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Fußball: Talent

Über Umwege ans Ziel? Mats Feckler wechselt zum Wuppertaler SV

Herbern

Fünf überwiegend erfolgreiche Jahre hat Mats Feckler bei Borussia Dortmund verbracht. Nun wechselt der 16-jährige Herberner zum Wuppertaler SV. Ein Rückschritt? Mag sein. Aber längst nicht das Ende aller Profi-Träume.

Von Florian Levenig

Hält sich auch in diesen Tagen – wie immer in der spielfreien Zeit – auf dem Kunstrasen am Siepenweg fit, aber nicht mehr in BVB-Klamotten: Mats Feckler. Foto: flo

Bei den europäischen Top-Klubs – das ist in Dortmund so und in München, Paris oder London nicht anders – herrscht, selbst im Nachwuchsbereich, ein gnadenloser Verdrängungskampf. Wem die Entscheider nicht zutrauen, ein paar Jahre später den Sprung in den Kreis der Elitekicker zu schaffen, der kann sein Bündel packen und gehen. Das Menschliche bleibt dabei oft auf der Strecke. Mats Feckler wusste das natürlich, als er vor fünf Jahren beim BVB anheuerte – und doch sei der Abschied, als er dann kam, ziemlich trist gewesen: „Abklatschen mit den Kollegen nach dem letzten Spiel – das war’s.“

Zwar traf ihn die Entscheidung der Schwarz-Gelben nicht ganz unvorbereitet. Bereits in der U 17-Bundesliga-Hinrunde 2021/22 hatte der Defensivmann den Platz in der Startelf, den er bis dahin stets innehatte, verloren. Als ihn dann im Frühjahr noch eine Verletzung für mehrere Wochen außer Gefecht setzte, „hatte ich bereits so ein Gefühl, dass die Zeit in Dortmund zu Ende gehen könnte.“ Dennoch sei er in den ersten Tagen nach der Trennung „ein bisschen traurig“ gewesen – gerade weil es in den Jahren zuvor eine so schöne wie erfolgreiche Zeit gewesen sei – und der Herberner nicht nur Angestellter, sondern auch von Kindesbeinen an Fan des BVB war/ist.

Zeit des Wundenleckens vorbei

Doch die Zeit des Wundenleckens, sie ist vorbei. Ein Engagement beim A-Jugend-Norderstligisten Hannover 96 zerschlug sich. „Da war ich nach der Verletzung noch nicht wieder fit, insofern war das Probetraining nur bedingt aussagekräftig“, erklärt der junge Mann, der in wenigen Tagen 17 wird.

Umso überzeugter waren sie beim Wuppertaler SV von Fecklers Fähigkeiten. „Die haben sich richtig um Mats bemüht, ihm in vielen Gesprächen Perspektiven aufgezeigt und das Vertrauen geschenkt, das jeder Fußballer braucht – und das er beim BVB zuletzt nicht mehr in diesem Maße gespürt hat“, weiß Vater Jens. Also bezieht der Filius in den nächsten Tagen gemeinsam mit einem Mannschaftskollegen eine kleine Wohnung in Wuppertal. Mitte Juli ist Trainingsauftakt der U 19, die just aus der Bundes- in die Niederrheinliga abgestiegen ist, aber umgehend zurück ins Oberhaus will. „Für den Jungen geht es darum, wieder ans Spielen zu kommen, dass der Spaß am Fußball zurückkehrt“, hofft Jens Feckler.

Interessant in dem Zusammenhang: Sein Coach bei den Junioren, Samir El-Hajjaj, ist zugleich Assistent von Björn Mehnert. Überzeugt Feckler junior bereits im ersten A-Jugend-Jahr, wird der WSV-Cheftrainer das garantiert mitbekommen. Während die Dortmunder im Zweifel viel Geld in die Hand nehmen und gestandene Nationalspieler zum BVB lotsen, bleibt dem ambitionierten, aber selten auf Rosen gebetteten Viertligisten Wuppertal fast keine andere Wahl, als konsequent auf Leute aus dem eigenen Stall zu setzen. Immer wieder schaffen es im Schatten des Zoos Talente in die erste Mannschaft.

Oder, wie Mats Feckler es ausdrückt: „Manchmal muss man, um auf Dauer vorwärtszukommen, einen Schritt zurückgehen.“ Weise Worte eines 16-Jährigen.

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