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Fußball: Sportjustiz

Die Wahrheit rauskitzeln – Sabine Bäumker ist seit zehn Jahren Einzelrichterin

Herbern

Im Fußball kennt sich Sabine Bäumker (SV Herbern) eh aus. Und was die 51-Jährige über Paragrafen wissen muss, findet sie in der Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV).

Mit Paragrafen hatte Sabine Bäumker, Einzelrichterin im Kreis Münster, bis 2011 eher wenig am Hut. Ein gesundes Rechtsempfinden? „Mag sein.“ Aber ein Faible für sportjuristische Kniffe? „Nee“, lacht die 51-Jährige. Das sei aber auch gar nicht zwingend erforderlich, „dafür gibt’s ja die RuVo“. In der Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) sei so ziemlich alles geregelt, was für die Ausübung ihres Ehrenamtes von Belang ist. Und komme sie doch mal nicht weiter, „frage ich halt einen erfahreneren Kollegen“.

Ludger Rüschenschmidt zum Beispiel (siehe oben). Der Ascheberger war es auch, der die Herbernerin dazu gedrängt habe, den vakanten Posten im Kreis vor rund zehn Jahren zu übernehmen. Überhaupt, meint der Vorsitzende des Bezirkssportgerichts (BSG), sollten die Kammern weiblicher werden: „Der Fußball bildet die Gesellschaft ab, das gilt auch in unserem Metier.“ Zumal Frauen „oft einen anderen Blick auf die Fälle“ hätten, eine „ausgleichende Art – was bei uns Männern ja leider nicht immer der Fall ist“. Insofern sei Bäumker wie geschaffen für diesen Job.

Auch ihre jahrzehntelange Vereinstätigkeit – erst bei Davaria Davensberg, inzwischen beim SV Herbern – sei bisweilen hilfreich, um ein gerechtes Urteil zu fällen: „Man weiß einfach, wie Fußballer ticken.“ Dass es, um Zeit und Aufwand zu sparen, inzwischen deutlich häufiger schriftliche Verhandlungen als mündliche gibt, findet Bäumker „ein bisschen schade“. Stehe ihr ein mutmaßlicher Übeltäter Auge in Auge gegenüber, sei es meist leichter, aus demjenigen „die Wahrheit rauszukitzeln“. Nachzuhaken, wenn es der Beschuldigte mit der Wahrheit womöglich nicht ganz so genau nimmt oder sich plötzlich lammfromm gibt.

Ob sie aufgrund eines Schuldspruchs schonmal angefeindet wurde? „Tatsächlich bin ich während einer Verhandlung mal bedroht worden. Da mussten wir die Polizei rufen.“ Ansonsten komme sie ganz gut mit allen Seiten klar – „auch wenn es auf den Sportplätzen, zumindest empfinde ich das so, aggressiver zugeht als früher“.

Anfeindungen, weil sie eine Einzelkämpferin unter lauter Männern ist, erfährt Bäumker indes keine. Anders als eine Linienrichterin aus ihrem Kreis, die unlängst – der Vorgang schlug hohe Wellen – von einem Trainer aufs Übelste beleidigt wurde. Frauen, so die Kurzform, hätten im Fußball nichts verloren. „Da platzt mir der Kragen“, schimpft Bäumker. „Dass wir diese Diskussion im 21. Jahrhundert überhaupt noch führen müssen: unfassbar.“

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