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Darts: WM

Frauen wie Fallon vor – Schlüter ist Sherrock-Fan

Herbern

In Sachen Darts-WM ist Christian Schlüter (SV Herbern) Experte. Nicht nur war der Mann in der Vergangenheit als Zuschauer im „Ally Pally“. Er hat auch schon gegen einen aktuellen Teilnehmer gespielt.

Von Florian Levenig

Fallon Sherrock hat die besten Dartsspieler der Welt zuletzt mehrfach das Fürchten gelehrt. Foto: dpa

Seit ein paar Tagen findet, wie immer vor und nach Weihnachten, im Alexandra Palace zu London die Darts-Weltmeisterschaft statt. Amateurspieler Christian Schlüter (SV Herbern), der selbst schon als Fan vor Ort war, verfolgt jede Minute des Kultevents am Bildschirm – und ordnet das WM-Geschehen im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Florian Levenig fachkundig ein.

Die Bilder aus dem Vorjahr, vom menschenleeren „Ally Pally“, wirkten recht verstörend. Fast noch irritierender kommt einem indes vor, dass die Leute dort aktuell wieder ausgelassen feiern – als hätte es die Pandemie nie gegeben.

Schlüter: Dass sehe ich ähnlich. Gerade wenn man bedenkt, dass sich die Omikron-Variante in England rasend schnell ausbreitet. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass die entscheidenden Runden abermals unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Ich jedenfalls bin froh, gerade nicht in London zu sein – so sehr ich mir wünsche, das Spektakel ein weiteres Mal vor Ort zu erleben.

Apropos Spektakel: Vorläufiger emotionaler Höhepunkt war – trotz des Ausscheidens – das erste Match von Fallon Sherrock. Dabei hat der Weltverband PDC sich lange dagegen gesträubt, Frauen bei der WM zuzulassen. Ihre Meinung zu dem Thema?

Schlüter: Fallon gehört definitiv auf die große Bühne, sie hat in diesem Jahr überragend gespielt. Ich traue ihr mittelfristig sogar den Gewinn des WM-Titels zu.

Christian Schlüter Foto: Foto: flo

Schon mal gegen eine Frau verloren?

Schlüter: Gute Frage (lacht). Und nein, bislang nicht. Aber ich hab’ schon häufiger auf Turnieren gegen Frauen gespielt. Wenn man sie nicht als „Exotinnen“ wahrnimmt, sondern anerkennt, dass sie, genau wie wir Männer, fast jeden Tag am Practice Board stehen, dann sind sie selbstverständlich eine Bereicherung für den Sport. Das ist doch gar keine Frage.

Zu Michael van Gerwen, dem Dominator vergangener Jahre, der aber 2021 in keinem einzigen Major-Finale stand. Ist die Zeit von „MvG“ abgelaufen?

Schlüter: Da wäre ich sehr vorsichtig. Zumal er mit 32 immer noch relativ jung ist. Wenn er sein „A-Game“ auspackt, ist er für mich nach wie vor einer der Besten, vielleicht sogar der Beste. Er hat nur praktisch seit Beginn der Pandemie große Probleme, die Doppelfelder zu treffen und auszuchecken. Dennoch zählt „MvG“ selbstverständlich zu den Favoriten auf den WM-Titel.

„Dark Horse“ Clayton

Wer noch? Gerwyn Price, der Titelverteidiger? Sein Vorgänger Peter Wright?

Schlüter: Für mich zählt Jonny Clayton zu den ersten Anwärtern auf die Krone. Er hat 2021 vier TV-Turniere gewonnen und auch in seinem ersten WM-Spiel – gegen einen extrem starken Keane Barry – absolut überzeugt. Die spannende Frage wird sein, ob er dieses Top-Niveau über die längeren Distanzen in den nächsten Runden halten kann. Da haben der „Iceman“ (Price – d. Red.) und vor allem „Snakebite“ (Wright – d. Red.) aufgrund ihrer Erfahrung vielleicht einen Vorteil. Die waren schon so häufig in dieser Situation, während Jonny erst in den vergangenen zwölf Monaten so richtig durchgestartet ist.

Was trauen sie den verbliebenen Deutschen zu?

Schlüter: Gabriel Clemens kann von den Scores her mit den Favoriten mithalten. Ich bin mir aber nicht so sicher in Bezug auf seine Doppel-Quote. Von Florian Hempel erfarte ich fast noch mehr. Ein richtig cooler Junge, der hat vor allem die High Finishes drauf. Ich durfte sogar mal gegen ihn spielen.

Und? Gewonnen?

Schlüter: Nee, relativ knapp verloren. Aber das ist schon eine Weile her, seitdem hat er einen Riesensprung gemacht.

Niederlande besser aufgestellt

In den Niederlanden ist Darts Volkssport. Kommen die Deutschen da irgendwann auch hin?

Schlüter: Schwierig. Da müsste sich strukturell was ändern. In Holland wird Darts sogar als Schulsport angeboten. Einen deutschen Weltmeister sehe ich vorläufig nicht. Dass mal einer das Viertel- oder das Halbfinale erreicht, wäre ein erster Schritt.

Profitiert der SVH vom aktuellen Boom?

Schlüter: Kann man nicht sagen. Da trainieren nach wie vor die üblichen fünf bis sieben Verdächtigen. Hat logischerweise mit der Pandemie zu tun. Auch die Zahl der Wettkämpfe ist ganz schön geschrumpft – obwohl ich zuletzt zwei Mal bei einem Turnier in Hamm am Start war.

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