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Leichtathletik: Wie Thomas Brack am Olympia-Stützpunkt in Berlin Talente formt

Der große Wurf

Greven

Bei den Münsterland-Meisterschaften kommen hunderte Athleten nach Greven – darunter auch einige Talente. Für Thomas Brack ist das Arbeiten mit Talenten Alltag, er ist mittlerweile Wurftrainer am Olympia-Stützpunkt in Berlin.

Von Sven Thiele

Wurftalente wie Nova Kienast (l.) zu fördern, sodass sie später das Zeug fürs Deutsche Olympia-Team haben, das ist die Aufgabe von Thomas Brack am Stützpunkt in Berlin. Foto: Thomas Brack

Die Münsterland-Meisterschaften, die an diesem Wochenende in Greven ausgetragen werden, bringen Hunderte Leichtathleten aus der Region zusammen. Viele eint der Traum von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen. Einer, der sich nur für ganz wenige erfüllen wird. Für ihn ist Olympia dagegen Alltag: Thomas Brack ist Wurftrainer am Olympia-Stützpunkt (OSP) in Berlin.

Zuvor hat der 54-Jährige viele Jahre als Trainer die Leichtathletik-Szene im Münsterland geprägt. Aus dem fernen Berlin hofft er, dass Wettkämpfe wie die Münsterlandmeisterschaften Talente ins Rampenlicht rücken. Denn spätestens nach dem schwachen Abschneiden bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr ist der Druck auf die Talentförderer gewachsen. Abgesehen von den beiden Diskuswerfern Robert und Christoph Harting, die für die letzten großen deutschen Erfolge gesorgt haben, steht es um die Wurfdisziplinen, Bracks Arbeitsfeld, nicht gut: „Wir bringen im Moment wenig hervor und hoffen, Zuwachs zu bekommen“, meint der Stützpunkttrainer, der jahrzehntelang Talente im Münsterland zu Spitzenleistungen geführt hat.

Seit August 2020 ist Thomas Brack einer von 17 hauptamtlichen OSP-Trainern am Olympia Stützpunkt Berlin. In Hohenschönhausen ist er verantwortlich für die Talentsichtung und die Talentausbildung aller vier Wurfdisziplinen in den Altersbereichen U 14 und U 16. Eine Tätigkeit, die ihn nicht nur aus-, sondern auch erfüllt. Die Bedingungen am Stützpunkt in Berlin mit einem Wurfhaus, wo von drinnen nach draußen geworfen wird, und dem benachbarten Internat, das bis zu 400 Sportlerinnen und Sportler beherbergt, könnten kaum besser sein, schwärmt Brack. Aus seiner Sicht finden zu wenige Talente den Weg in den Stützpunkt. „Ich bin überzeugt, dass viele mit Potenzial in der Peripherie versauern.“

Dass es hoffnungsvolle Nachwuchsathleten gibt, zeigt dieses Beispiel: Nova Kienast zählt im Moment zu den großen Hoffnungen im deutschen Wurfteam. Die 14-Jährige Berlinerin, die Distanzen jenseits der 60 Meter schafft, ist im vergangenen Jahr Erste in der DLV-Bestenliste der U 14-Juniorinnen geworden. Die Hammerwerferin (Bestmarke 60,45 Meter) ist Norddeutsche Meisterin in ihrer Altersklasse und hält im Moment zwei Berliner Rekorde, den in der U 14 ebenso wie den in der U 16. „Meine Aufgabe ist es, sie zu formen“, erklärt Thomas Brack, der mit seiner Kaderathletin bis zu zehnmal in der Woche trainiert.

Dem 54-Jährigen selbst ist der große Wurf bereits gelungen. Er scheint jedenfalls den Schritt, von der Provinz in die Hauptstadt zu wechseln, nicht bereut zu haben. Zumal sein später Karrieresprung außergewöhnlich erscheint. „Ich bin der Hammerwurf-Trainer, der selbst noch nie einen Hammer geworfen hat“, sagt er mit einem Schmunzeln. In Berlin, seiner neuen Wahl-Heimat, fühlt er sich pudelwohl. „Jeder, der hier rumrennt, fühlt sich dem Sport verbunden.“ Und das ist ganz nach dem Geschmack von Thomas Brack.

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