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Fußball: Fans fiebern dem letzten Spieltag entgegen

Gefühlskirmes am Samstag

Greven

Grevener Fußballfans fiebern dem letzten Spieltag an diesem Wochenende entgegen.

Von Stefan Bambergund

Michael Menke, Andreas Brünker, Meister ist wieder einmal der FC Bayern München und Thomas Müller. Dennoch keimt am letzten Spieltag an vielen Stellen Spannung auf. Foto: Stefan BambergMichaelaRehle

Gründe, als Fußballfan zu trauern oder sich wahlweise aufzuregen, gibt es gerade viele: Super League-Pläne, DFB-Skandale, Millionen und Milliarden, Geisterspiele seit einem Jahr, während der Ball bei den Amateuren ruht. Die echte, pure Liebe für die 90 Minuten aber – nein, die ist durch fast nichts kaputt zu kriegen. Deshalb fiebern auch die Grevener Fußballfans – die wir im Winter porträtiert haben – dem letzten Spieltag an diesem Wochenende entgegen.

„Die Faszination bleibt, wir haben jedes Spiel geguckt“, sagt Gladbach-Anhänger Andreas Brünker, der sich zuletzt hauptsächlich geärgert hat über eine schlechte Rückrunde und das Hickhack um den abwandernden Trainer Marco Rose. Für seine Borussia dreht es sich heute noch um einen Startplatz in der neuen UEFA Conference League – was das nun wieder für ein Wettbewerb ist, weiß keiner so wirklich. Kleiner Spoiler: Der Pokalsieger aus San Marino soll da zum Beispiel auch mitmachen – den Modus genauer zu erklären, würde aber jeden Rahmen sprengen.

Jedoch kommt den Gladbachern eine weitere entscheidende Rolle zu: Sie spielen im Weserstadion bei Werder Bremen, das akut abstiegsgefährdet ist, der nächste Bundesliga-Dino vor dem Aussterben: „Für so einen Traditionsklub das Zünglein an der Waage zu sein, ist ein komisches Gefühl“, findet Brünker.

Entspannter kann es Daniel Rosendahl angehen lassen. Sein FC Bayern steht mal wieder als Meister fest. Die einzige noch offene Frage: Schnappt sich Robert Lewandowski den alleinigen Tor-Rekord von Gerd Müller, der entgegen aller Prognosen wohl doch keiner für die Ewigkeit ist: „Ich glaube, Lewandowski macht noch ein, zwei Dinger – verdient hätte er es sicherlich“, so der Reckenfelder, der Klub-Legende Müller freilich eigentlich den Platz in den Geschichtsbüchern gönnen würde. Ansonsten verfolgt auch Rosendahl gespannt den Krimi am anderen Ende der Tabelle, das Schicksal der Kultvereine aus Bremen, Köln und Bielefeld. Wie und wo? „Mit dem Klassiker“, verrät er, „der WDR 2-Radiokonferenz – großartig!“

Alle neun Partien parallel, Tor-Schreie im Akkord, sie werden zu Armin Lehmann nach Köln geben, zu Henry Vogt nach Bremen, und schließlich natürlich „zurück ins Funkhaus“. Samstagnachmittag-Gefühlskirmes ab 15.30 Uhr.

Kristian Peitsch wird um diese Zeit knapp wieder zuhause sein. Der Grevener – der einst auf einer Kreisliga-Mannschaftsfahrt den Ex-Profikicker Holger Greilich kennenlernte und so seine Leidenschaft für 1860 München entdeckte – erlebt sein Fußball-Finale schon zwei Stunden früher. Seine Löwen kämpfen in der dritten Liga um den Relegationsplatz zum Aufstieg, beim Derby in Ingolstadt hilft nur ein Sieg. Peitsch möchte das Match nicht im Fernsehen verfolgen – die Nerven. . .: „Ich werde einen großen Spaziergang machen und erst nach Spielschluss die Tabelle lesen wollen.“

Er setzt auf einen 1:0-Erfolg durch eine Bude des Stürmer-Originals Sascha Mölders: „Allein wegen der Fans und des Spirits gehört Sechzig mindestens in die zweite Liga.“

Zweite Liga – dort sind noch die Bochumer. Noch! Denn nur ein winziges Pünktchen benötigt der VfL zur Erstliga-Rückkehr nach elf Jahren. „Damals war ich noch Schüler“, schmunzelt Lukas Antkowiak. Er musste 2010 den Abstieg mitansehen – jetzt soll‘s wieder hoch gehen, egal wie: „Seit elf Jahren warten der Verein, die Stadt und die Fans auf diese Chance.“

Antkowiaks letztes Spiel im Stadion, vor Corona, war übrigens ein 4:4 gegen den SV Sandhausen – und jetzt alle mal raten, wer am Sonntag der Gegner ist: genau! „Noch mal 4:4, das würde natürlich nervlich den Vogel abschießen“, meint der bekennende Fußball-Romantiker. „Aber es würde ja sogar reichen!“

Mit einem Auge nach Bochum schaut auch Michael Menke: Denn die dort spielenden Sandhäuser sind wiederum ein direkter Konkurrent seiner Braunschweiger im Rennen um den Klassenerhalt. Die Eintracht greift morgen nach dem allerletzten Strohhalm: „Ich bin noch ein bisschen geplättet“, berichtet Menke. Sein Herzensverein hat nämlich die schlechtesten Karten, weil er jüngst das Heimspiel gegen den längst abgeschlagenen Tabellenletzten verbaselte. Eintracht braucht beim HSV also auf jeden Fall alle drei Punkte, zeitgleich müssen alle anderen Abstiegskandidaten verlieren. Sonst geht‘s runter in Liga drei. Mit „einem Prozent“ beziffert Menke die Rettungschancen. Aber: „Ein Prozent ist eben immerhin ein Prozent!“, fügt der gebürtige Niedersachse sofort hinzu.

Die Hoffnung, sie stirbt bekanntlich garantiert zuletzt – wer wüsste das wohl besser als eingefleischte Fußballfans?

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