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Handball: Münsterlandliga

Und was jetzt, HSG Ascheberg/Drensteinfurt? Aufsteiger in Turbulenzen

Ascheberg/Drensteinfurt

Die HSG Ascheberg/Drensteinfurt bittet am Sonntag (4. September), 18 Uhr, die SG Sendenhorst zum Derby in die Halle der Profilschule. Das sei Fakt, betont Kapitän Thorsten Zartner den WN gegenüber. Ein paar offene Fragen bleiben.

Von Florian Levenig

Wie es im Detail bei der HSG und mit Trainer Jörg Kriens weitergeht, ist offen. Fest steht nur: Das Derby am Sonntag findet statt. Foto: flo

Groß war die Freude in Ascheberg und Drensteinfurt, als die örtliche Spielgemeinschaft im Frühjahr das Ticket für die Münsterlandliga löste, die neue, eingleisige Bezirksliga. Fünf Jahre nach dem bitteren Gang in die Kreisliga war die HSG, so schien es, zurück auf der mittelgroßen Handballbühne. Aber ist sie das wirklich? 48 Stunden vor dem geplanten ersten Saisonspiel – am Sonntag (4. September), 18 Uhr, gastiert die SG Sendenhorst in der Profilschule – scheint diese Frage völlig offen.

In den vergangenen Tagen und Wochen wurde es ein bisschen turbulent rund um die HSG, in der doch eigentlich Gelassenheit Trumpf ist. In der ein funktionierendes Vereinsleben und eine exzellente Ausbildung der Jugendlichen mehr zählen als der kurzfristige Erfolg der ersten Herren-Mannschaft. Weil aber auch im Amateursport alles mit allem zusammenhängt, ist dieses an sich so solide Gebilde über Nacht ins Wanken geraten.

Maue Trainingsbeteiligung

Dass es für den Aufsteiger eine komplizierte Spielzeit werden würde, war allen klar. Genau deshalb hatte Trainer Jörg Kriens seine Mannen vor der Entscheidung, das Startrecht in der höchsten Spielklasse auf Kreisebene wahrzunehmen, gefragt, ob jeder bereit sei, das Mehr an Aufwand und Intensität zu investieren. Einhelliger Tenor: Ja, wir sind bereit (WN, 12. Mai).

Dreieinhalb Monate später scheint von der Aufbruchstimmung wenig übrig. „Fünf, sechs Mann“, so berichtet es Kriens, seien zuletzt bei den Übungseinheiten gewesen, die abschließenden beiden Testspiele musste die Spielgemeinschaft absagen. Der Coach der HSG, der erst im April dieses Amt übernommen hatte, ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass, wenn es nicht läuft, „es meist am Trainer oder am Training liegt“. Er habe also die wenigen Verbliebenen gefragt, ob vielleicht er das Problem sei.

Nein, hätten die Spieler beteuert. Nein, erklärt auch Co-Kapitän Oliver Sevenich gegenüber den WN. Die akute Personalnot sei, führt Abteilungsleiter Carsten Gburek aus, „eine Aneinanderkettung mehrerer unglücklicher Umstände“. Dass Finn Risthaus, Halblinker der HSG und neben Matthias Lohmann der zuverlässigste Vollstrecker im Team, zwei Semester im Ausland verbringt, war bekannt. Nicht geplant war, dass Lohmann sich beim Vorbereitungsturnier in Steinfurt das Kreuzband reißt und ebenfalls bis zu zwölf Monate ausfallen wird. Oder dass Thorsten Zartner, der langjährige Kapitän, aus privaten Gründen bis auf Weiteres nicht zur Verfügung steht.

Junge Spieler bloß nicht verheizen

Und jetzt? Kriens macht deutlich, er werde „auf keinen Fall“ eine Combo, womöglich mit A-Jugendlichen, auf den Acker schicken, die sich Sonntag für Sonntag eine Rutsche abholt: „Das sind doch gute Jungs, die wir nicht verheizen dürfen.“ Gburek sieht das ebenso. Weshalb genau drei Möglichkeiten bleiben: Die HSG geht, erstens, das Wagnis trotzdem ein. Sie zieht, zweitens, ihr Team zurück und steht damit als erster Absteiger in die Münsterlandklasse fest. Oder sie geht, drittens, eine wie auch immer geartete Kooperation ein – eine Lösung, die Gburek ins Spiel gebracht hat.

Es gibt sogar einen möglichen Partner, den Ligakonkurrenten SVSW Havixbeck, wie dessen Vorsitzender Marc Huysman auf Nachfrage bestätigt: „Wir hatten im Sommer selbst einen ziemlichen Aderlass. Daher sind Spieler aus Ascheberg und Drensteinfurt grundsätzlich bei uns willkommen, sollten sie an uns herantreten.“ Auch darüber, dieses oder jenes Heimspiel in Ascheberg auszutragen, könne man selbstverständlich reden. Als „etwa ungünstig“ bezeichnet Huysman den späten Zeitpunkt der HSG-Anfrage.

Kapitän: „Spiel findet statt“

Eine SG kommt demnach nicht in Betracht, die entsprechenden Fristen sind längst verstrichen. Auch ein Gast- oder Doppelspielrecht sieht die hiesige Spielordnung im Seniorenbereich nicht vor (es sei denn, die Vereine liegen mehr als 100 Kilometer auseinander). Bliebe den HSG-Akteuren also nur, sich in Windeseile bei ihrem jetzigen Klub ab- und beim SVSW anzumelden.

Über die drei Optionen, die auf dem Tisch liegen, haben die Spieler aus Ascheberg und Drensteinfurt am späten Mittwochabend diskutiert. Den Trainer und den Abteilungsvorstand wollen sie bei einer weiteren Zusammenkunft am Freitag darüber informieren, ob und, falls ja, wie es für die HSG weitergeht. Was genau vorgestern beschlossen wurde, mochte Zartner den WN am Donnerstagmittag nicht verraten, „das wäre ja auch ziemlich unfair dem Coach gegenüber“. Nur so viel: „Die Fans dürfen und sollen am Sonntag gern in die Halle kommen. Es wird auf jeden Fall Handball gespielt.“

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