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Tischtennis: Reinhard Rothe beendet seine aktive Karriere

„Die Zukunft ist nicht rosig“

Greven

Der Mann blickt auf 55 Jahre im Tischtennis-Sport, doch irgendwann einmal muss auch für Reinhard Rothe Schluss sein. Am kommenden Samstag nimmt der Routinier seinen Abschied, will beim Vorbereitungsspiel des SV Greven gegen ein Allstar-Team aus Münster aber noch einmal sein Können aufblitzen lassen. So ganz geht Rothe aber nicht, er kümmert sich weiterhin um die Nachwuchsarbeit

Von Martin Weßeling

Jeanshose oder Tischtennis – für den Grevener Reinhard Rothe war das nie eine Frage. Der 65-Jährige beendet am Wochenende seine aktive Karriere. Foto: Eva Meer

Am Samstag, 21. August, geht nach etwa fünfeinhalb Jahrzehnten eine Ära zu Ende, denn an diesem Tag legt Tischtennis-Ikone Reinhard Rothe tatsächlich und unwiderruflich den Schläger beiseite und beendet seine lange Karriere. Zumindest die aktive, denn in Sachen Nachwuchsförderung bleibt Rothe seinem Verein SV Greven nach wie vor verbunden. Zumindest noch für ein paar Jahre – danach soll endgültig Schluss sein für den TT-Routinier mit Legenden-Status.

Am Samstag um 15 Uhr geht es in der Emssporthalle noch einmal gegen ein Allstar-Team mit bekannten Akteuren aus dem Münsteraner Raum. Wollen Sie es gewinnen?

Rothe: Für unsere Verbandsliga-Mannschaft ist das ein echtes Vorbereitungsspiel, denn in 14 Tagen beginnt die Saison. Sportlich gesehen ist das also interessant. Ich – so viel Ehrlichkeit muss schon sein – sehe das nicht mehr so eng. Ich freue mich auf die vielen bekannten Gesichter, zumal wir uns nachher noch auf eine Grillwurst und ein Bierchen treffen werden.

Bei Ihnen fehlt also mittlerweile diese Verbissenheit, die Sie in 55 Jahren an der Platte immer so ausgezeichnet hat?

Rothe: Diese Frage kann ich mit einem „Ja“ beantworten. Das hat mit meinem Alter und Corona zu tun. Nach der langen Pause stand die Frage im Raum, ob ich mich noch einmal motivieren kann, auf den alten Leistungsstand zu kommen. Das ist – auch wegen diverser Zipperlein, die man im Alter so bekommt – nicht mehr der Fall.

Insgesamt dürfte der Tischtennis-Sport aber auf jeden Fall eine tragende Rolle in Ihrem Leben gespielt haben.

Rothe: Stimmt zu 100 Prozent. Und das gilt nicht nur für das sportliche Leben, sondern ganz allgemein. Für das Selbstvertrauen, für die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen, war der Sport immer entscheidend. Tischtennis hat mir einfach auf vielen Ebnen sehr geholfen, meine Persönlichkeit zu entwickeln.

Und das geben Sie ja auch noch für ein paar Jahre an den Nachwuchs weiter.

Rothe: Ja, das ist so vorgesehen. Aber das ist auch nur eine Übergangszeit, denn ich werde mit meiner Frau wieder in den Ruhrpott ziehen. In absehbarer Zeit muss ich mich also auf die Suche nach einem Nachfolger machen.

Was wichtig für die ganze Abteilung sein dürfte, denn erstens haben Sie in Greven eine gute Nachwuchsarbeit aufgebaut, und zweitens dürfte sie in Zukunft immer wichtiger werden.

Rothe: Unsere ältesten Jugendspieler sind etwa 17 Jahre alt. Unser jüngster Spieler in der ersten Mannschaft ist 35. Da klafft also eine Riesenlücke. Um sie zu schließen, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir bekommen gute Spieler von außerhalb, oder wir fördern ganz gezielt unsere eigene Jugend auch in den Leistungsbereich hinein.

Aber nicht alle Jugendspieler sind ähnlich ehrgeizig wie ein Reinhard Rothe, als er vielleicht gerade den Mofa-Führerschein erworben hat. . .

Rothe: Das musste ich sehr früh hier lernen. Einmal gab es eine Spielabsage, weil ein junger Grevener samstags mit seiner Mutter eine Jeans-Hose kaufen musste, statt Tischtennis zu spielen. Das konnte ich anfangs kaum glauben. Und daran muss ich mich immer noch gewöhnen. Jetzt aber habe ich einen guten Kontakt zu den jeweiligen Eltern. Neben Talent und Trainingsfleiß ist ein gutes Elternhaus der entscheidende Faktor.

Hört sich so an, als stehe der Tischtennissport auch in Greven vor der Aufgabe, einen großen Wandel zu begleiten.

Rothe: Die Zukunft ist ehrlich gesagt nicht sonderlich positiv. Wir sind ziemlich überaltert und müssen schauen, wie wir die Lücke stopfen. Schließlich gibt es bei den aktuellen Akteuren auch so etwas wie eine berufliche oder eine familiäre Planung. Man kann diesen Sport bis ins hohe Alter betreiben, doch irgendwann ist Schluss. Bei mir ist es nun soweit.

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