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Land sorgt für 2 G / FLVW verwirrt mit „Spielabbruch“ für Nachwuchs

Verständnis und Kopfschütteln

Bezirk Lüdinghausen

Von nun an gilt 2 G im Amateursport – das hat die NRW-Landesregierung beschlossen. Die meisten Vereine haben Verständnis. Für Kopfschütteln sorgt dagegen ein FLVW-Beschluss, der die ältesten Nachwuchsfußballer auf Eis legt – und wieder nicht . . .

Von Christian Besse

Ohne 2 G läuft nichts mehr im Amateursport. Für Kicker und Zuschauer reicht es nun nicht mehr aus, „nur“ getestet zu sein. Foto: flo

3 G war gestern. Von nun an dürfen Spieler und Zuschauer bei Amateursportarten nur genesen oder geimpft mit dabei sein. Das hat die NRW-Landesregierung mit sofortiger Wirkung beschlossen. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) legte noch einen drauf: A- und B-Junioren sowie B-Juniorinnen dürfen bis zum Ende des Jahres gar keine Ligaspiele mehr absolvieren – und dann wieder doch. Doch dazu später . . .

Die 2 G-Regelung für Kicker und Zuschauer wird von den heimischen Vereinen im ehemaligen Fußballkreis Lüdinghausen mehrheitlich begrüßt. Daniel Schürmann, sportlicher Leiter von Union Lüdinghausen: „Es hatte ja jeder Zeit genug, sich impfen zu lassen.“ Mit 3 G hätte sein Kollege Uwe Eickholt von Davaria Davensberg gut weiterleben können. Ebenso wie Taylan Berik vom VfL Senden: „Die Profis dürfen ja auch alle noch spielen, solange sie nur getestet sind.“

Kritik gibt es auch hinsichtlich des fehlenden Zeitfensters zwischen Ankündigung von Seiten der Politik und Umsetzung von Seiten der Vereine. „Natürlich hat uns das ein bisschen überfahren“, sagt Christian Arends, Vorstandsmitglied beim VfL Senden. Personelle Konsequenzen etwa für die erste Mannschaft (Landesliga) werde es wohl nicht geben. „Wir haben im Verein eine sehr hohe Impfquote“, sagt Arends.

Daniel Schürmann, Union Lüdinghausen

Aber der Aufwand, nun kurzfristig alle Spieler und Trainer auch der Jugendmannschaften kontrollieren zu müssen und das auch zu dokumentieren, sei natürlich enorm, bestätigen auch Vertreter anderer Vereine. Begonnen wurde bereits damit am gestrigen Mittwoch etwa bei Fortuna Seppenrade, wo die B-Juniorinnen sich zum Training trafen.

Auch beim TuS Ascheberg schlug die Bekanntgabe der neuen NRW-Coronaschutzverordnung ein wie ein Blitz. „Seit heute morgen steht das Telefon nicht mehr still“, so Oliver Gellenbeck, der sportlicher Leiter des Senioren-Fußballs an der Nordkirchener Straße. „Wir brauchen nun die Nachweise von rund 30 Trainern. Das ist mit einem Riesenaufwand verbunden.“

Weniger Sorgen haben die Vereinsvertreter angesichts der Zuschauerkontrollen. Denn gecheckt wurde ja bisher schon – an den Eingängen zum Sportgelände, nicht mit laufenden Kontrollen. Daran ändert sich durch die neue 2 G-Regelung nichts. Nur dass lediglich getestete Fußballanhänger nun auch abgewiesen werden müssen. „Ich hoffe, dass das auch jeder einsieht“, sagt Christian Schmauck von der Seniorenabteilung von BW Ottmarsbocholt.

Oliver Gellenbeck, TuS Ascheberg

Für Kopfschütteln sorgte dagegen das FLVW-Rundschreiben an die Vereine. Die Kurzfassung: U 19- und U 17-Fußballer und U 17-Fußballerinnen dürfen mit sofortiger Wirkung bis zum Jahresende keine Pflichtspiele mehr bestreiten. Heißt es zunächst. Erlaubt bleiben – unter Wahrung der 2 G-Regel – Trainingseinheiten und Freundschaftsspiele. Und Pflichtspiele. Richtig gelesen . . . Pflichtspiele dürfen weiterhin ausgetragen werden, wenn beide Mannschaften sich darin einig sind und spätestens 48 Stunden vor Anpfiff der Staffelleitung Bescheid geben (siehe Kommentar).

„Das ist völlig gedankenlos“, kommentiert Daniel Schürmann den FLVW-Beschluss. „Entweder es gibt eine Regelung oder es gibt sie halt nicht . . .“ Auch Ludger Staar, sportlicher Leiter des SV Herbern, hält nicht eben viel von dem Inhalt der Rundmail: „Das ist eigentlich Quatsch.“

Ludger Staar, SV Herbern

Was sich nur auf die Widersprüchlichkeit des Schreibens, nicht aber auf praktische Konsequenzen für den eigenen Verein beziehe. „Das tut uns nicht weh“, sagt Staar über die älteren Jugendmannschaften des SVH. Auch Schürmann bleibt in dieser Hinsicht gelassen: „Wir werden den Trainingsbetrieb weiterlaufen lassen.“ Spielen würden A- und B-Junioren von Union zumindest an diesem Wochenende aber nicht.

„Unsere Jugendmannschaften würden natürlich gerne weiterspielen“, sagt Markus Thiem von der Ottmarsbocholter Jugendabteilung über die B-Junioren und die U 17-Fußballerinnen der JSG Senden/Ottmarsbocholt (eine A-Jugend gibt es bei den Blau-Weißen nicht). Um zu sehen, wie es nun konkret mit dem ältesten Nachwuchs weitergeht und Konsequenzen aus der NRW-Schutzverordnung zu koordinieren, trafen sich die BWO-Vertreter nach Redaktionsschluss am gestrigen Mittwochabend, ebenso wie der Corona-Ausschuss von Fortuna Seppenrade.

Für die Schwarz-Gelben sei es wichtig, dass auch die ältesten Jugendmannschaften die Hinrunde zu Ende spielen, damit eine Wertung zustande kommt, sagt Christel Behmenburg, Geschäftsführerin der Seppenrader Jugendabteilung. Die B-Juniorinnen seien „fast durch“, die U 19- und U 17-Jungen müssten noch je drei Spiele absolvieren.

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