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Schach: Stets eine Herausforderung

Der Kopf spielt immer mit

Drensteinfurt

Der Kopf spielt mit. Immer. Denn das Spiel der Könige ist reine Kopfsache. Ideen und Kreativität sind gefragt. Nach dem Alter fragt indes niemand.

Von Camillo von Ketteler

Sichtbare Anspannung: Jeder Zug will gut überlegt sein. Nicht nur bei Daniel Tillkorn. Foto: SF Drensteinfurt

Während der Corona-Krise, als die Möglichkeiten zur Beschäftigung irgendwann knapp wurden, als jede Serie und jeder Film bereits doppelt gestreamt worden waren, da begann der Boom einer besonderen Sportart: dem Schach. Mit virtuellen Partien im Internet überwanden viele Neueinsteiger die ereignislosen Monate und begeisterten sich schnell für das Spiel auf dem karierten Brett.

„Während der Pause hatten die Menschen Langweile und wussten nichts mit sich anzufangen“, erklärt Daniel Tillkorn von den Schachfreunden Drensteinfurt. „Als dann auch noch die Schach-Netflix-Serie Damengambit rauskam, dachten sich viele: Schach ist ja doch ganz interessant“, sagt der 47-Jährige. Bereits seit 17 Jahren ist er am karierten Brett aktiv und spielt mit der ersten Mannschaft seines Teams in der Bezirksklasse - der zweituntersten Liga im Bezirk Münster. Um die Schach-Begeisterung aus dem Internet mit ans echte Brett zu nehmen, veranstaltete sein Club im Sommer einen Schnupperkurs für Schachinteressierte – mit Teilerfolg: „Ein paar sind bei uns geblieben“, sagt Tillkorn, „aber natürlich ist Schach weiter eine absolute Randsportart.“

Der Sprung vom Wohnzimmer in den Verein

Und wie läuft das dann, wenn man den Sprung vom Wohnzimmer in einen Schach-Club wagt? „Das ist natürlich ein bisschen anders als beim Fußball“, sagt Tillkorn und erzählt: „Freitags treffen wir uns immer im Verein und trainieren untereinander. Erst die Kinder und Jugendlichen, später kommen die Senioren hinzu. Das wichtigste ist, dass man viel und gegen unterschiedliche Gegner spielt.“ Dem Nachwuchs werde daher jeden Montag noch eine zusätzliche Einheit mit einem Trainer angeboten.

Aufbau und Verpflegung ist Sache des Heimteams

Samstags geht es dann regelmäßig rund für Tillkorn und seine Truppe. Neun Teams sind in dieser Saison in der Bezirksklasse gemeldet, ein zehntes musste aufgelöst werden. „Das Heimteam baut die Bretter auf, kümmert sich um die Verpflegung und kontrolliert die 3-G-Maßnahmen. Man sollte also früh da sein“, erzählt der Schach-Experte, der bei den Drensteinfurtern an Platz fünf gesetzt ist.

Daniel Tillkorn, Spitzenspieler der SF Drensteinfurt, zur Konkurrenz

Ab 16 Uhr duellieren sich die je acht Spieler dann parallel miteinander, höchstens sechs Stunden dauert eine solche Partie. „Jeder Spieler bekommt zwei Stunden für seine ersten 40 Züge plus eine Stunde extra, um das Spiel zu beenden“, erklärt Tillkorn den Modus. Gibt es ein Remis, teilen sich beide Akteure den Punkt. Wie bei anderen Sportarten wird im Vorfeld die Spielweise des Gegners analysiert: „Man kennt sich ja hier im Bezirk, hat gegen jeden schonmal gespielt. Natürlich blickt man dann auf vergangene Duelle zurück und probiert sich bestmöglich vorzubereiten“, erklärt der SFD-Spitzenspieler.

Spiel der Generationen: 87-Jähriger trifft auf Zwölfjährigen

Wie bei der Vorbereitung komme es im Schach auch im Laufe einer Partie vor allem auf Erfahrung an. „Man muss den Überblick behalten und sich dann mit Kreativität aus festgefahrenen Situationen befreien. Das macht mir großen Spaß“, sagt Tillkorn, dessen längste Partie einmal fünf Stunden und 52 Minuten dauerte.

Und dann ist da nebenbei auch noch der soziale Aspekt, den das Spiel auf dem karierten Brett für ihn hat: „Bei unserer Zweiten hat letztens ein 87-Jähriger gegen einen 12-Jährigen gespielt“, erzählt er, „Das ist doch toll! So etwas erlebt man bei keinem anderen Sport, alle fiebern mit.“ Dabei gehe es dann auch um den gegenseitigen Umgang, Jüngere und Ältere lernen miteinander klarzukommen – und sich gegenseitig Schachmatt zu setzen.

Daniel Tillkorn formuliert das Saisonziel

Für die aktuelle Saison hat Tillkorn ein klares Ziel: „Wir möchten aufsteigen, sind formell die stärkste Mannschaft.“ Dieser Erfolg würde nicht nur das erste Team der Schachfreunde in eine höhere Liga hieven, sondern auch Platz für das zweite und dritte schaffen: „Die spielen noch in der Kreisliga. Ein Aufstieg wäre super für den Verein. Und für unrealistisch halte ich das nicht“, zeigt er sich optimistisch.

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