1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Ascheberg
  6. >
  7. Feiern besser als Forke – Julian Wiedenhöft über Ziele beim SV Herbern

  8. >

Fußball: Landesliga 4

Feiern besser als Forke – Julian Wiedenhöft über Ziele beim SV Herbern

Herbern

Der SV Herbern ist mit einem runderneuerten Kader in die Saisonvorbereitung gestartet – und mit einem neuen Trainer-Trio. Chefcoach Julian Wiedenhöft erklärt im WN-Interview, was er mit dem Team so alles vorhat.

Von und

Nahmen am Wochenende das Training beim SVH auf.: Torwarttrainer Sven Freitag (h.v.l.), Steffen Hunnewinkel, Jonas Pettendrup, David Most, Fabian Hellmich, Yannick Bösl, Erik Heidbrink, die beiden Coaches Oliver Glöden und Julian Wiedenhöft Foto: Reher/SVH

Am Samstag bat Julian Wiedenhöft, Coach des Fußball-Landesligisten SV Herbern, zur ersten Übungseinheit – und zum anschließenden Kennenlernen, immerhin sind 18 (!) Mann ebenfalls neu beim SVH. Anschließend stand der Cheftrainer unserem Redaktionsmitglied Florian Levenig Rede und Antwort.

Was war anstrengender: das erste Training oder der gemütliche Teil danach?

Wiedenhöft: Doch schon die Einheit selbst. Die hohen Temperaturen, noch dazu auf Kunstrasen: Die Jungs waren danach so platt, dass es anschließend nicht mehr so arg lange ging.

Zwei von drei Keepern sind noch im Urlaub: Müssen Sie sich da selbst zwischen die Pfosten stellen?

Wiedenhöft: Glücklicherweise nicht (lacht). Den Part übernimmt in den nächsten Tagen Sven Freitag, unser Torwarttrainer.

Kurzer Blick zurück: Nachdem der SVH recht früh Ihre Verpflichtung bekanntgegeben hatte, verkündete ein Leistungsträger nach dem nächsten seinen Abschied. Haben Sie das auf sich gemünzt? Waren Sie in Sorge, bei Ihrem Start nicht genügend Personal vorzufinden?

Wiedenhöft: Nein und nein. Ich denke, die, die gegangen sind, hatten überwiegend gute Gründe, das zu tun. Bei denen, die anfangs gezögert und mit denen wir viele Gespräche geführt haben, hätte ich mir gewünscht, dass sie sich auf dieses Abenteuer, dieses neue Projekt einlassen. Da ich aber von Tag eins an wusste, dass in Herbern – wie bei meinem Ex-Klub Münster 08 – viele kompetente Leute hinter den Kulissen arbeiten, war mir ebenso schnell klar, dass wir eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen.

Haben die Verantwortlichen und Sie sich bei der Suche nach Neuzugängen geografisch aufgeteilt?

Wiedenhöft: In der Tat. Lutz (Ludger Staar, der sportliche Leiter – d. Red.) hat eine unglaubliche Expertise im Raum Ahlen/Hamm, Dominik (Reher, Fußballgeschäftsführer) und ich haben uns auf das übrige Münsterland konzentriert. Aber entschieden haben wir jede Personalie gemeinsam.

Die WN hatten gemutmaßt, Sie brächten das eine oder andere Top-Talent vom Kanal mit. Oder haben Sie bewusst Rücksicht auf den Klub genommen, in dessen Diensten Sie Ihr gesamtes bisheriges Sportlerleben standen?

Wiedenhöft: Es gab bei diesem oder jenem eine lose Anfrage. Aber letztlich wollten alle gemeinsam mit meinem Nachfolger Gerrit Göcking, einem sehr fähigen Coach, diesen neuen 08-Weg einschlagen.

Noch eine Parallele zwischen Ihrem alten und dem neuen Verein: Junge Leute werden in großer Zahl entwickelt. Neun SVH-Spieler haben in der Vorsaison in der U 19 gekickt.

Wiedenhöft: Anders könnten beide Klubs sportlich gar nicht überleben. Die Jungs werden, wenn sie mitziehen, ihre Chance bekommen. Wobei es genauso ein paar Erfahrene wie die Hunnewinkel-Brüder und Frederik Falk – oder die Arrivierten im Team, Daniel Krüger und Joko Richter zum Beispiel – braucht, die die Jüngeren an die Hand nehmen. Das hat man schon beim Trainingsauftakt gemerkt.

Mit Jonas Pettendrup war ein Mann dabei, der noch zum Kader der U19 zählt.

Wiedenhöft: Ein guter Junge mit viel Potenzial, gar keine Frage. Aber wie Sie gesagt haben: Er ist A-Jugendlicher und möge bitte nicht den zweiten vor dem ersten Schritt tun. Deshalb werden wir ihn sehr behutsam aufbauen – und auch das selbstverständlich nur nach Rücksprache mit Philip (U 19-Coach Philip Just).

Sie haben eine Vielzahl an Testspielen vereinbart. Trotzdem wird die Vorbereitung angesichts des Totalumbruchs und eines neuen Trainergespanns nicht mit dem ersten Meisterschaftsspiel abgeschlossen sein, richtig?

Wiedenhöft: Natürlich nicht, so was dauert. Klar ist aber auch, dass schon am 14. August möglichst eine SVH-Elf auf dem Platz steht, die keiner im Vorbeigehen schlägt – egal wie prominent der Gegner ist oder wie niedrig unser Altersschnitt.

Es heißt, Sie seien Fan des 4-3-3-Systems, wie es Ajax oder Barça seit Jahr und Tag praktizieren und das der FC Liverpool unter Jürgen Klopp in die Neuzeit überführt hat.

Wiedenhöft: Grundsätzlich mag ich Ballbesitz, ja. Aber deshalb kann man sich ja trotzdem mal fallen lassen und muss die Kugel nicht an der gegnerischen Torlinie erobern. Unterm Strich wollen wir den Fans attraktiven Fußball bieten und lieber ein Mal öfter nach Siegen gefeiert als nach Niederlagen mit der Forke durchs Dorf getrieben werden.

Ihr Co-Trainer Oliver Glöden hat einst in Liga zwei gekickt und war selbst Chefcoach. Droht da kein Kompetenzgerangel?

Wiedenhöft: Nein, von seinem Wissen profitieren doch alle, ich eingeschlossen. Daher treffen wir die Entscheidungen grundsätzlich im Team mit ihm und Sven. Letztlich geht es nur darum, dass einer die Birne hinhält, wenn es mal nicht läuft – und dieser Depp wäre dann halt ich (lacht).

Startseite
ANZEIGE