogar gewinnen können. Tat er – anders als beim 2:0 im Hinspiel – aber nicht.

Sieg hält den Abstiegskampf offen

Und für die Ahlener könnte das am Ende Gold wert sein, weil nun gegen Bergisch Gladbach und womöglich auch danach noch alles drin ist in Sachen Klassenerhalt. Rot-Weiß muss das nun nutzen, am besten mit kühlem Kopf wie Rafael Hester. Der gab, unmittelbar nachdem er von den Ergebnissen der Konkurrenz erfahren hatte, Folgendes zu Protokoll: „Ich bin kein Fan von Tabellenrechnerei. Wir müssen unsere Punkte holen, sodass wir uns am Ende nichts vorzuwerfen haben.“ So cool muss man in einem heißen Abstiegskampf erstmal sein.

Kommentar: Besser als ein Letzter

Chapeau! Wirklich jedes Mal, wenn zu befürchten ist, dass der jüngste Fehltritt der eine zu viel war, zieht sich Rot-Weiß Ahlen selbst wieder aus dem Sumpf. Der 2:1-Erfolg gegen Rödinghausen nur eine Woche nach dem 1:6-Desaster auf Schalke ist da keine Ausnahme, sondern eher die Regel.Seit Wochen ist der Abstiegskampf für die Zimmermann-Elf ein Tanz auf der Rasierklinge. Mental scheint sie das sehr gut wegzustecken. Von Angsthasenfußball jedenfalls keine Spur. Die Mannschaft igelt sich nicht hinten ein und hofft nicht auf ein Glückstor. Stattdessen versucht sie, Fußball zu spielen. Das gelingt ihr mal sehr gut, mal gar nicht und mit allen Nuancen dazwischen. Langweilig wird es jedenfalls nie.Insgesamt haben die Ahlener derzeit sogar mehr Spiele nicht verloren (19) als verloren (18). Das ist eigentlich nicht die Statistik eines Tabellenletzten. Unter Zimmermann hat RWA zudem noch nie zwei Partien in Folge in den Sand gesetzt. Sie hat aber auch erst ein Mal zwei Spiele am Stück gewonnen. Im womöglich vorentscheidenden Duell mit Bergisch Gladbach wäre es Zeit, auch diese Statistik aufzubessern.

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