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Fußball: Wie Steffen Scharbaum dem Profitum entsagte

Der Schluss-Mann

Drensteinfurt

Dass Steffen Scharbaum für den SV Drensteinfurt aufläuft, ist keine Erwähnung mehr wert. Dass er auch im vierten Jahr mehr als glücklich ist mit dieser Entscheidung, indes schon. Schließlich ist Scharbaums Weg nicht der übliche..

Von Niklas Groß

Vier Fäuste für ein Halleluja: Keeper Steffen Scharbaum und sein Drensteinfurter Teamkollege Christopher Merten legen alles rein gegen Münsters Jan Dahlke. Foto: Jürgen Peperhowe

Steffen Scharbaum hat ein Händchen für gute Geschichten. Wenngleich, das sei vorab gesagt, Scharbaum, bodenständig, besonnen, sympathisch, keinesfalls den Eindruck macht, es wegen der Geschichte zu machen. Jedenfalls ging seine mal so: Junge aus Drensteinfurt zieht aus in die große weite Fußballwelt, um seinen Sport als Profi zu verfolgen. Doch als die Aussichten auf ganz oben schwanden, hat der 25-Jährige die Story einfach auf links gezogen. Sie lautet nun: Junge aus Drensteinfurt kehrt aus der großen weiten Fußballwelt in seine Heimat zurück, um dort in der Bezirksliga zu spielen. Zugegeben: Der Wechsel von der SG Wattenscheid zum SV Drensteinfurt ist nun schon drei Jahre her. Aber wie gut, wie richtig eine Entscheidung war, zeigt sich immer erst, wenn ein bisschen Zeit ins Land gegangen ist. Und hier kommt Steffen Scharbaum zu dem durchaus bemerkenswerten Schluss, sie zu keiner Zeit bereut zu haben.

Scharbaums Stern geht mit 10 Jahren auf: Ahlen ruft den Kicker des SV Drensteinfurt. Vier Jahre hält er für die Jugendteams der Rot-Weißen, ehe die Sache richtig Fahrt aufnimmt: 2011 wechselt er in den Nachwuchs von Preußen Münster, ein Jahr später in die U17 von Borussia Mönchengladbach. Hier lebt Scharbaum im Nachwuchs-Internat, absolviert DFB-Lehrgänge, schafft den Sprung in die U19, spielt UEFA Youth League, wird Keeper der zweiten Mannschaft, trainiert bei den Profis mit. „Ich hatte da eine richtig geile Zeit“, sagt Scharbaum, „habe sportlich wie menschlich ungemein viel mitnehmen dürfen.“

Schlüsselmoment Wattenscheid

2017 wechselt er zum West-Regionalligisten SG Wattenscheid, und auch dieser Schritt soll sich als prägend erweisen, wenngleich in eine ganz andere Richtung. Im ersten Jahr läuft es noch halbwegs rund, Scharbaum kommt in der Rückserie regelmäßig zum Einsatz. In der darauffolgenden Saison indes schwinden die Einsatzzeiten des Schlussmanns, mehr oder minder zeitgleich bleiben bei der SG die Gehaltszahlungen über mehrere Monate aus. Es sind die Schlüsselmonate in der jungen Karriere des Steffen Scharbaum, er gerät ins Nachdenken. „Die Aussicht, es kurzfristig nach oben zu schaffen, war gering“, sagt er, „ich wollte Fußball immer unter der Prämisse betreiben, dass es mir Spaß macht, was damals nicht der Fall war, und ich habe mich gefragt, wie es wäre, wenn mir sowas wie in Wattenscheid später noch mal widerfährt, wenn ich beispielsweise eine eigene Wohnung zu bezahlen habe.“

Während der eine oder andere sich an dieser Stelle sicher noch zwei, drei Jahre gegeben hätte, entscheidet sich Scharbaum für einen anderen Weg, ihn reizt die Perspektive, in eben diesen zwei, drei Jahren nahezu fertig zu sein mit einer beruflichen Ausbildung. Er bewirbt sich auf ein duales Studium zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Drensteinfurt sowie dem Bachelor in BWL, vor allem aber geht er sportlich einen bemerkenswert großen Schritt zurück, zum SV Drensteinfurt in die Bezirksliga. „Ich kenne mich: Wäre ich beispielsweise zu einem Ober- oder sogar Regionalligisten gewechselt, wäre Fußball doch wieder in den Vordergrund gerückt – und das wollte ich nicht.“ Heute ist Scharbaum tatsächlich in den letzten Zügen seines Studiums, Anfang kommenden Jahres wird er seinen Bachelor gebaut haben, freut sich darauf, dann mal einen ganz normalen Wochenrhythmus zu haben. Und überhaupt haben sich mit seiner Entscheidung für Drensteinfurt gleich mehrere Kreise geschlossen: Er ist im Guten mit dem Profi-Fußball auseinandergegangen – kurz nach seinem Abgang meldete die SG Wattenscheid Insolvenz an; beim SVD kickt der Torhüter jetzt wieder mit Jungs, mit denen er schon als Mini auf dem Platz stand; und die erste Mannschaft, sein Team? Scheint auch wieder in ruhigerem Fahrwasser zu verkehren nach einer doch turbulenten Saison. Noch so eine Geschichte, an der Steffen Scharbaum mitschreibt.

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