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Fußball: RW Ahlens Neuzugang Robin Brüseke im Interview

„Verrückt muss man sein“

Ahlen

14 Jahre lang hat Robin Brüseke beim SC Verl, zuletzt in der 3. Liga, gespielt. Die Hälfte seines Lebens. „Ich habe es immer als Privileg gesehen, dort Fußball zu spielen, wo man herkommt“, sagt er. Dementsprechend viel Erfahrung bringt der 28-jährige Torwart mit zu RW Ahlen.

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Naturbursche: Robin Brüseke hütet künftig den Kasten der Rot-Weißen. Foto: Henning Wegener

14 Jahre lang hat Robin Brüseke beim SC Verl, zuletzt in der 3. Liga, gespielt. Die Hälfte seines Lebens. Dementsprechend viel Erfahrung bringt der 28-jährige Torwart mit zu RW Ahlen. Die Erwartungen sind groß. Aber den größten Druck macht er sich selbst. Simone Zettier sprach mit ihm.

Der Wechsel nach Ahlen ist Ihnen sicher nicht leicht gefallen, oder?

Robin Brüseke: Das war sehr neu für mich. Mein letzter Vereinswechsel war im Jugendbereich in der U 16. Es ist mir nicht leicht gefallen, mein gewohntes Umfeld zu verlassen als Verler Urgestein. Ich habe es immer als Privileg gesehen, dort Fußball zu spielen, wo man herkommt – die letzten beiden Jahre dann auch als Profi. Das kommt im Fußballgeschäft nicht oft vor.

Neben dem Fußball studieren Sie in Bielefeld Deutsch und Sport auf Lehramt. Wie hat das die vergangenen Jahre geklappt?

Brüseke: Ganz gut. Mit dem Aufstieg und auch schon im Aufstiegsjahr wurde es aber schwieriger. In Ahlen ist es jetzt möglich, mich nebenbei noch aufs Studium zu konzentrieren. Dort trainieren wir wieder abends.

War es von Anfang an klar, dass Sie neben dem Fußball noch ein zweites Standbein haben wollten?

Brüseke: Nach meinem Abitur habe ich nicht gewusst, was ich machen wollte. Ich habe dann drei Praktika in Wirtschaftsunternehmen gemacht. Das war mir zu eintönig und gar nicht meins. Zu der Zeit habe ich im Nebenjob an einer Ganztags-Schule gearbeitet. Dann habe ich angefangen, Germanistik und Sportwissenschaften zu studieren. Mir war von Anfang an klar, dass nur auf die Karte Fußball zu setzen, nicht das Richtige ist, wenn man sich anschaut, welcher A-Jugendlicher es am Ende wirklich im Profifußball schafft. Derzeit schaue ich mich wieder nach einem Nebenjob um, da ich ja mit der Uni auch fast durch bin. Damals habe ich unter anderem auch mit Flüchtlingskindern zusammengearbeitet. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht – und das könnte ich mir auch jetzt wieder gut vorstellen.

Was haben Sie noch für Ziele im Fußball?

Brüseke: Ich habe mit dem Kapitel Fußball nicht abgeschlossen, weil ich aus der 3. Liga in die Regionalliga gewechselt bin. Ich bin – abgesehen von leichten Rückenproblemen – von schweren Verletzungen verschont geblieben. Mir macht der Fußball noch Spaß und ich bin ehrgeizig genug, so lange weiterzumachen, wie die Knochen mitmachen. Ich bin noch nicht bereit, mein Karriereende einzuläuten.

Früher hatten Sie unter anderem Iker Casillas als Vorbild. Orientieren Sie sich heute noch an anderen Torwarten?

Brüseke: Es gibt so viel Torwarte, die in den vergangenen Jahren auf einem Niveau angekommen sind, das beeindruckend ist. Früher wurde mir gesagt, dass ich fürs Tor zu klein bin. Mittlerweile bin ich 1,85 Meter, aber damals in der U 16 in Paderborn wurde ich nach Verl ausgeliehen, weil ich nur 1,65 Meter war. Daher habe ich mir immer Torwarte als Vorbild genommen, die auch nicht zu den Größten zählten, so wie ein Marc-André ter Stegen oder ein Yann Sommer oder Stefan Ortega.

Wollten Sie immer schon Torwart werden?

Brüseke: Ein bisschen verrückt muss man dafür ja sein. Ich bezeichne mich immer als einen der normalsten Torwarte. Trotzdem muss man auf jeden Fall verrückt sein. Denn man schmeißt sich einem Ball entgegen, der gut und gerne eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern haben kann. In der F-Jugend bei meinem ersten Verein habe ich im Feld gespielt. Wir haben in einem Spiel sehr hoch hinten gelegen und der Torwart kam nach der ersten Halbzeit mit Tränen in die Kabine und wollte nicht mehr weiterspielen. Dann bin ich ins Tor gegangen. Das war der Startschuss, weil es direkt gut funktioniert hat. Ich hatte keine Angst vorm Ball und im nächsten Spiel musste ich dann direkt wieder ins Tor.

Wie entspannen Sie sich am besten?

Brüseke: Ich gehe gerne angeln, auch zusammen mit anderen Fußballer-Freunden. Dann trifft man sich am See und verbringt eine gute Zeit. In Ahlen habe ich bisher noch keinen Gleichgesinnten getroffen, aber mich auch diesbezüglich noch nicht umgehört. Generell bin ich sehr naturverbunden, ich wohne ja auch sehr ländlich und gehe gerne mit meinem Labrador eine Runde im Wald spazieren.

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