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Frauen-Europameisterschaft in England

Marianne Finke-Holtz: „Aktuellen Schwung mitnehmen“

Kreis Steinfurt

Selten war das Interesse für den Frauen-Fußball so groß wie jetzt bei der Europameisterschaft in England. Das findet auch die Steinfurterin Marianne Finke-Holtz, die unter anderem beim DFB Mitglied des Ausschusses für Mädchen- und Frauenfußball ist. Damit das so bleibt, rät sie dazu, den Schwung mitzunehmen und die Hausaufgaben zu machen.

Von und

Fußball-Deutschland stand während de EM noch nie so vereint hinter der Frauen-Nationalmannschaft. Das spricht auch für die Foto: IMAGO/Manjit Narotra

Dreieinhalb Wochen begeisterte die Nationalmannschaft der Frauen im Rahmen der Europameisterschaft in England Fußball-Deutschland. Mit dem Finaleinzug hat sich die Elf von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg in das Rampenlicht gerückt. Was könnten diese Auftritte für den deutschen Frauenfußball bringen? Das wollte WN-Sportredakteur Marc Brenzel von Marianne Finke-Holtz wissen. Die Steinfurterin ist Vizepräsidentin des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes (FLVW) sowie Mitglied des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und zudem Spielleiterin der 2. Bundesliga.

Frau Finke-Holtz, wo und wie haben Sie das EM-Finale in Wembley verfolgt?

Marianne Finke-Holtz: Zuhause mit Kind und Kegel. Im Trikot – wie sich das gehört. Und mit dem dazugehörigen Jubel und der Enttäuschung.

Muss in ein, zwei Monaten denn noch jemand enttäuscht sein? Die DFB-Elf hat doch eine super Leistung gebracht und den Frauen-Fußball in einen erstklassigen Licht präsentiert.

Finke-Holtz: Wer in einem Finale steht, der ist natürlich enttäuscht, wenn das nicht gewonnen wird. Am Sonntag haben Nuancen entschieden, es fehlte auch das Quäntchen Glück. Es war ein tolles Endspiel, und ja: die National-Elf hat sich wirklich klasse verkauft.

Mein Eindruck war, dass sich die Öffentlichkeit viel mehr für dieses Turnier interessiert hat als sonst. Auch viele Männer waren voll im Thema. Woran kann das gelegen haben?

Finke-Holtz: Das hängt mit Sicherheit mit den Sozialen Medien zusammen, in denen viel über die EM berichtet wurde. Zudem hat sich der Frauenfußball ex­trem weiter entwickelt. Das ist längst nicht mehr der Sport wie vor zehn oder 20 Jahren. Die Qualität der Spiele ist viel besser geworden.

Bei der EM waren im Durchschnitt mit 18 544 Zuschauern so viele Fans wie noch nie in den Stadien. Das Eröffnungsspiel sahen 69 000 Zuschauer, das Finale fand vor einer Kulisse von über 87 000 statt. Sollte der DFB den Zuschlag für die WM 2027 bekommen – wären solche Zahlen auch bei uns vorstellbar?

Finke-Holtz: Ja, ich denke schon. Aus westfälischer Sicht haben sich übrigens Dortmund und Schalke für die Austragung von Spielen beworben.

Die Zahl der Mädchenmannschaften hat sich im DFB-Bereich in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte reduziert. Kann die EM dazu beitragen, dass sich der Trend wieder verändert?

Finke-Holtz: Diesen aktuellen Schwung gilt es mitzunehmen, wir müssen aber unsere Hausaufgaben machen. Wichtig ist, die Mädchen im frühen Alter abzuholen. Zum Beispiel in der Altersklasse U 6. Bekommen sie die Möglichkeit, regelmäßig spielen zu können – sei es bei den Jungen- oder den Mädchenmannschaften – bleiben sie auch dabei und können sich dementsprechend entwickeln.

Wie ist die Situation bei uns in der Region?

Finke-Holtz: Das nördliche Münsterland ist sehr gut aufgestellt. Die Zahlen im Frauen-Fußball sind stabil, und im Nachwuchs gibt viele Neuanmeldungen. Das hat auch damit zu tun, dass in den Kreisen Ahaus-Coesfeld, Steinfurt, Münster oder Tecklenburg eine Menge gemacht wird. Da werden Spielgemeinschaften gebildet, in denen die Vereine miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

Sieht das in anderen Gebieten Westfalens anders aus?

Finke-Holtz: Ja, leider. Ich habe mich letztens noch mit einem Vertreter aus Dortmund unterhalten. Dort gibt es genügend Mädchen, aber nicht so viele Vereine mit entsprechenden Angeboten.

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