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Fußball: Rückblick

„Verschworener Haufen“ – Uli Leifken über die Zeit bei Davaria Davensberg

Davensberg

Uli Leifken hat einst in den höchsten Amateurklassen gekickt. An eine Station denkt der inzwischen 60-Jährige dabei besonders gern zurück.

-flo-

Uli Leifkens letzte Trainerstation: Bis Ende 2017 leitete der heute 60-Jährige die SG Sendenhorst an. Foto: scha

Seine Trainerkarriere hat Uli Leifken vor knapp fünf Jahren beendet. Aber für den „Horst-Brameier-Cup“ macht der Seppenrader selbstredend eine Ausnahme. Am 7. Mai (Samstag), in Davensberg, wird Leifken gemeinsam mit Ex-Davaren-Schnapper Dietmar Wiese die „Davertauswahl“ coachen. Wobei es da ja weniger um taktische Finessen gehe als darum, „alte Weggefährten“ zu treffen, mit diesem und jenem zu quatschen, kurzum: „gemeinsam Spaß zu haben“.

Selbst gekickt hat Leifken – erst als Mittelfeldlenker, später als Libero – viele Jahre in der Oberliga, damals die dritthöchste Spielklasse. Beim ASC Schöppingen, dem VfL Reken, der Hammer Spielvereinigung (mit Bruder Rainer) und dem 1. FC Recklinghausen. Aufstiege wie Meisterschaften hat er dort ebenfalls gefeiert. Aber: Die anschließende Zeit bei Davaria Davensberg, die war „etwas ganz Besonderes“.

Prämien leistungsbezogen

Klar seien damals ein paar Mark geflossen, „das war ja kein Geheimnis“. Der Unterschied zu anderen betuchten Klubs: „Horst Brameier, der Sponsor, hat nichts Verrücktes gemacht, sondern leistungsabhängig gezahlt.“ Jahr für Jahr das Personal auszutauschen, um noch ein bisschen höher zu kommen (aktuell im Dortmunder Raum ein so beliebtes wie fragwürdiges Geschäftsmodell): Das habe es am Rinkeroder Weg nicht gegeben. Leifken, aber auch Jürgen Heßeler, Martin Ritz oder Mario Wisse waren an allen drei Aufstiegen in den 1990er-Jahren – von der Kreis- bis in die Verbandsliga – beteiligt.

Kicken konnten die Davensberger, keine Frage. Mindestens ebenso entscheidend für den anhaltenden Erfolg sei aber das Miteinander in der Truppe gewesen: „Das war schon ein verschworener Haufen.“ Und, noch so ein Satz, den man in dem Zusammenhang häufiger hört: „Da sind Freundschaften fürs Leben entstanden.“ Der Kern der Mannschaft trifft sich regelmäßig – wenn ihm nicht gerade Corona in die Parade fährt. Gerade deshalb freut sich Leifken auf das große Wiedersehen in gut zwei Monaten.

Viele Neider

Natürlich habe es damals auch Neider gegeben, „so nach dem Motto: Was will denn dieser Dorfklub in unserer Liga?“ Die „Burgturm-Brasilianer“, wie das Team ehrfürchtig von Freund und Feind gerufen wurde, stopfte den Kritikern dann oft genug auf dem Rasen das Maul (rein sportlich, versteht sich). Höhepunkt: das Entscheidungsspiel am 5. Juni 1995 um den Aufstieg in die Verbandsliga (inzwischen Westfalenliga). Mit 3:2 bezwangen Leifken und Co. vor stattlicher Kulisse in Warendorf die Spvg. Versmold. Die große lokale Unterstützung, dass der Ortsteil und seine Fußballer quasi eins wurden: Auch das sei nicht unwesentlich für den märchenhaften Aufstieg der Davaren gewesen, glaubt deren einstiger Anführer.

Nach fünf Jahren in Davensberg, zwei davon als Kapitän, ließ Leifken seine aktive Karriere ausklingen und wechselte in die Trainerbranche. Was blieb, war der Erfolg. Mit Union Lüdinghausen stieg er in die Landes-, mit SW Havixbeck sowie mit der SG Sendenhorst in die Bezirks- und mit seinem Stammverein SV Bösensell in die A-Liga auf.

„Nur“ noch Fan

Nach einer Erkrankung legte er, 2017 war das, sein Amt bei der SGS nieder. „Zunächst war das als Auszeit gedacht. Es gab auch in der Folge noch ein paar Anfragen. Aber ich habe schnell festgestellt, dass ich das in dem Umfang nicht mehr brauche.“ Fan ist er bis heute. Dem FC Schalke 04 hält er selbst in Liga zwei die Treue („was denn sonst?“), als Zaungast trifft man den seit ein paar Monaten 60-Jährigen regelmäßig auf den Plätzen des Altkreises – vorzugsweise in Bösensell, wo Bruder Jürgen den Vorsitz innehat, Neffe Fabian als Coach fungiert und Kumpel Heßeler die Torleute fit macht. Apropos, letzte Frage: Wurme es ihn nicht, dass Davensbergs ehemalige Nummer eins bei der Wahl zum „Super-Davaren“ knapp vor ihm gelandet sei? „Nee“, sagt Leifken und lacht schallend, „meinem Freund Jürgen gönne ich alles.“

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