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Fußball: Landesliga 4

Technisch beschlagen – Närdemann hat den Dreh raus

Herbern

Golf und Fußball: auf den ersten Blick zwei grundverschiedene Sportarten. Dabei gebe es durchaus Gemeinsamkeiten, weiß Dennis Närdemann (SV Herbern), der sowohl auf den Greens als auch auf dem grünen Rasen reüssiert.

Von Florian Levenig

Ist zwar „träge wie Sau“, hat aber beim Golfen ebenfalls den Dreh raus: Dennis Närdemann, der auch im Fußball zu den versierteren Spielern in Herbern zählt. Foto: flo

So langsam haben aktuelle und ehemalige Fußballer des SV Herbern beim Golfclub Westerwinkel Fraktionsstatus. Was außerdem auffällt: Diejenigen unter den Blau-Gelben, die man häufiger auf den Grüns des örtlichen Wasserschlosses antrifft, fielen oder fallen schon im Stadion an der Werner Straße durch ihre enorme Ballfertigkeit auf – darunter SVH-Legenden wie Bernd Löcke und Björn Christ. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Fragen wir Dennis Närdemann, der ja selbst einer für die besonderen Momente beim hiesigen Landesligisten ist.

„Mag sein“, meint der 31-Jährige. Eine so komplexe Sportart setze schon ein gewisses technisches Vermögen voraus. Da könne es kaum schaden, wenn man derlei vom Kicken mitbringe. Wenn etwa „Beppo“ Löcke einen Chip tot an die Fahne legt, dann ist das fast wie früher, als Närdemanns damaliger Mitspieler ihm und den Kollegen 40-Meter-Pässe in den Fuß servierte. Oder Markus Hohefeld, „der konnte auch was mit dem Ball anfangen“. Nur dass der Ex-Herberner, einst ein gefürchteter Goalgetter, heute die Kugel beim Putten humorlos versenkt.

Auch auf die passende Strategie komme es im Golfsport an, erklärt Närdemann, der als klassischer „Zehner“ weiß, wie man die Murmel klug verteilt. Ein Beispiel: „Wenn du ein Ziel in großer Entfernung anvisierst, musst du häufig das Risiko abwägen. Lohnt es sich, den direkten Weg zu wählen? Dann landet der Ball vielleicht im Sandbunker. Oder, schlimmer noch, im Teich.“

Stratege gefragt

Wofür Närdemann und Co. beim Pöhlen eher nicht bekannt sind/waren: dass sie den Ball mit roher Gewalt übers Gelände prügeln. So wie das seit geraumer Zeit insbesondere die Golf-Profis in den Staaten tun. Närdemann, der an guten Tagen immerhin die 250-Meter-Marke auf der Driving Range knackt, relativiert: „Klar ist das ein schönes Gefühl, wenn man den Abschlag perfekt erwischt und das Ding entsprechend weit fliegt. Aber auch das hat wieder viel mit Technik und Konzentration zu tun.“

Und mit der Rotation des Oberkörpers. Für jemanden, der von sich selbst sagt, „träge wie Sau“ zu sein, gar nicht so leicht. Überhaupt der erste Schlag: Bis er den Schwung halbwegs raushatte, seien Jahre vergangen. Was sicher damit zu tun hat, dass die Ex-Kollegen teils mehrfach in der Woche ihre 18 Bahnen ziehen, er selbst aber selten häufiger als einmal. Job und Familie hätten die anderen auch, „aber bei mir kommen halt die Übungseinheiten und Spiele mit dem SVH dazu. Wenn ich ausnahmsweise mal einen freien Tag habe und den auf dem Golfplatz verbringe, kriege ich Ärger mit meiner Frau und den beiden Kindern.“

Handicap 10,3

Sollte er irgendwann mal die Fußballtreter an den Nagel hängen, werde er wohl das Golfen intensivieren, weiter an seinem Handicap (derzeit: 10,3) feilen und den Tag beim Bierchen auf der Terrasse des Clubheims ausklingen klassen: „Gerade im Sommer gibt es nichts Herrlicheres.“ Fun Fact am Rande: Zum ersten Mal gelocht hat Närdemann nicht etwa vor der Haustüre, sondern „bei einem Pärchenurlaub in Holland“. Rund acht Jahre ist das her.

2021 war für ihn auf den Greens und Fairways erfreulicher als auf dem Rasen. Während der SVH aktuell ums sportliche Überleben kämpft, stiegen Löcke, Hohefeld und er mit dem GC Westerwinkel in die Landesliga auf (Christ, als Spätberufener, spielt in der Zweiten). Zudem wurde Närdemann Vereinsmeister bei den über 30-Jährigen (vor Löcke).

Letzte Frage: Stört ihn – Typ Straßenfußballer – nicht die Etikette in Westerwinkel? „Ach, das sind doch Klischees. Polohemd und Stoffhose trägt man vor allem, weil man sich darin wohlfühlt. Es finden sich garantiert Clubs, in denen es etwas elitärer zugeht, aber in Herbern ist das definitiv nicht der Fall. Und es gibt ganz bestimmt teurere Hobbys.“

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