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Handball: Trainer ist schon weg

Zieht sich der TV Friesen Telgte aus der Landesliga zurück?

Telgte

Der TV Friesen Telgte steckt in einer Krise. Weil die Personalnot so groß ist, ist ein Rückzug aus der Landesliga nicht mehr undenkbar. Trainer Alpár Jegenyés hat sein Amt abgegeben. Sebastian Seitz übernimmt bis auf Weiteres erste und zweite Mannschaft.

Von Ralf Aumüller

Aus und vorbei: Trainer Alpár Jegenyés hat beim TV Friesen das Handtuch geworfen. Foto: Aumüller

Gibt es in Telgte weiter Landesliga-Handball zu sehen? Die Frage lässt sich derzeit nicht seriös beantworten – auch nicht so kurz vor der kommenden Saison, die im September beginnt. Die Personalsorgen sind so groß und die Perspektiven für die erste Mannschaft so schlecht, dass die Verantwortlichen beim TV Friesen derzeit einen Rückzug aus der Landesliga nicht ausschließen können. Trainer Alpár Jegenyés hat sein Amt bereits abgegeben. Bis auf Weiteres kümmert sich Sebastian Seitz, der Coach der zweiten Mannschaft (Bezirksliga), um die ersten beiden Teams.

Weil etliche Routiniers wie Jan Philipp Kortenbrede und Nils Flothkötter ihren Abschied angekündigt hatten, leitete der Verein in diesem Jahr einen Neuaufbau mit eigenen Nachwuchskräften ein. Den ohnehin schmalen Kader haben aus verschiedenen Gründen dann zudem noch Max Kirchner, Fritz Simon und Drilon Jashari verlassen. Die Situation verschärfte sich weiter: Kurzfristig kündigte Kai Schlottke seine Rückkehr zum SV Westerholt an – „obwohl er bei uns schon dreimal fest zugesagt hatte“, so Friesen-Betreuer Ludger Langenberg. Und schließlich musste Philipp Dichtler aus beruflichen Gründen doch wieder einen Rückzieher machen.

Derzeit betreut Sebastian Seitz sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft. Foto: Aumüller

So schrumpfte das Aufgebot auf neun Männer: Torwart Nico Quadflieg, Benedikt Müller, Jonas Langenberg, Kristian Kostovski sowie die Nachwuchsspieler Silas Langenberg, Lukas Nahrup (beide können noch ein Jahr A-Jugend spielen), Lukas Börger, Lasse Tilbeck und Keeper Sebastian Austrup.

Externe Kräfte in die Emsstadt zu locken, war im zweiten Corona-Jahr für den TV Friesen nicht möglich – auch „weil 1000 Mannschaften eine Wildcard für die Landesliga bekommen haben und die Leute jetzt nicht mehr wechseln müssen, um mal in dieser Klasse zu spielen“, klagt der kommissarischen Abteilungsvorsitzende Klaus Hillebrands. Dass die Telgter auf Anordnung der Stadtverwaltung in der renovierten Dreifachhalle nicht mehr harzen und nicht mal selbstklebende Bälle nutzen dürfen, habe die Suche nach Verstärkungen weiter erschwert, so Langenberg.

Alpár Jegenyés

Frühzeitig habe er um personelle Hilfe aus der Reserve gebeten, versichert der Betreuer. In einer Sitzung mit allen Seniorenmannschaften in der vergangenen Woche wurde die Bereitschaft potenzieller Kandidaten, in die Landesliga-Truppe hochzurücken, abgefragt. Der Knackpunkt: Die in Frage kommenden Spieler wollten den von Coach Jegenyés in jedem Fall geforderten Aufwand nicht betreiben. „Es gibt in der zweiten Mannschaft genügend Spieler, die das Format haben“, sagt Langenberg. „Jetzt ist es so: Es finden sich nicht genügend Leute, die kontinuierlich mithelfen wollen, die Mannschaft in der Landesliga zu halten, sodass wir auf zehn Feldspieler kommen würden.“ Hillebrands erklärt: „Viele Spieler aus der Zweiten sind beruflich so eingespannt, dass sie den Leistungsgedanken von Alpár nicht mittragen können.“

Der Trainer aus Emsdetten warf die Brocken hin. „Wer das nicht will, will nicht mal Hobbyhandball spielen. Unter diesen Umständen bin ich hier falsch“, sagt Jegenyés. „Ich mache Sachen nur vernünftig, nicht halbherzig.“

Fünf von zwölf Clubs aus der Landesliga-Staffel steigen in der Saison 2021/22 ab. Die erste Mannschaft abzumelden und die zweite zu verstärken, um möglicherweise in die Landesliga aufzusteigen, ist nicht möglich. Weil die Erste in diesem Fall als erster Absteiger gelten würde, dürfte die Reserve gar nicht aufsteigen.

Klaus Hillebrands

Hillebrands ist erst seit rund acht Wochen als Nachfolger von Andreas Krause interimsmäßig im Amt (eine Abteilungsversammlung mit Wahlen ist am 27. August). „Dass wir in eine solche Extremsituation gekommen sind, hat viele Faktoren“, sagt er. „Unser Plan ist es, beide Mannschaften zu halten. Wir wissen, dass das schwierig wird, aber wir wollen es versuchen.“

Die sportliche Verantwortung für beide Teams trägt zunächst Sebastian Seitz. Er ist beruflich selbstständig und wird diese Doppelaufgabe nicht ewig meistern können. Insgesamt 28 Spielernamen stehen auf seinem Zettel, es wird derzeit gemeinsam trainiert. „Geplant ist es, die erste Mannschaft punktuell zu verstärken“, sagt Seitz. „Entscheidend ist jetzt, dass auch alle Spieler aus dem verbliebenen Kader der ersten Mannschaft weitermachen.“

Ansonsten wird der freiwillige Abschied aus der Landesliga doch ganz schnell ein Thema.

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