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Handball: Herren-Landesliga

Viele Varianten stehen im Raum: Wie es im HV Westfalen weitergehen könnte

Kreis Warendorf

Bis Jahresende wird im HV Westfalen kein Handball mehr gespielt. Wie es danach weitergeht, hat der Verband nun mit Vereinsvertretern erörtert. Drei Szenarien sind aktuell denkbar. Die heimischen Clubs haben aber durchaus auch noch eigene Ideen und Anregungen.

Cedric Gebhardt

Unsanft ausgebremst werden auch weiterhin die Handballer des HV Westfalen. Foto: Angelika Hoof

Bis Ende des Jahres hat der Handballverband Westfalen den Spielbetrieb wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. Wie es danach weitergehen könnte, darüber beratschlagte sich die Verbandsspitze am Dienstagabend im Rahmen eines Staffeltages mit sämtlichen Vereinen der Männer-Landesliga. An der Videokonferenz nahmen neben dem HVW-Präsidium auch rund 75 Vereinsvertreter teil.

Verband hat drei Szenarien entwickelt

Unter dem Vorbehalt, dass die Politik grünes Licht für eine Fortsetzung der Saison gibt, existieren aktuell drei denkbare Szenarien. Dabei geht der Verband davon aus, dass der Spielbetrieb am letzten Januar-Wochenende wieder aufgenommen werden kann. Zuvor sollen die Mannschaften vier Wochen Zeit haben, um sich im Training auf die Saison-Fortführung vorzubereiten. Ziel ist es, mindestens die Hinrunde vollständig zu absolvieren, um eine Wertung der Saison sicherzustellen.

Variante 1 geht davon aus, dass rein zeitlich nur noch die Hinserie, nicht aber die Rückrunde bestritten werden kann, weil der erste Saisonabschnitt wegen weiterer Spielausfälle mehr Zeit als geplant in Anspruch nimmt. Die Mannschaften, die am Ende der Hinrunde auf Platz eins stehen, steigen auf – sofern sie für die Verbandsliga gemeldet haben. Ansonsten die beste gemeldete Mannschaft. Die Teams auf den vier letzten Plätzen pro Staffel steigen ab.

Verkürzte Rückrunde?

Variante 2 setzt voraus, dass neben der kompletten Hinrunde auch eine verkürzte Rückserie möglich ist. In diesem Fall würden die Teams auf den Plätzen eins bis sechs um den Aufstieg und die auf den Plätze sieben bis elf bzw. zwölf um den Klassenerhalt spielen. Die Ergebnisse der direkt beteiligten Mannschaften der Hinrunde werden übernommen. Zwischen diesen Clubs werden dann die Rückspiele ausgetragen. Wer beim ersten Vergleich Heimrecht hatte, muss auswärts ran.

Auch Variante 3 zielt auf eine verkürzte Rückrunde ab. Im Gegensatz zur zweiten Variante werden hier aber die Staffeln geteilt. Die Teams von Platz eins bis vier spielen – sofern sie für die Verbandsliga gemeldet haben – in einer Entscheidungsrunde den Aufsteiger aus. Die Mannschaften von Platz fünf bis zwölf machen den Klassenerhalt unter sich aus, den die besten drei von ihnen schaffen. Den Klassenerhalt schafft die Mannschaft, die zuerst zwei Spiele gewonnen hat. Das Heimrecht für das erste und dritte Spiel hat die nach der Hinrunde höher platzierte Mannschaft.

Saison-Verlängerung denkbar

Um die Varianten 2 und 3 durchführen zu können, ist eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni hinaus ebenso im Gespräch wie Doppelspieltage mit Partien am Freitag und Sonntag. Der HVW hat seine Vereine dazu aufgerufen, sich Gedanken darüber zu machen, welche Variante sie für den Fall einer Saison-Fortsetzung bevorzugen. Auch eigene Vorschläge sind möglich. Im Dezember oder Januar wird der Verband nach Ankündigung von Andreas Tiemann, Vize-Präsident Spieltechnik, von den Clubs ein Stimmungsbild einholen.

HVW-Staffeltag auch in der Männer-Verbandsliga

Parallel zu dem in der Landesliga hat der HV Westfalen auch einen Staffeltag in der Männer-Verbandsliga ausgerichtet. Für die Ahlener SG nahm Abteilungsleiter Ronald Zent an der Videokonferenz teil. „Es gibt unterschiedliche Ansätze darüber, wie es weitergehen könnte. Ziel des Verbandes ist es, auf jeden Fall in irgendeiner Form weiterzuspielen und zu einer Wertung zu kommen. Es soll nicht wieder geschenkte Aufstiege geben wie in der Vorsaison. Alle Gedankenspiele sind aber zunächst mal rein hypothetisch“, sagt Zent. Anfang Dezember soll es eine weitere Videokonferenz geben. Bis dahin hat der HVW seine Vereine ermuntert, eigene Vorschläge einzureichen. Ronald Zent will das tun. „Ich finde die Idee charmant, erst am 20. Februar mit der Rückrunde zu beginnen und diese dann ganz zu absolvieren. Dann hätten die Mannschaften genug Zeit, sich im Training darauf vorzubereiten. Und bislang haben wir in der Hinserie ohnehin erst ein Spiel gemacht. Lasst uns das doch einfach vergessen und nur die der Rückrunde werten.“ Alle denkbaren Szenarien hängen aus Sicht von Zent aber ohnehin davon ab, „wann Handball wieder zulässig ist“.

Die Vertreter der Teams aus dem Kreis Warendorf scheinen sich einig zu sein, dass die Saison nicht schon jetzt abgebrochen werden soll. „Sofern es das Infektionsgeschehen zulässt, bin ich für eine Fortsetzung der Saison und auch dafür, zumindest die Hinrunde zu Ende zu spielen. Wir sind Handballer und wir wollen gerne sportlich zu einer Entscheidung kommen – selbst wenn das hieße, dass wir am Ende absteigen müssten“, sagt Eintracht Dolbergs Trainer Andreas Schwartz.

Ähnlich sportlich nimmt es Ludger Langenberg vom TV Friesen Telgte. Für den Mannschaftsbeauftragten der ersten Herren und langjährigen Funktionär des Vereins ist „völlig klar, dass wir weiter versuchen müssen, Handballsport anzubieten. So steht es in der Satzung, das ist unser Job.“ Einen sofortigen Saisonabbruch hält er daher nicht für die richtige Option. „Die Flinte jetzt schon ins Korn zu werfen, wäre einfach, geht aber nicht“, findet er. Das gelte insbesondere mit Blick auf die Jugend, die bisher noch gar nicht habe spielen können. „Der Verband hat jetzt einige Möglichkeiten vorgestellt und die Vereine aufgefordert, auch eigene zu entwickeln. Was davon reell ist, kann jetzt noch keiner sagen. Aber ich gehe davon aus, dass wir genug kreative Köpfe haben, damit wir irgendwann zu einer guten Lösung kommen“, so Langenberg.

Zuschauereinnahmen elementar für die Vereine

Das findet auch Timo Soszynski, Mannschaftsbeauftragter der ersten Herren beim SC DJK Everswinkel, der zudem explizit den Handball-Verband lobt. „Niemand hat eine Glaskugel und weiß, wie es weitergeht. Aber ich finde, dass der Verband sehr gute Arbeit leistet. Die Verantwortlichen haben sich schon viele Gedanken gemacht und nehmen die Vereine gut mit“, so Soszynski. Sein Eindruck aus der virtuellen Versammlung war, dass derzeit niemand für einen sofortigen Abbruch sei. „Wir sollten auf jeden Fall versuchen, die Hinrunde zu Ende zu spielen, wenn es die Gesundheit aller Beteiligten zulässt. Was danach kommt, hängt auch davon ab, bis wann wir damit durch sind.“

Für die Warendorfer SUnahm Geschäftsführer Patrick Baune an der Konferenz teil. Er urteilt: „Ich finde es gut, dass der Verband bereits Szenarien entwickelt hat. So wissen wir, was auf uns zukommen könnte. Eine Fortsetzung der Saison ist aus meiner Sicht aber nur dann sinnvoll, wenn auch wieder Publikum in den Hallen erlaubt ist. Denn ohne die Zuschauereinnahmen fehlen durchaus einige Mittel, zumal die Kosten für die Schiedsrichter ja erhalten bleiben.“ Ein Einwand, der im Plenum mehrfach geteilt wurde.

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