Fußball: Saisonabbruch

Ein Sieg der Vernunft – Trainer zum FLVW-Beschluss

Lüdinghausen

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sowie die 29 angeschlossenen Kreise haben beschlossen, einen Haken hinter die Spielzeit 2020/21 zu setzen. Die meisten lokalen Vereine begrüßen den Schritt. Es gibt aber auch leise Kritik.

Von Florian Levenig

Auf Wiedersehen 2021/22: Union Lüdinghausen (l.: Florian Hüser) freut sich über den Klassenerhalt in der Bezirksliga, der FC Nordkirchen (am Ball: Marcel Stiepermann) muss den geplanten Aufstieg um mindestens ein weiteres Jahr verschieben. Foto: flo

Rabah Abed und er dürften sich jetzt durchaus mal auf die Schulter klopfen, flachst Thomas Morzonek. Immerhin hätten die beiden Trainer des Fußball-Landesligisten VfL Senden „Historisches geleistet“ und ihre Elf im zweiten Corona-Jahr in Folge zum Klassenerhalt geführt. Weniger zum Scherzen ist Morzonek aufgelegt, wenn es um die Entscheidung des FLVW vom Wochenende geht, die Saison zu annullieren. Die, findet der Sendener, „hätte der Verband schon vor Wochen treffen müssen“. Zugleich mahnt Morzonek an, „dass sich Kaiserau sehr zeitnah Gedanken über den Start der kommenden Saison und vor allem über eine Verkleinerung der Staffeln macht. 18er- oder gar 20er-Ligen ergeben aus meiner Sicht schon deshalb wenig Sinn, weil uns das Virus sicher noch eine Weile erhalten bleibt.“

SVH greift 2021/22 wieder an

Beim Ligarivalen SV Herbern haben sie die Entscheidung lange kommen sehen. Ob sich SVH-Coach Benjamin Siegert nicht darüber ärgert, dass die Blau-Gelben – wie schon 2020 – in aussichtsreicher Position zurückgepfiffen wurden? „Nein. Hätten wir 49 Prozent unserer Partien absolviert und dann ganz vorn gestanden, wäre es sicher ein bisschen tragisch gewesen. Aber nach sechs Partien ist doch noch gar keine Tendenz erkennbar. Greifen wir halt 2021/22 wieder an.“

Das werden, zwei Klassen tiefer, auch die Ascheberger tun, die zum Zeitpunkt des Abbruchs knapp unterm Strich standen. Schwein gehabt, da es weder Auf- noch Absteiger geben wird? „Natürlich wäre es bitter gewesen, in der B-Liga zu kicken“, erklärt TuS-Interimstrainer Benedikt Vester, der gleichwohl der Überzeugung ist, „dass wir uns da wieder rausgekämpft hätten.“

TuS war auf Re-Start vorbereitet

In der Zwölfer-Staffel (A 2 Münster) wäre ein Re-Start noch am ehesten möglich gewesen. Entsprechend habe er stets „den Worst Case angenommen“ und die Mannschaft, so gut es ging, auf dieses Szenario vorbereitet. Dass es nun anders kommt, hält Vester für einen Sieg der Vernunft: „Auch wenn der Kreis Coesfeld relativ gut dasteht: Besorgniserregend sind die Zahlen in den Kommunen und Kreisen allemal. Warum also jetzt noch dieses Risiko eingehen?“

Etwas pikant war bis zur Bekanntgabe des endgültigen Saisonstopps die Situation für Matthias Gerigk. Der hatte bekanntlich frühzeitig beim Bezirksligisten Union Lüdinghausen für die kommende Spielzeit zugesagt, um dort den nächsten Schritt in seiner Trainerlaufbahn zu gehen. Wäre der Ligabetrieb wieder aufgenommen worden und es ganz blöd gekommen, hätte sein Noch-Team BW Ottmarsbocholt (2020/21 sensationell gestartet) im Sommer den Durchmarsch in die Bezirksliga gefeiert und die Nullachter gleichzeitig den Abstieg ins Kreisoberhaus betrauert. Dass das Bangen der Schwarz-Roten ein vorzeitiges Ende hat, nimmt Gerigk einerseits wohlwollend zur Kenntnis. Andererseits gebe es im Land gerade wirklich drängendere Probleme.

Kein Traumfinale in Seppenrade

Das sieht auch Mahmoud Abdul-Latif so. Noch vor einigen Wochen – die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis lag irgendwo zwischen 30 und 40 – hatte der Coach des SV Fortuna Seppenrade folgenden Traum: „ein Aufstiegsfinale daheim gegen Turo Darfeld. Vor 800 Zuschauern.“ Mit Beginn der dritten Welle habe er sich dann rasch von dieser Vorstellung lösen können – „gerade emotional“. Was diesem Fußballverrückten schwerer noch gefallen sein dürfte als manchem Kollegen. Aber: „Ich schaue ja auch jeden Tag auf die Infektionszahlen. Und da ist, leider, ein klarer Trend erkennbar.“

Kreise Ahaus/Coesfeld und Münster folgen der FLVW-Entscheidung

Drei Worte – und man konnte die Erleichterung förmlich raushören – sprach Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), zu Beginn der Video-PK am Montag: „Es ist vorbei.“ Das Murren an der Basis, es war zusehends lauter geworden. Wieso sämtliche Amateur-Gremien in Deutschland die Spielzeit längst annulliert hätten, nur die drei NRW-Verbände nicht.

Es sei, wie Walaschewski einräumt, ein zähes Warten gewesen – bedingt durch die Statuten des Westdeutschen Verbandes (WDFV), die einen Komplettabbruch bis zuletzt nicht vorgesehen hätten. Da aber inzwischen feststeht, dass frühestens Mitte Juni wieder um Punkte gespielt werden könnte (und somit keine einzige überkreisliche Staffel auf die für eine Wertung nötigen 50 Prozent aller Paarungen käme), sei der Verband endlich in der Lage, einen Haken hinter die Spielzeit 2020/21 zu setzen, so FLVW-Vize Manfred Schnieders. Game Over. Keine Auf-, keine Absteiger (außer jene, die bereits ihren Rückzug bekanntgegeben hatten, Landesligist Drensteinfurt zum Beispiel).

Sämtliche 29 FLVW-Kreise schließen sich der Entscheidung aus Kaiserau an, auch im Lokalen gibt es – bei den Männern, den Frauen, in der Jugend – keine Wertung. Offen sei, wie mit dem laufenden Pokal zu verfahren sei, so die hiesigen Kreisvorsitzenden Willy Westphal (Ahaus/Coesfeld) und Norbert Krevert (Münster). Eine Möglichkeit: Wer 2020/21 für den Cup-Wettbewerb auf FLVW-Ebene qualifiziert war, erhält 2021/22 eine zweite Chance (falls in den hiesigen Kreisen, wofür aus Zeitgründen vieles spricht, kein Sieger mehr ermittelt werden kann.

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