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Handball: SGS-Trainer Uwe Landau im Interview

„Ich laufe nicht weg“

Sendenhorst

Gut zwei Monate ist Uwe Landau in Diensten der ersten Handball-Herrenmannschaft der SG Sendenhorst. Im Interview mit WN-Redakteur Niklas Groß lässt das Trainer-Urgestein die ersten Wochen im neuen Club Revue passieren.

Von Niklas Groß

Auch wenn der Blick hier anderes suggerieren mag – „ich schaue immer nach oben“, sagt Uwe Landau, Trainer der SG Sendenhorst. Mit seinem Team möchte er vorne mitspielen in der Münsterlandliga, auch wenn dafür noch viel Arbeit wartet. Foto: Marc Kreisel

Herr Landau, die ersten Eindrücke in der Vorbereitung waren geprägt davon, dass Sie oft nur mit wenigen Spielern trainieren konnten. Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an die kommende Saison denken?

Uwe Landau: Ich möchte, dass wir den Ball hier in Sendenhorst wieder ans Laufen kriegen. Die zweite Mannschaft hat ja zuletzt noch gespielt, deshalb denke ich vor allem ans Flaggschiff erste Mannschaft. Ziel ist es erstmal, den Kader weitgehend beisammen zu haben im Training. Der Rest wird kommen.

Womit wir schon wieder bei der Trainingsbeteiligung wären. Hier ist offensichtlich keine Besserung eingetreten.

Landau: Also die, die da sein können, sind da, ich mache den Jungs keinen Vorwurf. Aber die Zahl ist so verschwindend gering. Von den 17, 18 Mann, mit denen ich bei meinem Antritt kalkuliert habe, sind noch 13 übrig: Jens und Jörg Hunkemöller sind nicht mehr für die SGS aktiv, Lukas Schmitz setzt andere Prioritäten, Markus Thiel ist nach Dolberg gewechselt; hinzu kommt, dass in Janis Westmeier ein sehr talentierter Kreisläufer an Long Covid erkrankt ist, von dem wissen wir gar nicht, ob er noch mal spielen wird. Und die angeschlagenen Spieler habe ich noch gar nicht erwähnt. Mein Highlight war, als ich letztens mit einem Torwart, einem Feldspieler und einem angeschlagenen Spieler trainieren musste. Da muss ich mich zwingen, nicht wegzulaufen.

Sie sagen es: Fragen Sie sich manchmal, warum Sie diese Aufgabe übernommen haben?

Landau: Ich war und bin mir der Aufgabe bewusst und stelle mich. Ich laufe nicht weg. Auch wenn ich mit meinen 63 Jahren hier eine völlig neue Erfahrung mache, wenn ich die Vorbereitung mit einer solch kleinen Gruppe bestreiten muss.

Mit all Ihrer Erfahrung: Wo können Sie da ansetzen?

Landau: Ich kann Einfluss nehmen über Gespräche und über das Trainingsprogramm. Da gilt es, den Spaß hochzuhalten, auch, indem ich den Spielern immer wieder etwas Anderes anbiete. Als Trainer muss ich jetzt mit gutem Beispiel vorangehen: Da wird auch zu dritt trainiert. Auf meinen vorherigen Stationen hätte ich ein Training bei solch einer Konstellation vielleicht mal abgesagt – da hatten wir dann aber auch schon vier Einheiten in der Woche hinter uns.

Mit welcher Zielsetzung sind Sie in Sendenhorst angetreten?

Landau: Den Handball hier wieder aufleben zu lassen. Wir hatten uns vorgenommen, mit dem Personal, das da war, in der Spitzengruppe der Münsterlandliga mitzuspielen. Dieses Ziel verfolge ich nach wie vor, wobei ich uns im Moment eher an vierter, fünfter Stelle hinter Telgte, Havixbeck und Senden sehe. Da bin ich Realist, das ist kein Abducken von meiner Seite.

Woran fehlt es?

Landau: Am letzten Zentimeter. Der Teamspirit ist da und die Jungs haben alle, wie ich auch, den Willen, oben mitzuspielen. Aber der Transfer von diesem Gedanken auf die Platte klappt noch nicht so. Wenn ich das will, dann muss ich nebenbei das eine oder andere möglich machen. Für mich war es, in der achtziger Jahren, eine Ehre, bei der ersten Mannschaft der SG Sendenhorst mitmachen zu dürfen. Und wir reden hier ebenfalls von Bezirksliga. Dafür habe ich auch meinen Urlaub sausen lassen. Heutzutage würdest du da als Trainer nur schief angeguckt. Aber das ist wohlgemerkt ein globales Phänomen.

Worin liegt Ihre Hoffnung, dass sich das alsbald bessert?

Landau: In den Spielen. Ich hoffe, dass das was auslöst, endlich wieder Handball spielen zu dürfen gegen andere Mannschaften. Da werden die Jungs vermutlich erstmal überlegen müssen, wer eigentlich zuletzt die Trikots mitgenommen hat.

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