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Handball: Münsterlandliga

Premiere: Gegen eigenes Team auf der Trainerbank

Ascheberg

Zu einer kuriosen Konfrontation kommt es am Sonntag bei der HSG Ascheberg/Drensteinfurt. Sparta Münster, das Team von Trainer Alexander Kramm, gastiert beim Team von Spieler Alexander Kramm. Besonders für den Ur-Ascheberger selbst eine völlig ungewohnte Premiere . . .

-chrb-

HSG-Spieler Alexander Kramm beim Torwurf. Am Sonntag nimmt er in Ascheberg auf der Trainerbank Platz – auf der des Gegners. Foto: Kay Siemund

Mit sechs Jahren begann Alexander Kramm in Ascheberg Handball zu spielen. 31 Jahre stand er danach zunächst für den TuS, nach Bildung der Spielgemeinschaft mit Drensteinfurt dann für die HSG auf dem Parkett. Mehr Urgestein geht nicht . . .

An diesem Sonntag ist der 31-Jährige, der bis heute in Ascheberg lebt und hier als Erzieher in einem Kindergarten arbeitet, zum ersten Mal in seinem Leben auf der gegnerischen Seite. Als Trainer von Sparta Münster „gastiert“ Kramm um 18 Uhr in der Halle an der Nordkirchener Straße, die er so gut kennt wie kaum ein anderer.

Das ist aber noch nicht alles: Sparta ist nicht nur Ligakonkurrent der HSG Ascheberg/Drensteinfurt – Alex Kramm ist in deren Team auch noch als Spieler aktiv. Wenn Sparta und die HSG nicht parallel spielen, steht der Rückraumspieler für seinen Heimatverein auf dem Parkett.

Regeltechnisch kein Problem

Das ist extrem selten, regeltechnisch aber kein Problem. Auch nicht für Sparta, Aschebergs Trainer Jörg Kriens und Kramm selbst. Zumal die beiden Teams nicht wirklich direkt miteinander konkurrieren. Die Münsteraner, Absteiger aus der Landesliga, sind Tabellenfünfter. Die HSG hat aus acht Spielen nur einen Punkt geholt und hat die rote Laterne fest in der Hand.

Dass Alex Kramm in dieser Saison für die Ascheberger spielt, war vor Beginn der Spielzeit auch gar nicht eingeplant. Der 39-Jährige, der die vorhergehenden beiden Jahre für den Bezirksligisten Hamm-Heessen auf Torejagd ging und im Sommer 2022 als Trainer für Sparta Münster fest gebucht war, sprang kurzfristig beim Ligakonkurrenten HSG mit ein.

Der Grund: Die Ascheberger hatten akute Personalnot, unter anderem hatte sich Top-Goalgetter Matthias Lohmann bei einem Vorbereitungsturnier verletzt. Die Sorgen bei der HSG waren so groß, dass zwischenzeitlich sogar daran gedacht wurde, das Team aufzulösen und den Ligakonkurrenten SW Havixbeck zu bitten, die Spieler in ihre Mannschaft aufzunehmen.

Mit Sohn und Neffen in einem Team

In dieser Situation wurde Kramm vom Keeper der Ascheberger gefragt, ob er trotz seines Traineramtes bei Sparta nicht doch wieder bei der HSG aushelfen könnte – als Spieler. Der „alte“ Kämpe sagte zu. Kein Wunder: Jener Keeper, Lasse Freier, ist der Sohn von Alex Kramm. Übrigens nicht dessen einziger nahe Verwandte im Ascheberger Team: Max Frye, wie Kramm Rückraumspieler und Goalgetter, ist dessen Neffe.

So kehrte der 39-Jährige also in die HSG-Familie (im doppelten Wortsinn) zurück. Und sorgte mit dafür, dass sich das Thema Teamauflösung schnell wieder erledigt hatte.

„Er ist damals für uns ins kalte Wasser gesprungen“, sagt Aschebergs Coach Kriens. „Er ist als Torschütze für uns schon sehr wichtig, und er hat natürlich eine Erfahrung, die keiner der jungen Spieler hat.“

Eine Erfahrung hat Kramm jedoch noch nicht gemacht: Als gegnerischer Trainer bei der Mannschaft zu Gast zu sein, für die er sonst als Spieler aufläuft. Noch dazu in der Halle, in der er ungezählte Male für seine HSG kämpfte und Tore warf – und das noch immer tut.

Ob das ein komisches Gefühl sei? „So ein bisschen glaube ich schon“, antwortet der Ur-Ascheberger. „Im Moment bin ich noch ganz entspannt. Mal schau‘n, wie das am Sonntag sein wird . . .“

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