Corona: Infektionsschutzgesetz stößt auf Kritik

Ab in den Online-Modus

Greven

Die Nachwuchs-Fußballer, vor allem die ganz jungen Jahrgänge, hatten sich schon über die ersten Lockerungen im Vereinssport gefreut und fleißig geübt. Doch jetzt kommt wieder das Aus in Form der Pandemie-Notbremse.

Sven Thiele

Dem Ball hinterher hechten – darauf müssen die Kids jetzt wieder verzichten. Foto: mle

Nach monatelangem Lockdown war der Sport für Kinder und Jugendliche erst vor wenigen Wochen wieder etwas in Bewegung gekommen, zunächst in Gruppen mit bis zu 20, später mit bis zu zehn Kindern. Doch das Infektionsschutzgesetz des Bundes bremst die Bemühungen der Sportvereine, zumindest Kindern wieder Bewegung zu ermöglichen, unsanft aus. Weil der Inzidenzwert im Kreis Steinfurt mittlerweile weit von der 100er-Marke entfernt ist, steht der Sport seit gestern wieder mehr oder weniger still.

An Kritik für die neuen Regelungen mangelt es nicht. „Die Gesellschaft insgesamt und insbesondere die Kinder und Jugendlichen müssen endlich aus der inzwischen über ein Jahr anhaltenden Bewegungslosigkeit befreit werden. Mit Hilfe der bestehenden und bewährten Konzepte des Sports sowie der vielen Engagierten vor Ort können und müssen wir nun zeitnah sicher und verantwortungsvoll wieder starten“, hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann Mitte April einen eindringlichen Appell an die Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition gerichtet.

Beim Gesetzgebungsverfahren in der vergangenen Woche wurde er nicht erhört Ab sofort gilt: ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von 101 dürfen sich nur noch fünf Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren zum Sport treffen, genauer gesagt: zum kontaktlosen Sport unter freiem Himmel. Übungsleiter müssen zudem einen negativen Coronatest beibringen, der nicht älter als 24 Stunden ist.

Die Regelung geht aus Sicht des Landessportbundes NRW an der Wirklichkeit von Sportvereinen und am Bewegungsverhalten von Kindern vorbei. „Ob für Gruppen von fünf Kindern der geforderte Aufwand (Kontaktnachverfolgung, Einlassregelung, tagesaktuell getesteter Übungsleiter) für Sportvereine leistbar ist, ist fraglich“, stellte der LSB in einer ersten Reaktion auf die neue Gesetzgebung fest.

„Nach einem Jahr verordneter Bewegungslosigkeit tut jede neue Form von Einschränkung richtig weh. Denn unsere 90 000 Vereine hoffen seit Monaten vergeblich endlich wieder auf mehr Normalität. Die Einschränkungen belasten Körper, Seele und Geist bei den Kindern genauso wie bei den Senioren und allen Altersgruppen im Erwachsenen-Bereich“, erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Dass die neuesten Regelungen dem Vereinssport wenig Luft zum Atmen lassen, zeigen erste Reaktionen der Vereine. Die DJK stellt ihren Sportbetrieb im Kinder- und Jugendbereich ab diesem Montag ein und schaltet wieder komplett in den Online-Modus.

Das neue Gesetz, das ein bundeseinheitliches Vorgehen zur Pandemiebekämpfung als Ziel verfolgt, ist in einigen Punkten unklar formuliert. Das wiederum erzeugt beim LSB „Unverständnis“. Beispiele: Ob die Anfängerschwimmausbildungen, die bislang in Gruppen bis zu fünf Kinder möglich waren, von der sogenannten Notbremse betroffen sind, ist bis dato nicht geklärt. Ebenso die Frage, was unter der Formulierung „kontaktlose Ausübung von Individualsportarten“ zu verstehen ist. Ob beispielweise Tennis und Golf auch jenseits der 100er-Marke erlaubt sind, bleibt abzuwarten.

Klar ist nur: Der Vereinssport bleibt überwiegend im Lockdown-Modus. Und das nun schon seit fast einem halben Jahr.

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