1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Ascheberg
  6. >
  7. Wohl bekomms – Jahja Raed fastet aus freien Stücken

  8. >

Fußball: Ramadan

Wohl bekomms – Jahja Raed fastet aus freien Stücken

Davensberg

Jahja Raed ist gläubiger Muslim. Während des Ramadan bedeutet das vor allem: Verzicht. Nur dass der A-Liga-Fußballer des SV Davaria Davensberg das Fasten gar nicht als solchen empfindet.

Von Florian Levenig

Frauen im Gazastreifen bereiten das Fest des Fastenbrechens am Sonntagabend vor. Dann ist auch für Jahja Raed die Zeit des freiwilligen Verzichts vorbei. Foto: Imago/Ashraf Amra

Jahja Raed muss also jetzt Sonntag (1. Mai), 12.30 Uhr, im Spiel bei der Reserve des VfL Wolbeck noch ein Mal auf die Zähne beißen. Wobei der Mittelfeldmann des Fußball-A-Ligisten Davaria Davensberg das etwas präziser formuliert. Er müsse, betont Raed, gar nichts. Sein Glaube verpflichte ihn schließlich nicht zum Fasten, „ich tue das aus freien Stücken und weil ich einen Sinn darin sehe, seit ich 13 bin“, erklärt der 29-Jährige. Er könne ebenso nachfasten, „sich freikaufen“. In seiner Heimat Libanon etwa gebe es den schönen Brauch, Bedürftigen – ob Christen oder Muslime – ein Abendessen zu spendieren.

Für Jahja Raed ist die Zeit des freiwilligen Verzichts morgen Abend vorbei. Foto: flo

Auch hierzulande gebe es zahlreiche Ausnahmen: „Menschen, die auf dem Bau arbeiten oder andere körperlich harte Jobs ausüben zum Beispiel. Ohne zu trinken, ist das gar nicht möglich. Da würde man den Körper regelrecht verdursten lassen.“

Fußball zu spielen, ohne gelegentlich eine Trinkpause einzulegen, kann auch nicht wirklich gesund sein, oder? „Ja, stimmt, aber ich kenne das seit meiner Jugend ja nicht anders.“ Und er sei „eigentlich mental stark genug“, um dem Drang nach einem Schluck Wasser nicht nachzugeben.

Beim Derby daheim gegen Ottmarsbocholt allerdings, da streikte Raeds Körper. Nach einer Stunde musste Davensbergs Spielführer vom Feld. „Das Problem war, glaub‘ ich, dass ich am Abend vorher zu viel gegessen hatte“, meint der Routinier. Während des Ramadan darf das Fasten nur zwischen Sonnenunter- und -aufgang gebrochen werden. Keine Chance also, sich morgen, in Wolbeck, zwischendurch zu stärken.

Umdenken bei Profis und Amateuren

Immerhin: Sowohl bei den Profis als auch bei den Amateuren scheinen die Spielleiter mehr und mehr für das Thema sensibilisiert zu sein. Kürzlich, beim abendlichen Kreispokalspiel zwischen dem VfL Senden und dem FC Gievenbeck, unterbrach der Referee die Begegnung, damit ein VfL-Akteur muslimischen Glaubens kurz durchschnaufen und zur Flasche greifen konnte. Ähnliches passierte unlängst in der Bundesliga.

Klasse findet das Raed: „Die Welt ist derzeit eh verkorkst genug. Da tut ein solches Symbol gegen Fremdenhass und für freie Religionsausübung enorm gut. Außerdem kenne ich zig Fußballer im Großraum Münster, die das ebenso betrifft wie mich. Und die sich freuen, dass das Fasten Anerkennung erfährt, statt die üblichen Vorurteile zu bedienen.“

Wobei es nicht allein darum gehe, tagsüber auf Mahlzeiten und Getränke zu verzichten. Schließlich sei der Fastenmonat auch einer der Einkehr. Dazu zähle ebenfalls, seinen Ärger beim Fußball über einen blöden Spruch runterzuschlucken. Es dem Gegner nach einem üblen Foul nicht mit gleicher Münze heimzuzahlen. „Aber“, sagt Raed und lächelt milde, „als Kapitän muss ich da eh Vorbild sein.“ Ramadan hin oder her.

Nur noch Endspiele, Willocks zurück

Startseite
ANZEIGE