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Viele positive Erinnerungen

„Ich bin ja nicht aus der Welt“

Greven

Das war´s. Werner Jacobs stand viele Jahre an der Spitze des Stadt-Sport-Verbandes. Im April ist allerdings Schluss.

Martin Weßeling

Werner Jacobs hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des Stadtsport-Verbandes stets ein offenes Ohr für die Belange der heimischen Sportler. Sportlich gesehen hat Werner Jacobs einiges ausprobiert – und saß auch schon mal in einem Bob. Foto:

Ende April ist Schluss – zum zweiten Mal. Also nicht, was seine Zeit in Greven angeht, oder im Hinblick auf die Freizeitgestaltung. Aber den Vorsitz beim Stadtsportverband Greven gibt Werner Jacobs nun endgültig ab. Im Gespräch mit WN-Mitarbeiter Martin Weßeling erinnert sich Jacobs an eine bewegende Zeiten als Chef des Grevener Sports – und blickt auf kommende Aufgaben.

Hallo Herr Jacobs. Warum geben Sie den Vorsitz beim SSV Greven auf? Haben Sie – auch vielleicht wegen Corona – die Nase voll? Oder gibt es nun neue, andere Aufgaben?

Jacobs: Es sind rein persönliche Gründe, weshalb ich das Amt des SSV-Vorsitzenden aufgebe. Corona und auch sonstige Entwicklungen in Greven haben bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, die ich bereits Januar 2020 dem SSV-Vorstand mitgeteilt habe. Mit nun 66 Jahren halte ich eine Abgabe des Amtes für angebracht und zeitgemäß, zumal in den Vorstandsebenen der Grevener Sportvereine bereits ein Generationswechsel eingeleitet worden ist. Diesem Wandel, den ich ausdrücklich begrüße, sollte sich auch der SSV nicht verschließen, um auch weiterhin auf Augenhöhe und in einer Sprache mitreden zu können. Der Fortschritt der Technisierung und die Entwicklung neuer Ideen auch im Sport spielen dabei ebenfalls eine bedeutende Rolle.

Wie kam es seinerzeit vor vielen Jahren zum ersten Engagement beim SSV? Wie haben Sie Greven und seine Sportler kennengelernt?

Jacobs: Es war der Rücktritt des damaligen SSV-Vorsitzenden Prof. Züchner, als ich für eine Nachfolge ins Gespräch gekommen bin. Das Scheitern des über viele Jahre geplanten Sportpark-Projektes aus finanziellen Gründen, die älteren Leser werden sich vielleicht daran erinnern, begründete seinerzeit den Rücktritt von Prof. Züchner. Ich war zu dem Zeitpunkt Jugendleiter Fußball beim SC Greven 09 und hatte für den SSV bereits einige Sportgala-Veranstaltungen moderiert. So kam man von verschiedenen Seiten dann wohl drauf, mich zu fragen, den Vorsitz zu übernehmen. Die Grevener Sportszene war mir damals also nicht unbekannt, wenngleich sich zunächst vieles auf den Fußball bezog. In die SSV-Aufgaben bin ich dann mit meinem neu gewählten Vorstand so langsam reingewachsen und dabei haben sich dann natürlich auch viele neue Kontakte zu den Mitgliedsvereinen mit anderen Sportarten ergeben. Insgesamt hatten wir mit dem Vorstand eine sehr gute Zeit damals, an die ich mich gerne zurückerinnere und zwischen dem auch heute noch gute Kontakte bestehen.

Gab es prägende Ereignisse – positive wie negative – in Ihrer Zeit als SSV-Vorsitzender?

Jacobs: Die positiven Ereignisse überwiegen deutlich, deshalb behalte ich die wenigen negativen lieber für mich. Aus der ersten Amtszeit habe ich noch gut den Erwerb der Sportanlage Kroner Heide durch TVE und TSC Ems-Casino in Erinnerung, für die kurzfristig ein SSV-Beschluss zur Förderung durch die Stadt notwendig wurde. Da mussten wir als zunächst nur kommissarisch bestellter geschäftsführender Vorstand, bestehend aus 1. (meine Person) und Stellv. Vorsitzenden (Rudi Wieskötter vom SC Reckenfeld) doch ein bisschen improvisieren. Aber letztendlich haben wir es doch alles rechtzeitig hinbekommen, sodass das bis heute erfolgreiche Projekt in Angriff genommen werden konnte. Die Erweiterung/ Anpassung der Außensportanlagen für 09, DJK, SC Reckenfeld und BG Gimbte nach dem Sportpark-Aus waren ein großer Erfolg für alle Beteiligten damals. Viele gemeinschaftliche Anträge von Vereinen und SSV und Gespräche mit Stadt und Politik waren dem vorausgegangen, es wurde eine passende Finanzierung geschnürt. Danach haben dann alle an einem Strang gezogen und die viel zu knappe Sportplatzsituation konnte deutlich verbessert werden. Ein persönliches Highlight für mich war damals die Vorführung des Films ‚Das Wunder von Bern‘ im Ballenlager vor ausverkauftem Haus. Als besonderes Schmankerl war es uns mit Hilfe von Sponsoren gelungen, den Fußball-Weltmeister von 1954, Horst Eckel, der inzwischen der letzte Überlebende der legendären Mannschaft ist, sowie einige Zeitzeugen für eine Talkrunde vor dem Start des Films zu engagieren. Jürgen Beckgerd von den WN und ich, aber auch das Publikum hatten damals viel Spaß bei der Moderation der Veranstaltung. Meine zweite Amtszeit war dann seit 2018 mehr dadurch geprägt, das etwas leckgeschlagene SSV-Schiff wieder auf Kurs zu bringen, viele Kontakte aufzufrischen und neue Projekte sowie sportliche Angelegenheiten anzustoßen und zur Entscheidung zu bringen. Ich glaube, dass uns das ganz gut gelungen ist und ich möchte mich auf diesem Wege schon mal ganz herzlich bei meinem SSV-Vorstandsteam bedanken, mit dem die Arbeit jederzeit viel Spaß gemacht hat und vor allem auch sehr konstruktiv verlaufen ist. Nur mit einem solchen Team kann man etwas bewegen.

Was wünschen Sie sich für den Grevener Sport und die gut 30 Mitgliedsvereine?

Jacobs: Das er weiter so gut funktioniert wie bisher und dass die vielen ehrenamtlichen Macher dem Sport erhalten bleiben. Es wird unendlich viel professionelle Arbeit geleistet in den Vereinen, mit Herzblut und Erfolgswillen, aber auch, um den so wichtigen Faktor Sport für die nicht leistungsorientierte Breite zu ermöglichen. Ganz ehrlich, da wird in den Grevener Vereinen Vorbildliches geleistet. Dies allein sollte auch von den Vereinsmitgliedern und sonstigen Nutzern ins ständige Bewusstsein genommen werden, denn nur für sie wird das alles mit erheblichem Zeitaufwand vorbereitet und durchgeführt. Mein Appell geht deshalb an die Mitgliederkreise: bleibt euren Vereinen treu und kehrt ihnen nicht den Rücken zu, auch wenn im Moment durch Corona nicht viel angeboten werden kann. Es werden ganz sicher wieder bessere Zeiten kommen und diese Tage sind hoffentlich nicht mehr fern. Ich glaube ganz fest daran und ihr solltet das auch tun. Bleibt ganz einfach am symbolischen Ball in euren Vereinen!

Was würden Sie Ihrem Nachfolger – er muss ja erst noch gewählt werden – mit auf den Weg geben?

Jacobs: Mein Nachfolger steht bereit, ich bin fest davon überzeugt, dass er gewählt werden wird. Er bringt alles mit, was man für ein solches Amt benötigt, vor allem den Willen, sich stark für den Sport in Greven zu engagieren. Er wird seinen eigenen Weg gehen, das habe ich an ihm kennen und schätzen gelernt. Und mit dem tollen Team, das ihm nach Stand der Dinge wohl erhalten bleibt, wird er die notwendige Unterstützung erfahren. Und sollte er dann tatsächlich noch mal meinen Rat benötigen, bin ich ja nicht aus der Welt.

Bleiben Sie dem Grevener Sport – in welcher Funktion auch immer – erhalten?

Jacobs: Ganz sicher als interessierter Beobachter der sportlichen Leistungen, aber auch der Entwicklung drum herum. Zudem bin und bleibe ich 09-er und hoffe mit dem ganzen Verein, dass bald der Aufstieg der 1. Mannschaft in die Landesliga gelingen wird. Eine Funktion werde ich nicht mehr übernehmen, vielleicht beim Hamburger SV, bei dem ich auch Mitglied bin. Die haben es wohl nötiger (lacht!). Bei der Grevener Kulturinitiative gehöre ich sicher noch einige Zeit zum Vorstands-Tribunal, dem Ehrenamt bleibe ich somit in Greven noch erhalten.

Wie steht es um die eigenen sportlichen Ziele?

Jacobs: Die sind eher reduziert, da ich wegen sportlicher Altlasten in den Knochen so ganz viele Sportarten nicht mehr betreiben kann. Mal schauen, vielleicht kaufe ich mir mal ein E-Bike für weitere Strecken, da ist man dann ja wenigstens an der Luft. Zunächst muss aber erst noch mein Fahrrad herhalten. Das klappt noch ganz gut. Bergwandern möchte ich weiter können und machen, aber immer in Verbindung mit Seilbahnen, die mich auf Höhe und auch wieder runter bringen.

Welche Aussage würden Sie gerne über sich in der Zeitung lesen?

Jacobs: Was er gemacht hat, hat er ganz gut gemacht. Zumindest hat er alles gegeben.

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